Die chronologische Reise über das Werk Joseph Stefanos, dem Drehbuchautor von „Psycho“ endete schließlich in den späten 70ern mit einem für ihn untypischen Monsterheuler, wie er zu dieser Zeit enorm beliebt war: „Snowbeast“.
Yeti, Bigfoot & Co hatten wieder mal enormen Aufschwung bekommen, also warum nicht die Idee vom Schneemonster mal wieder für einen TV-Film recyceln, diesmal für NBC.
Allerdings wünscht man sich bei Ansicht, er hätte diesen Job nicht angenommen, bzw. man fragt sich, was ihn geritten hat, diesen Schnellschuss zu skripten, den jeder beliebige C-Autor an einem freien Wochenende flott zusammengestückelt hätte.
Wir haben es nämlich hier mit einem ultraflachen Epigonen eines sehr erfolgreichen Films zu tun: "Jaws", alias „Der Weiße Hai“!
Der Beweis dafür findet sich überdeutlich im Plot, wenn in einem krisengeschüttelten Örtchen in the blue Mountains ein Winterfestival für dringend benötigte Devisen sorgen muss (analog zu den Sommerferien in „Amity“). Leider ist besagtes Beast im schneebedeckten Tann unterwegs und verfrühstückt einsame Skifahrerinnen.
Davon wollen die Behörden, speziell getriggert von der örtlichen Organisatorin (eine drahtige Silvia Sydney in der unwilligen Bürgermeister-Ersatzrolle) davon nichts wissen und erzählen den Leuten irgendeinen Kokolores von einem marodierenden Bären. Den schießt dann der freundliche Sheriff, um die Situation zu entschärfen (analog des gefangenen Hais im anderen Film), bei dem doch tatsächlich empfohlen wird, ihn aufzuschneiden, um sicher zu gehen, dass die Skiopfer auch drinnen verdaut werden (auch das kommt sehr bekannt vor).
Zum Glück ist jedoch ein ortsfremder Ski-Star (Bo Svenson in einer sehr hölzernen Rolle) mit seiner Journalistengattin vor Ort und gemeinsam mit einem Kollegen und dem Sheriff machen sich die vier im letzten Drittel mittels eines einsamen Campers (anstelle des Bootes) auf, um das Vieh zu schießen. Was natürlich nicht so wahnsinnig erfolgreich verläuft.
Wer jetzt denkt, dass dieser beliebte Plot doch eigentlich solides Material sein dürfte, hat den Film leider noch nicht gesehen. „Snowbeast“ ist ein unglaublich leerer und öder Murks ohne jegliche Regiehandschrift und praktisch ohne Atmosphäre. Endlose Szenen von Abfahrtsläufen werden aneinander geklebt, gekoppelt mit ach so bedrohlichen POV-Aufnahmen des Monsters, die dann immer in eine Rotblende übergehen. Die Angriffe werden ordnungsgemäß immer kurz vor dem Übergriff eingefroren und ausgeblendet und alles was man hört (nicht sieht) ist das Röhren der Bestie.
Zwischendurch huscht man durch den Jaws-Plot und führt ergänzend dazu endlose Beziehungs- und Krisengespräche, bei denen niemand offenbar die Anweisung erhielt, mal besorgt oder engagiert die Sache zu verfolgen, sondern der Text wird meist sachlich runtergesprochen.
Die Bestie bekommt man den ganzen Film über nur einmal vor einem Fenster und zweimal als Schattenriss zu sehen bis zum Finale, wenn einem jeweils zweimal für eine halbe Sekunde ein Shot auf das alberne Fellgesicht des Stuntmans präsentiert wird. Offenbar war das Kostüm so murksig, dass man es dem Publikum lieber nicht zumuten sollte und sogar den Tod des Monsters (durch einen Skistock!!!) erlebt man nur aus POV-Perspektive des Viehs.
Mein persönliches Highlight dieses Stücks war die Sequenz, in der das Vieh eine Scheibe bei einer Turnhallenfeierlichkeit einschlägt. Worauf der wahrhaft nicht üppige Auflauf an Statisten im Versuch, eine Massenpanik zu simulieren, für fast eine Minute sichtbar im Kreis durch die Halle hastet, um Masse vorzutäuschen.
Heftige Details gibt es im ganzen Film nicht, Ergebnisse der Angriffe bleiben im Off, werden aber gern mit spitzen Schreien serviert.
Dennoch gerät der Film von vorne bis hinten endlos öde und amateuerhaft inszeniert, nicht mal die Zerstörung des Campers durch eine Holzlawine gerät besser als laienhaft.
Es gibt sicher vergleichbar schlecht gemachte Filme, die ich ähnlich bewertet habe, aber das sind dann spaßige Schlechtbewertungen, hier liegt einfach nur ein dröger Film für die Skiindustrie vor, dem man nicht seine kostbaren 85 Minuten opfern sollte.
Für Stefano war es der letzte Credit für ein ganzes Jahrzehnt, ehe er 1987 mit „The Kindred“ (bei uns „Anthony“) noch einmal zum Medium zurückkehren sollte. Aber das hier war sein einsamer Tiefpunkt. (2/10)