Der Fluch des schwarzen Rubin
1965 in Bangkok gedreht, als einer der letzten klassischen Abenteuerfilme aus der Schmiede von Wolf. C. Hartwig entstanden, bildet der Film auch die erste und einzige Adaption des Groschenromanheldes Rolf Torring.
Bereits die Titelmusik von Gert Wilden baut den Namen als Gestaltungselement mit ein, dieser Track ist ein echter Killer (Die Filmversion der Titelmusik ist um Klassen besser, als die bisher immer veröffentlichte auf CD - Das nur am Rande bemerkt). Die Geschichte ist nicht nur auf dem Papier äusserst krude, Manfred R. Köhler setzt die ganze Sache auch noch relativ uninspiriert in Szene. Der selige Horst Frank hielt von seinem Regisseur nicht viel, "ein völliger Nichtskönner" meinte er in einem Splatting-Image-Interview.
Frank (der sich in diesem Film nicht mal selbst spricht, diese Aufgabe fiel dem gewohnt souveränen Rainer Brandt zu) spielt wie immer den Bösewicht mit viel Charme und einer gehörigen Portion Eleganz und Arroganz, Peter Carsten prügelt sich mit Verve durch den Film, Serge Nubret glänzt weniger durch großartiges Schauspiel denn durch seine muskelbepackte Statur und den Held Torring schließlich spielt der Österreicher Thomas Alder, der von Klaus Kindler synchronisiert wird und in seiner Rolle nur dann aufgeht, wenn er mit Chitra Ratana agieren darf. Alder beging 1968 Selbstmord. Chitra Ratana, welche hier wirklich bildhübsch aussieht, war damals in dortigen Gefilden so etwas wie ein Star.
Die Prügeleien sind sehr putzig und zeigen, dass bei dieser Produktion keiner eine Ahnung von Stunts oder Ähnlichem hatte. Lediglich Frank, der sich scheinbar in vorigen Filmen bei Brad Harris einiges abgekuckt hatte, hat einiges Talent in diesen Szenen. Auch sein Ausraster als er am Ende das Uranfeld findet, ist den Film wehrt. Die Spinnenszene mit Ratana wirkt schon ein bisschen rüde, unterstütz wird's durch ihr markerschütterndes Gekreische, welches ihr 2 Wochen Heiserkeit einbrachte. Einige Szenen gibt es, wegen denen man den Film gesehen haben muss: der Stromschlagtod von Carlo Tamberlani, Alders Rückpro-Fight mit einem Tiger und den Unterwasserkampf von Nubret, der sich mit einem Gummikrokodil herzhaft einen abmüht. (Letztgenannte Szene, ein Burner sag' ich)
Die Aufnahmen von Bangkok und Umgebung sind wie gewohnt gut, Gert Wilden liefert einen wunderschön poppigen Jazzscore und auch Richard Richtsfeld als Effektemeister macht seine Arbeit wie immer erstklassig.
Obwohl die alte Tauruskassette im falschen Bildformat ist (1,66:1 statt 2,35:1), das Frontcover superhässlich ist und man auf der Rückseite ein Aushangfoto des nicht minder trashigen "Die Rache des Dr. Fu Man Chu" draufgebastelt hat, macht der Film enormen Spaß. Das Buch ist zwar von der Logik löchrig wie ein Sieb, aber alle Beteiligten mühen sich nach Kräften, einen gradlinigen und reißerischen Abenteuerfilm von internationalem Format zusammenzuzimmern. Gerade aus dieser Verbindung ergibt sich für den Film eine stimmungsvolle Melange, viele gute Schauspieler gibt's zu sehen und außerdem hat auch dieser Streifen ein großes Maß an Charme und einen tollen Soundtrack. Für alle Freunde des Genres und für Fans von nicht ganz ernst zu nehmender Unterhaltung, das pure Fest. Ansehen.