Die von Spielberg weder gewollte noch autorisierte Fortsetzung seines Meisterwerkes erfüllt im Grunde nur eine Funktion - sie zeigt noch deutlicher die Klasse des Originals.
Genau die Stärke des ersten Teils ,der in jeder Sequenz eine unglaublich dichte Atmosphäre zeigte, wird hier in keiner Aufnahme oder Einstellung erreicht. Obwohl Regisseur Szwarc sicherlich auch sein Handwerk versteht, gelingen ihm keine ähnlich eindringlichen Bilder. Das verdeutlicht, daß es eben nicht nur auf eine gute Story ankommt...
Doch welche Qualität erreicht hier die Story ? - In "Jaws 2" wird der Hai anders eingeführt, indem wir schon früh die ersten Angriffe auf Menschen erleben. Das kann man kritisieren, da Spielberg ihn im ersten Teil bewußt sehr lange im Unsichtbaren beließ, um so die Spannung zu steigern.
Man muß allerdings den zeitlichen Kontext des nur 3 Jahre nach Teil 1 erschienenen Films beachten, denn dem damaligen Publikum war der Hai noch sehr präsent, so daß ich den Beginn für eine gute Alternative halte. Nur wir Zuschauer wissen, daß ein neuer Hai aufgetaucht ist und Chief Brody (Roy Scheider) beginnt langsam zu ahnen, wer da in der Tiefe des Meeres lauert.
Hier liegt auch der einzig offensichtliche Bezugspunkt zum ersten Teil, denn nur Brody hat etwas aus der gemachten Erfahrung gelernt. Weder für seinen Sohn, der ja immerhin im ersten Teil mit einem Schock nach einem Haiangriff ins Krankenhaus kam, noch für den ebenfalls in der selben Besetzung anwesenden Bürgermeister samt Gemeinderat scheinen die schrecklichen Ereignisse, die ja gerade mal 3 Jahre zurückliegen, noch präsent zu sein.
Dadurch wird "Der weiße Hai 2" in seiner Story zu einem merkwürdigen Zwitter. Einerseits bezieht er sich noch auf Teil 1, indem er (leider außer Richard Dreyfuss) alle bisherigen Protagonisten wieder an Bord hat und auch die Kenntnis des Hais als solchen hier voraussetzt (so gibt es keinerlei Hintergrundinformationen wie im Original), andererseits scheinen sämtliche Beteiligte außer dem Chief zum ersten Mal mit diesem Problem konfrontiert zu werden.
Der zweite Teil wiederholt hier noch einmal die gesamte bornierte und nur an eigenen Geschäftsinteressen orientierte Haltung der Verantwortlichen. Während Spielberg diesen Handlungsstrang eher im Hintergrund beließ, wird hier daraus eine peinliche und übertrieben lang geschilderte Farce, die auch noch zur Entlassung des Chiefs führt. Dadurch verschenkt Teil 2 erhebliches Potential, denn eine Weiterentwicklung der Charaktere, fußend auf den traumatischen Erfahrungen mit dem ersten Hai, wäre nicht nur glaubwürdiger gewesen, sondern hätte zusätzlich Spannung erzeugen können.
Problematisch ist aber auch die innere Logik der Story. So ist es nicht verständlich, warum keine Leichenteile der ersten drei Hai-Opfer an Land gespült werden, sondern nur der verbrannte Torso - einer der Hauptgründe ,warum Chief Brody nicht glaubwürdig genug wirkt. Desweiteren fehlt dem Hai hier jegliche Konsequenz, die Spielbergs Hai an den Tag legte. Im Original ließ er immer erst von seinem Angriffsziel ab, wenn der Gegner vernichtet war - ohne diese Einstellung wäre das abschließende Duell zwischen den drei Männern auf dem Boot und der Bestie gar nicht vorstellbar.
Im zweiten Teil dagegen handelt er eher planlos. Zuerst werden immer sämtliche Insassen eines Bootes verspeist, plötzlich läßt er aber auch mal ein Appetithäppchen aus und läßt das Mädchen am Leben - ohne das das irgendwie erklärt wird (z.B. durch eine Ablenkung). Genauso lehnt er sich gemütlich zurück, nachdem er sämtliche Segelboote der Teenieversammlung platt gemacht hat und die Jugendlichen dabei sogar mit den Füßen im Wasser stehen, um dann ausgerechnet den Rettungshubschrauber anzugreifen - Effektivität sieht anders aus und als genauso eine perfekte Tötungsmaschine wurde uns "Der weiße Hai" im Original offeriert. Angesichts der kreischenden Teenies wünscht man sich als Zuseher eine bessere Futterverwertung...
Natürlich entsteht auch einige Spannung aus diesen unberechenbaren Momenten, aber sie basieren auf einer unglaubwürdigen Erzählstruktur. Und so plätschert der zweite Teil als durchschnittlicher Actionfilm so dahin. Betrachtet man ihn unabhängig vom Original kann man von einem spannenden Film sprechen, jenseits aller Logiklöcher. Aber sein einziger Pluspunkt ist und bleibt der Hai und an dessen Entwicklung hat Teil 2 keinerlei Anteil.
Fazit : schwache und unnötige (sieht man mal vom Geschäft ab) Fortsetzung des Meisterwerkes, die einerseits von der Wirkung des Originals und der dort entwickelten Kreatur profitiert, andererseits keinerlei eigene Entwicklungsschritte vollzieht, sondern nur willkürlich die Haiangriffe variiert.
Das dabei auch Spannung aufkommt liegt in der Natur der Sache und ist keinerlei Verdienst des zweiten Teils. Im Gegenteil - es hätte genügend Potential gegeben, die Spannung noch zu steigern.
Im Gegensatz zum Original verfügt der zweite Teil auch nicht über die künstlerische Kraft, die "Jaws" unabhängig vom dargestellten Schrecken zu einem zeitlosen Meisterwerk werden ließ. Ich bin sogar der Meinung, daß dieser Film kaum noch bekannt wäre, wäre er nicht im Schatten des Original entstanden (5/10).