Review
von Leimbacher-Mario
Ich glaub ich bin im falschen Film
Nach knapp zehn Minuten merke ich, dass das nicht der „Scare Me“ ist, den ich eigentlich gucken wollte. Mist... Was nun? Die Wertungen im Netz schrecken mich eher ab. Es gibt Brüste und Gore schon direkt zu Beginn (wohl um solche Irrläufer wie mich und notgeile Teens abzugreifen). Konzeptuell scheinen sich beide Filme auch zu ähneln. Das Poster zu diesem „Scare Me“ sieht mit seinem lilanen Retrolook und der Muse-Gedächtnisbrille richtig cool aus. Es soll wohl eine Anthologie sein - da stehe ich drauf. Also komme ich zu dem Entschluss, ihn jetzt durchlaufen zu lassen und nicht abzubrechen. Obwohl ich wie gesagt eigentlich den „Scare Me“ sehen wollte, der viele Horrorbestenlisten des Jahres ziert und in aller Munde ist. Dieser hier wird das nie sein - und es wird auch schnell deutlich, warum nicht...
Dieser „Scare Me“ schickt eine Gruppe junger Erwachsener gen Richtung eines Musikfestivals, für das dem Gewinner eines „Erzähle eine Gruselgeschichte“-Wettbewerbs ein Backstagepass winken soll. Doch noch bevor man dort ankommt wird die Clique auf die Probe gestellt und mit ihren Ängsten konfrontiert... In ihren Geschichten gibt es Werwölfe und Vampire, Killer und Perverse, Überraschungen und plötzliche Unterbrechungen - aber keine davon ist es wert sie einzeln zu betrachten oder zu besprechen. Das ist dieser „Scare Me“ leider auch als Ganzes eigentlich nicht. Da kann der gleichnamige „Cousin“ nur besser sein. Da lege ich jetzt schon meine Fans für ins Feuer. Klar muss jeder mal klein anfangen, klar gibt es zumindest hier und da ein paar blanke Boobies und rausgerissene Gedärme, klar wird in den einzelnen Segmenten sogar kurz versucht soziale und gesellschaftliche Themen aufzugreifen (Polizeigewalt, Rassismus). Aber insgesamt bleibt dann doch nur ein billiges, glattes und ziemlich grottiges Nahezu-Amateur-Projekt, das seine interessanten Ansätzen rund um das „Erzählen von Horrorgeschichten“ nicht ansatzweise auskostet und für keinen der Beteiligten eine brauchbare Visitenkarte abgibt. Zeitverschwendung. Selbst wenn die immer wieder aufkommenden Synthwellen noch immerhin ein paar Kohlen aus dem Feuer holen.
Fazit: wenn man den anderen „Scare Me“ nicht findet - lieber gar keinen Film mit diesem Titel gucken. Denn das einzig Gute an dieser geschwätzig-trashigen Semi-Anthologie ist sein Poster und der clevere Schachzug, seinen Film genauso zu nennen wie ein wahrscheinlich viel besseres Werk im gleichen Jahr... Augen auf. Finger weg. Hingerotzter und hirnloser Potpourri.