Noch immer scheinen Superheldenfilme das Maß aller Effekte zu sein und sich stets überbieten zu wollen, was nicht selten in einem Overkill mündet. Das chinesische Fantasy-Epos von Regisseur Lu Yang schlägt einen ähnlichen Weg ein, jedoch dosiert er seine Effekte recht effizient, indem zwei parallele Handlungsstränge involviert sind.
Seit sechs Jahren sucht Guan Ning vergeblich nach seiner Tochter. Eines Tages wird er von der Assistentin eines Technologiemagnaten angeheuert, um einen Schriftsteller zu töten. Denn die Inhalte seiner Romane wirken sich negativ auf den Gesundheitszustand des Konzernbosses aus. Mit Aussicht auf ein Wiedersehen mit seiner Tochter, knüpft er Kontakt mit dem Schreiberling Kongwen, den er ja eigentlich umbringen soll…
Das Konzept erinnert ein wenig an Michael Endes „Die unendliche Geschichte“, wenn Teile eines Romans mit der Wirklichkeit verschmelzen. Auch hier gibt es Parallelwelten und jeweilige Hauptfiguren. Während Guan Ning und Kongwen in der realen Welt agieren, gibt es einen weiteren, kriegerischen Kongwen in der Fantasiewelt namens Ranliang, in der ein Kampf gegen den fürchterlichen Herrscher Feuermähne ansteht, der verschiedene Kantone in Kriege verwickelte.
Während es in der richtigen Welt eher schleppend voran geht und die Action rar gesät ist, beeindruckt das Fantasyreich mit bemerkenswerten visuellen Attributen. Sei es die Farbgestaltung mit kräftigen Farben und viel Rot, imposanten Massenszenen und epischen Kämpfen, - das ist etwas fürs Auge. Auch wörtlich zu nehmen, denn früh wird Kongwen eher unfreiwillig mit einer Panzerrüstung ausgestattet, dessen Zentrum ein Augapfel an seiner Brust markiert und teils sogar mit makaberen Äußerungen auflockert. Bei diesen Parts kommt die Action in vollen Zügen zur Geltung, wobei der Fight mit dem Endgegner schon aufgrund dessen Erscheinung ein Highlight markiert.
Die Handlung um Guan Ning gerät indes ein wenig ins Stocken, zumal etwaige Hintergründe recht oberflächlich bleiben. So wird nicht erklärt, warum er beinahe übermenschlich gut mit Wurfgeschossen umgehen kann und wie er die Suche nach seiner Tochter über die Jahre vorantrieb. In dem Kontext kommt die emotionale Komponente zu kurz, die Dringlichkeit schimmert kaum durch. Auch kristallisiert sich im Verlauf eine zu schwache Verbindung zwischen den Welten heraus, welche zu keiner Zeit eine direkte Symbiose eingehen.
Dennoch lohnen sich die etwas zu lang geratenen 130 Minuten für Freunde imposanter Fantasy-Action schon aufgrund der optischen Gestaltung und der sauber choreographierten Action, die einige erstklassig ausgearbeitete CGI beinhaltet. Auch darstellerisch ist nichts anzukreiden, wogegen die Geschichte als Gesamtpaket nicht vollends überzeugt, jedoch eine ansprechende Alternative gegenüber Superhelden aus Hollywood liefert.
7 von 10