Getreu zur Lage des Gesundheitswesens in Südkorea hat sich auch die Filmwirtschaft im Lande verhalten. Gestartet als einer der ersten Länder mit neuen und populären Produktionen im Frühsommer und auch als einer der ersten Länder mit durchaus vorhandenen Zuspruch beim Publikum hat sich die Lage über die Herbstmonate bis in den Winter hinein analog zur angestiegenen Zahl an Neuinfektionen wieder verändert. Der Betrieb von Lichtspielhäusern wurde weiterhin eingeschränkt bis eingestellt, auch unabhängig davon blieben die Zuschauer aus und Zuhause, was später die Übernahme einiger High-Profile Werke wie The Call oder Space Sweepers seitens Netflix zur Folge hatte und mittig, also etwa im September und Oktober einige Leerläufe im Kino und der schnelle Vertrieb auf einheimischen Streamingdiensten. Getroffen und betroffen wurden dabei auch einige eigentlich zielsichere Arbeiten wie Okay! Madam oder The Golden Holiday, die als Actionkomödie angelegt mit das erfolgreichste Genre des Landes überhaupt bedienen, wenn man sich den Vorjahreszeitraum und Vertreter wie die Blockbuster Confidential Assignment oder Extreme Job ansieht:
Um an seinem (vergessenen) 10. Hochzeitstag die Familienstimmung zu retten, willigt der bei der Daecheon Police Station tätige, eher in finanziellen Nöten steckende Sergeant Hong Byeong-soo [ Kwan Do-won ] einer Urlaubsreise nach Manila mit seiner Frau Mi-yeon [ Shin Dong-mi ] und der kleinen Tochter Ji-yoon [ Lee Han-seo ] ein. Vor Ort angekommen trifft er gleich mehrere Bekannte, den jetzt akls Taxifahrer tätigen Hwang Man-cheol [ Kim Dae-myung ], den (fälschlicherweise) wegen Mordes inhaftierten und ehemals besten Freund Kim Yong-bae [ Kim Sang-ho ] und den früher im Nachbarsort aufgewachsenen 'Schauspieler' Charlie Park a.k.a. Park Choon-sik [ Shin Seung-hwan ], der als einziger Zeuge Yong-baes Unschuld beweisen könnte, da eigentlich Patrick [ Kim Hee-won ] der Täter ist. Alle vereint, dass sie hinter einem sagenumwobenen japanischen Kriegsschatz her sind, der vor einem Dreivierteljahrhundert auf einer der unzähligen Landesinseln vergraben wurde. Der Detective auf Urlaub kommt dadurch nicht nur auf Ideen, sondern auch bald in Teufels Küche.
Im Vergleich zu Okay! Madam macht man im Grunde den gleichen Start, sucht sich dort mit Hawaii und hier mit den Philippinen ein exotisches Ziel, ein Urlaubsausflug als Rückzug vom Alltag, wo man eher gestresst ist und zwar arbeiten tut, aber der Lohn dafür vorn und hinten nicht langt und eher die Armut regiert. Sogar die Figurenkonstellation ist dieselbe, eine Kleinfamilie aus Vater, Mutter und kleiner Tochter, wobei die Jüngste mit die treibende Kraft ist und die Eltern mehr von der Sorte hübsch-hässlich und mit ebensolcher Kleidung ausgestattet sind. Wo dort aber als Umrandung eine Art Spionagethriller angetäuscht wurde und es dann in die familienfreundlich-humoristische Variante eines Passagier 57 mit der Befreiung einer gekaperten Passagiermaschine ging, bricht der Trubel hier nicht auf dem Weg, sondern erst bei Ankunft vor Ort aus; der Rahmen ist Polizeikomödie und die Füllung ist Schelmen- und Gaunerstück.
Erst die Gemeinsamkeiten, wie auch die Übereinstimmung in der Wahl möglichst bunter Bilder, dann die Gegensätze, welche hier angenehmer Weise auch schnell auftreten, da tatsächlich angenehm im Kontrast zu dem lauten bis misstönend lärmigen Geschehen optisch und akustisch wie bei Okay! Madam sind. Golden Holiday hat auch seine Ausreißer nach oben, versucht sein Entertainment aber die meiste Zeit nicht über die bloße Verzerrung und die verkrampfte Albernheit zu erreichen, sondern so etwas wie normale Figuren mit normalen Verhaltensweisen und damit auch einen Hebel für die Komik zu bewahren. Der Witz wird nebenher eingestreut und nicht mitten in das Zentrum gestellt, sodass auch bei Missfallen oder Misslingen noch genügend andere Aufmerksamkeiten vorhanden und weitere Ablenkungen als Ausgleich gegeben sind.
Wo sich der andere Film in seinen Innenräumen in der Business und der Economy Class austobte und auch mal in den Lagerraum, das Cockpit oder die Technikzentrale ging, wird sich hier quer über Manila verteilt, tatsächlich Reisebilder aus der ansonsten gar nicht so strahlend ausschauenden Stadt eingefangen und die Metropole mit dem Ruf eines riesigen Slums hier von der besten und wirklich güldenen Seite präsentiert; man hat fast den Eindruck, der Locationscout hat sich verlaufen und man hat irrtümlich in Bangkok gedreht. Eine kurze Verfolgungsjagd zu Fuß von zwei eher beleibten und mit Bauchspeck vor allem geplagten Männern startet den Reigen der Actionszenen, später wird noch ein einheimischer Ganglord in seinem eigenen Anwesen samt den Schergen mit blauen Bohnen erschossen, und eine ebenfalls bleihaltige Konfrontation mit der einheimischen Polizei auf der Schutthalde an den Tag gelegt. Zu einem Reißer wird man damit allein noch nicht, dafür sind die Angelegenheiten zu klein und auch nicht auf den bloßen Effekt, sondern auch eher wie im Nebenher inszeniert; außerdem hängt die Geschichte bzw. ihre Behandlung auch eher locker in den Seilen, wobei man sie aufgrund mehrerer Kontaktpersonen für den Polizisten – der sich nicht nur nicht auskennt, sondern auch kein Englisch kann und bald auch ohne Bargeld, ohne Ausweis und im Grunde mit nichts außer der Kleidung am Leib dasteht – die ganze Sache auch eher umständlich schreibt, statt forsch nach vorn zu preschen. In der Mitte der Laufzeit ist man noch oder auch wieder am Anfang quasi, so richtig zwingend ist das nicht.