Einigermaßen fassungslos reagiert Nachwuchs-Ermittler Grzegorz Dabrowski auf das, was er da in der splendiden Villa zu Gesicht bekommt, als er seinen erfahrenen Chef Inspector Kwasniewski zu einem Mordfall am Neujahrstag begleitet: mehr als ein Dutzend Tote, fast alles junge Leute. Die meisten erschossen, einige auch erschlagen - was war da bloß passiert am Silvesterabend?
In einer fast den ganzen Film umfassenden Rückblende wird der vorangegangene Jahresausklang für den Zuseher dann noch einmal durchgespielt: der Sohn des Hauses, Marek, hat über Silvester sturmfreie Bude, da seine Eltern verreist sind. Er will dies für eine angemessene Party nutzen und lädt jede Menge Freunde ein, die dann auch der Reihe nach eintrudeln. Doch nicht alle sind in Feierstimmung, obwohl der Gastgeber mit flotter Tanzmusik und reichlich bereitgestelltem Alkohol sichtlich um Ausgelassenheit bemüht ist.
Aber wie es nunmal so ist unter Twens, der Beziehungsstatus spielt eine große Rolle auf solchen Parties, und nach einer ersten Eifersuchtsszene mit einer abservierten Freundin fallen weitere Pärchen auf, die ihre Problemchen haben. Da ist zum einen der unerfahrene Daniel, Hals über Kopf verliebt in seine Freundin Angelika, der er unbedingt einen Heiratsantrag machen will und die Party für genau den richtigen Rahmen dafür hält. Dumm nur, daß Angelikas beste Freundin dieser gerade ins Gewissen redet, doch erst einmal andere Typen auszuprobieren und den Loser Daniel einfach zu vergessen. Nicht viel anders verhält es sich zwischen der aufgedonnerten Blondine Gloria und ihrem deutlich jüngeren Begleiter Pawel: gleich beim Eintreffen legt sie wert auf die Feststellung, daß sie zwar derzeit zusammen, deswegen aber noch lange kein Paar seien. Glorias Sohn Filip ist übrigens ebenfalls mit von der Partie - er macht gerade einen Drogenentzug und ist als Party-Fotograf engagiert. Allzugerne würde er mit der von kosmischen Vorbestimmungen quasselnden Anastazja anbandeln, die gerade Streit mit ihrem Freund Jordan, einem Rapper mit Karriereknick, hat - die beiden sind dann auch das erste Paar, das sich zum Sex ins obere Stockwerk zurückzieht. Sie werden nicht die einzigen bleiben: zwei nur französisch sprechende Bibel-Missionare, ein Pärchen hoffnungsloser Möchtegern-Aufreißer sowie zwei überdreht auftretende professionelle Stripperinnen sind auch auf der Party.
Das Verhängnis beginnt, als Anastazja und Filip zufällig einen Schlüssel finden, der zu einem Waffenschrank gehört. Und die aus reiner Neugier herausgeholte Pistole liegt auch irgendwie gut in Anastazjas Hand...
Die polnische Produktion Meine Freunde sind alle tot ist eine schwarze Komödie, in der Regisseur und Drehbuchautor Jan Belcl sattsam bekannte Problemchen und Topics junger Leute aufgreift und diese langsam auf die Spitze treibt. Garniert mit diversen Wutausbrüchen, Gefühlsduseleien, Mißverständnissen und auffällig vielen "Zufällen" gerät eine an sich als fröhliche Zusammenkunft geplante Party langsam aber sicher aus der Bahn. Dabei sind die Todesfälle nicht sonderlich spektakulär, und da der Ausgang schon von Anfang an feststeht, liegt es vor allem an den Verhaltensweisen der Proponenten, das Publikum bei Laune zu halten.
Tatsächlich sind einzelne Entwicklungen durchaus interessant mitzuverfolgen, beispielsweise wenn Beziehungen "abgerechnet" werden: die Mittvierzigerin Gloria beispielsweise, die sich gerade darüber klar wird, daß der jugendliche Lover sie in 10 Jahren nicht mehr attraktiv finden wird - so wenig wie die beiden notgeilen Aufreißer-Typen, die sie in ein Zimmer lotst, nur um sie dort kräftig zu verarschen. Auch die gerade ihren Freund bescheißende Anastazja, die vor lauter Freude über den schnellen Sex die immer noch in ihrer Hand befindliche Pistole abfeuert und damit den zufällig gerade vor der Tür vorbeigehenden Gastgeber erschießt, reagiert auf diesen Vorfall völlig anders als ihr Zufallslover Filip, der die Leiche erst einmal verschwinden lassen will.
Eher slapstickhaft werden die französischen Bibelfreunde ins Geschehen eingeführt, indem der Dunkelhäutige kurzerhand von den Stripperinnen vernascht wird und seinem tadelnden Kollegen dies als einen Wink Gottes zu erklären versucht. Richtig gearscht allerdings muß sich nur der Pizzabote vorkommen, der nach Ablieferung der Ware vor der Tür auf das vom Hausherrn versprochene Geld wartet. Der allerdings hat sich gerade eine tödliche Kugel eingefangen, weswegen der Chemiestudent, der sich sein Studium mit dem Job als Ausfahrer verdient, wohl noch lange in der Kälte stehen kann, wofür dessen ungehaltener Chef am Telefon absolut kein Verständnis hat.
Am Ende sind die Todesfälle dann ein bißchen zu sehr gewollt und gekünstelt (Stichwort Stromschläge, die Klavier spielende Leiche und ein seltsamer Ausrutscher), was dem Unterhaltungswert der mit 96 Minuten Laufzeit nicht übermäßig langen Komödie aber keinen Abbruch tut. Die allerletzte Szene mit einem alternativen Verlauf des Abends hätte man sich zwar ruhig schenken können, wie auch der erneute Kurzauftritt der beiden Ermittler nur dazu dient, die einzige verwertbare Spur am Tatort durch Unaufmerksamkeit zu zerstören, dennoch bleibt von Meine Freunde sind alle tot ein vergnüglicher Gesamteindruck. 7 Punkte.