Wenn man sich die Kritiken so betrachtet, scheinen nicht viele Leute besonders zufrieden mit „Willy’s Wonderland“ zu sein, einem von diesem Filmen, die sich hauptsächlich auf die Fahne geschrieben haben, als Alleinstellungsmerkmal immerhin den Namen Nicolas Cage aufs Poster drucken zu können.
Man kennt ja die Cage-Story: viel Ruhm, viel Kohle, verspekuliert, viel Schulden, nun fleißig Drehen wie am Fließband, weil man aufgrund von mimischer Darstellungsform eh per se Kultstatus hat.
Immerhin bekommt man für diesen Status auch etwas, denn Cage rotzt nicht Cameos heraus, er übernimmt im Wesentlichen ganze Filme, dominiert sie und richtet sie auf seine Performance aus. Wenn man Glück ist, fällt Letztere memorabel aus.
Von dieser Art ist zum Glück auch seine Rolle in „Willy“, die eines namenlosen und wortkargen Drifters, der am Arsch von Nevada mit seinem Auto liegen bleibt und – verdächtigerweise – ohne Bargeld seine Kiste nicht wieder bekommt, was sich als schwierig herausstellt. Deswegen soll er einen auf Putzkolonne/Nachtwächter im besagten „Wonderland“ machen. Die Erlebnisgastro-cum-Ferienparadies hat zwar schon lange zu, aber man muss ja mal mit dem feuchten Lappen drüber.
Tatsächlich steckt in den düsteren Mauern das Grauen, denn die seit Jahren stillgelegten Animatroniktierfiguren, von denen es so einige gibt, beinhalten böse Geister, die besonders gestern Reisende und (wie in der Folge hier) Teenager abschlachten. Die Tochter des Sheriffs möchte deswegen die Butze gern einäschern, aber wie so häufig bleiben die Teens dort hängen und müssen dann ihr Leben lassen, weil sie nicht schnell genug wieder draußen sind.
Das wäre jetzt eine Malen-nach-Zahlen-Slasher, mit der Ausnahme, dass der oder die maskierten Killer diesmal lebensgroße Cartoonfiguren sind – wäre da nicht der offenbar sehr involvierte Cage, dessen Performance den Bizarr-Faktor noch einmal um ein paar Höhenkilometer aufstockt.
Dass Cage es schafft, in gut 90 Minuten KEIN Wort zu reden (Nicken und Brummen ist erlaubt), ist ja schon mal ganz schön, aber während im weitläufigen Gebäude das Drama läuft, schafft es Cage tatsächlich, den gesamten Laden zu säubern und aufzuräumen. Natürlich stören animatronische Killer dabei, weswegen er mitunter eben zu brachialer Gewalt greift, um mit den Angreifern abzurechnen. Das könnte den Teenagern enorm helfen, aber dazu kommt eben, dass er sich permanent einen Wecker stellt, nach dessen Klingeln er jede Aktivität einstellt, immer eine Dose Coffeindrink in sich reinschüttet, um danach erstmal ein Viertelstündchen Flipper zu spielen. Danach ist er gerne wieder Terminator, aber während dieses Zeremoniells solltest du sehen, dass dir gerade keiner den Kopf absägen will, denn dann bist du geliefert.
Der Mumpitz hat erzählerisch dann natürlich noch ein, zwei Twists und nachträgliche Erklärungen, die das alles plausibler machen (wenn auch nicht, dass noch niemand die Bude abgefackelt hat), aber am Ende ist man ganz froh, wenn man durch die Kills und den manchmal etwas bemühten Humor durch ist.
„Wonderland“ wollte wohl ein großer Spaß sein, ist aber streckenweise tonal verquer und lässt eben auch ein paar Fragezeichen zurück, gönnt sich aber nette Härtegrade und ordentlich roten Lebenssaft.
Allein schleppt er sich manchmal ein bißchen zu sehr durch seine Genreklischees und sobald man über den „Drifter“ Fragen zu stellen beginnt, reißt das auch ziemliche Löcher in die eh schon gebremste Dynamik des Plots. Der ist dann eben doch voll mit vielen Wiederholungsvariationen, wenn auch atmosphärisch schön inszeniert. Leider ist Cages Figur ohne Background irgendwann auserzählt, denn bald ahnt man, dass der Typ unzerstörbar ist – er ist nur nicht immer sofort zur Stelle, wenn man ihn braucht.
Ingesamt also ein hübsches Kuriosum aus der Horrorecke, aus der geschicktere Regisseure ein bißchen mehr Knalligkeit und Spaß destilliert hätten, aber das „Wonderland“ zeigt ja deutlich, dass auch die besten 80er irgendwann mal vorbei sein müssen.
Wenn man jetzt nicht eben allergisch auf leicht repetitive Slasher ist, dann kommt sowas bei mir auf 6/10.