In einer kanadischen Mine werden infolge eines unerwarteten Methangasausbruchs einige Grubenarbeiter verschüttet. Um sie zu retten, benötigt man spezielle Bohrköpfe, die jedoch viel zu weit weg in der Zentrale gelagert sind, um noch rechtzeitig im Camp einzutreffen. Die einzige Möglichkeit, die unter zunehmendem Sauerstoffmangel leidenden Kumpel eventuell doch noch zeitgerecht zu bergen, wäre eine Passage über den derzeit zugefrorenen Manitoba-See - ein lebensgefährlicher Job, doch nach schnell erfolgter Freigabe durch die Regierung finden sich drei Trucker-Teams, welche das Wagnis auf sich nehmen wollen: Mike (Liam Neeson) mit Bruder Gurty (Marcus Thomas), die junge Eingeborene Tantoo (Amber Midthunder), die von dem Versicherungsexperten Lampard begleitet wird sowie im dritten Truck der Veteran Goldenrod (Laurence Fishburne), der alleine fährt. Auf der geräumten Passage über den See gilt es einerseits so schnell wie möglich ohne Pause vorwärts zu kommen, andererseits tückische Stellen, wo das Eis nicht so dick ist, gekonnt zu überbrücken - der Konvoi aus den drei Trucks im Abstand von 60 m zueinander kommt zunächst gut voran, doch dann versagt einer der Motoren und der stehengebliebene Truck versinkt im Eis, seinen Fahrer Goldenrod mit sich reissend. Die beiden anderen Trucks können nicht helfen, erleiden kurz später selbst einen Unfall und bleiben umgekippt liegen. Mike schöpft mittlerweile Verdacht, daß jemand den Rettungstransport sabotiert haben könnte - es wurde offenbar das falsche Benzin eingefüllt und der Verdacht fällt auf die für die Betankung verantwortliche junge Fahrerin Tantoo, die ab sofort unter Beobachtung stehend gefesselt mitfahren muß. Doch auch die verbliebenen beiden Trucks kommen nicht weit...
Mit Ice Road hat Regisseur Jonathan Hensleigh ein Roadmovie geschaffen, das seine Vorbilder in den späten Achtzigern hat und so recht prädestiniert scheint für einen erfahrenen Haudegen in der Hauptrolle - ein typischer "Männerfilm", wo harte Kerle im Rampenlicht stehen und die einzige Frau darin, ein junges hübsches Mädchen, sich eher zufällig dorthin verirrt hat. Und in der Tat gibt Liam Neeson seiner eher wortkargen Figur Mike wieder alle Attribute eines teilweise gebrochenen Anti-Helden mit, wie man sie im Lauf seiner Filmographie schon so oft gesehen hat: diesmal geht es nicht nur um einen großen Batzen Geld für eine erfolgreiche Fahrt, sondern auch um seinen retardierten Bruder Gurty, der als Mechaniker zwar ein As ist, seine Jobs jedoch nie lange behält, eine Ratte im Käfig mit sich schleppt und allein einfach nicht überlebensfähig wäre. Diesen Gurty muß Mike, der ständig zwischen Resignation und Bruderliebe schwankt, wohl oder übel mitschleppen, was die eine oder andere unerwartete Situation nach sich zieht, dem selten eine Miene verziehenden Mechanikerbruder aber schnell die Sympathien des Publikums einbringt.
Dass sich der Plot nicht allein auf den Kampf des Menschen mit all seiner Technik gegen die Naturgewalten bezieht, sondern tatsächlich Misstrauen, Verrat, Sabotage und wirtschaftliche Interessen die Handlung beherrschen, macht das Zuschauen durchaus zu einem kurzweiligen Vergnügen. Auch wenn der Name Liam Neeson in der Titelrolle vom ersten Augenblick an keinen Zweifel daran läßt, daß dieser am Ende obsiegen wird, so sind die Hindernisse auf seinem Weg dennoch interessant (wenngleich nicht immer sehenswert) inszeniert, was Ice Road, der sich ab der Mitte der Laufzeit zunehmend zum Krimi entwickelt, sogar eine dezente Spannung verleiht.
Viele technische Gegebenheiten des Films sind allerdings derart hanebüchen dargestellt, daß man sich dann und wann ein Schmunzeln nicht verkneifen kann. Da wäre zum einen eine Art Aufnahmsprüfung für die Trucker-Teams, bei denen eine knapp 20-Jährige einen Truck rückwärts auf Eis wie einen leichten Sportwagen einparkt - ähm? Sodann haben wir die Passage selbst, eine gesperrte, etwa 6 - 7 m breite geräumte (d.h. freigefegte) Straße über das Eis - wer hat die freigeräumt und wozu, wenn sie doch behördlich gesperrt ist? Und wieso ist sie überhaupt so sauber, wo es doch ständig Schneestürme gibt? Und diese Schneestürme, die das Eis wellenartig verbiegen (wie geht das eigentlich?) tauchen auch erst auf, als die Trucks unterwegs sind und kommen natürlich von hinten (ok, von vorn wärs ja auch blöd, weil dann wär der Film schnell vorbei). Weiters zum Grinsen ist der Umstand, daß ein stehender Truck zwar schnell im Eis versinkt, dieses Eis aber wenige Meter weiter dick genug erscheint, dort einen Pfahl hineinzubohren, mit dessen Hilfe sich ein versinkendes Fahrzeug wieder herausziehen läßt - hmm. Nur noch den Kopf schütteln kann man dann angesichts zweier umgestürzter Trucks, die sich problemlos gegenseitig wieder aufrichten ohne erkennbare Schäden (verbogene Auftritte, Außenspiegel etc.). Von einem im Off stattfindenden Rangiermanöver auf einer engen Passtraße wie auch einer Brücke, die erst dann zusammenstürzt, wenn "die Guten" sie überquert haben, mal gar nicht zu reden...
Während man diese technischen Unmöglichkeiten der Filmdramaturgie zuliebe aber noch halbwegs in Kauf nimmt, fallen die teilweise sehr schlechten CGIs (z.B. bei Schneelawinen) dann schon unangenehm auf, genauso wie diverse gesichtslose Gangster, die dem Helden zu schaffen machen, ihn aber nie aufhalten können. Ebensowenig aufzuhalten ist auch die junge Tantoo, eine (politisch korrekt) besetzte indigene Ureinwohnerin Manitobas, die ihre Motivation aus dem Schicksal ihres unter Tage verschütteten Bruders Cody bezieht, denn tatsächlich sitzen die Schurken woanders - deren finanziell motivierte Absicht, lieber einen Konvoi mitsamt der Ladung zu behindern (und notfalls zu versenken) als ihre bedauernswerten Arbeiter zu retten bleibt ebenso rätselhaft wie der Umstand, wieso man nicht überhaupt gleich von Anfang an eine Transportmaschine des Heeres zum Transport der Bohrer eingesetzt hat...
Genrefreunde werden mit Ice Road ihren Spaß haben, Liam-Neeson-Fans sowieso (die im englischen Original wieder reichlich auf dessen lakonisch vorgetragene Floskeln wie shit!, Jesus! und kiss my irish ass stoßen werden), alle anderen weiß der temporeiche Actioner im kanadischen Eis zumindest gut zu unterhalten: 7 Punkte.