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Mit ungünstigen Wetterverhältnissen dürfte sich der gebürtige Ire Liam Neeson einigermaßen auskennen, doch für einige Filmprojekte zieht es ihn regelmäßig in eisige Gefilde wie in „The Grey – Unter Wölfen“ oder auch „Hard Powder“. Jonathan Hensleigh, der als Regisseur zehn Jahre pausierte, begibt sich in mehrerlei Hinsicht auf recht dünnes Eis.

Ganz im Norden Kanadas wurden zwei Dutzend Arbeiter einer Diamantenmine verschüttet, während Methan ausströmt. Ein großer Gasbohrkopf soll Abhilfe schaffen, doch dieser kann nur per Truck angeliefert werden. Für diesen lebensgefährlichen Job meldet sich Mike (Neeson), der sich um seinen Bruder Gurty (Marcus Thomas) kümmert, welcher als Kriegsveteran unter Aphasie leidet. Die toughe Tantoo (Amber Midthunder) und der Unternehmer Goldenrod (Laurence Fishburne) sind ebenfalls dabei. Doch irgendwer scheint die Rettungsaktion der drei Trucks sabotieren zu wollen…

Es ist natürlich nahe liegend, dass hin und wieder das befahrene Eis bricht, zumal die Decken im April eher instabil sind. Allerdings setzt der Stoff nur bedingt auf widrige Umstände, wodurch die eigentliche Herausforderung des Fahrens beinahe zur Nebensächlichkeit verkommt. Nach nicht allzu langem Vorspiel, welches ausreicht, das nicht immer einfache Verhältnis zwischen Mike und seinem Bruder einzuführen, geht es hurtig auf die eisige Piste und auch hier lassen Probleme nicht lange auf sich warten.

Das flotte Tempo ist durchaus entgegenkommend, denn nur ab und an geht es zu den Verschütteten, die im Halbdunkel vor sich hin japsen, während andere eine Verschwörung wittern. Um jene Machenschaften geht es im Verlauf zunehmend, womit sich neben zahlreichen Klischees auch manche Unwahrscheinlichkeit hinzu gesellt. Zumindest scheint es physikalisch nicht ganz einleuchtend, wie zwei umgekippte Trucks sich gegenseitig per Seilwinde aufrichten sollen und man sollte grundlegend aufpassen, seinen Fuß nicht in die Nähe einer Metallseilschlaufe zu positionieren.

Wer dann noch einen tonnenschweren Hänger auf einem sehr beengten Weg an einem Hindernis vorbei an seinen Truck koppeln kann, muss schon richtig gut drauf sein, aber der eine oder andere Altherrenspruch überspielt so manch hanebüchene Situation.
Die Qualität der Effekte schwankt derweil auffallend. Generell sind die schliddernden Trucks sauber gefilmt, doch eine Lawine oder eine Explosion zählen nicht zu dem, was heutzutage per CGI alles möglich ist. Druckwellen unterm Eis sind da weitaus besser getrickst und ein waghalsiges Unterfangen auf einer Brücke ist ebenfalls effektvoll in Szene gesetzt.

Darstellerisch sticht erstaunlicherweise niemand hervor. Neeson performt eher unauffällig und wird körperlich nicht allzu sehr gefordert, seinen Mitstreitern wird ebenfalls nicht übermäßig viel abverlangt, mal abgesehen von den eisigen Temperaturen an den Drehorten in der kanadischen Provinz Manitoba.

„Ice Road“ ist so ein typischer Männerfilm, der gut in die Action-Glanzphase der frühen Neunziger gepasst hätte: Schnörkellos, ein wenig oberflächlich, aber immer temporeich genug, um über die volle Laufzeit bei Laune zu halten. Trotz einiger spannender Einlagen allerdings kein Stoff, der länger im Gedächtnis haften dürfte.
Knapp
6 von 10

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