Warum der bekannte Drehbuchautor Lau Ho-Leung nach seinem durchaus wohlwollend aufgenommenen Regiedebüt, dem humoristisch angehauchten Actionthriller Two Thumbs Up (2015) gute vier Jahre bis zur nächsten Inszenierung im Genre und dabei auch die einnehmende Unterstützung chinesischer Produktionsfirmen brauchte: Man weiß es nicht genau; erfreulich oder zukunftsfähig für das HK-Kino ist es nicht. Letztlich ist der hier vorhandene Caught in Time als Zusammenarbeit von etwas HK in Sachen Talent und vermehrt der VRC aber dennoch ein weiteres Ausrufezeichen für Lau, sind sowohl die Kritiken weiterhin positiv gehalten als auch gerade der Zuspruch der Zuschauer vom Festland (trotz ansonst überall Misere in der Kinolandschaft) und einiger Fehl- und Rückschläge einheimischer Produktionen (wie Jackie Chans Vanguard oder Dante Lams The Rescue) erstaunlich gut gewesen; das Geld selber wird zwar in Beijing geblieben sein, für den hier als Autor, Editor und eben Regisseur anwesenden Lau ein weiterer Schritt auf dem Weg in den Bekanntheitsgrad, auch wenn mit den Zwängen des chinesischen Filmgeschäftes belegt:
Der Gauner Falcon Zhang [ Daniel Wu ] ist mitsamt seiner kleinen Truppe seit mehreren Jahren auf auch blutige Überfälle spezialisiert, und hat seit ebenso langer Zeit den Polizisten Zhong Cheng [ Wang Qian-Yuan ] auf seinen Fersen. Erst als Falcon die suizidale Yang Wenjuan [ Jessie Li ] kennenlernt, fängt er an Fehler zu machen, während der Polizist mit der diensteifrigen Chen Qian [ Michelle Wai ] hilfreiche Verstärkung kriegt.
Mit der Kriminalität wird eröffnet, mit der Welle des Verbrechens eingeleitet, eine Plansequenz als Einstieg, in der ein Polizist von den Kriminellen 'festgenommen' und als Geisel im Fluchtfahrzeug bis zum Eintreffen der verfolgenden Gesetzeshüter gehalten und dann in voller Fahrt aus dem Wagen geschmissen und so als Bremsblock verwendet wird. Ein Anlauf nach Maß quasi, für den Film und seinen Macher zumindest, für die Figur auf der Seite des Gesetzes weniger, wird dessen Blick darauf noch als 'nächste' Szene geboten; etwas, dass sich erst murmeltierartig und als Variation oder Wiederholung unter anderen Umständen anfühlt, aber dann bloß chronologisch davor gesetzt und eine erweiterte Perspektive auf die 'Festnahme' durch die Kriminellen ist.
Die Bebilderung beider Seiten der Medaille hier wird auch fort folgend durchgezogen, die Motive, Pläne, Durchführungen der Hauptdarsteller, die von Beginn an Gegenüber des Anderen und von der ersten Szene hinweg auf ein lebenslanges Belauern und die Konfrontation bis zum endgültigen Schluss hingesetzt sind. Der Regisseur verweist in einer Szene auf The Killer (1989) und so diesem die Ehre, die Machart und vor allem das Aussehen ist hier aber ein gänzlich anderes, mag man auch zur selben Zeit spielen, so ist hier das Lokalkolorit gänzlich unterschiedlich und das Zeitgefühl ebenso divergierend angesetzt; in Sachen Ausgangspunkt und auch Ausdehnung erinnert man eher an Michael Manns Showdown in L.A., also dessen Ursprungs- und 'Leer'fassung von Heat. Das Cops and Robbers - Spiel in einer früheren Ära gibt dem Werk durch seine Optik und die Detailtreue zusätzlich eine Ebene mit, die ihm vom aktuellen chinesischen Actionthriller abhebt und die Sinne zusätzlich stimuliert; die Bilder sind gleichzeitig modern gehalten, aber von 'antiken' Materialien wie viel Papierkram in den Holzbüros, Alltagsgegenständen aus den späten Achtzigern und technologischen Einschränkungen durchpflügt, auch gibt es Rückblenden, die stilistisch der Sichtung einer betagten Videokassette oder einer alten Nachrichtenaufnahme bzw. Dokumentation erinnern.
Der Rest ist Effizienz, der Fokus liegt deutlich auf den beiden Kontrahenten, deren Gemeinsamkeiten auch gesucht werden und wo die Unterschiede nur in den Motiven, bei dem einen das schnelle Geld und bei dem anderen in der Bewahrung von Recht und Ordnung bestehen. Die umliegenden Menschen in der jeweiligen Gruppierung dieser Anführer und auch eher Einzelgänger dabei sind eigentlich unwichtig, zwischendurch wird für paar Sekunden mal in Richtung Privatleben und Charakterisierung dieser 'Mitläufer' geblickt, aber darauf ist weder der Zuschauer noch der Regisseur erpicht. Da das Katz-und-Mausspiel hier eingangs ungerecht ist, die Verbrecher agieren und das schon perfekt, die Polizisten reagieren, ist der Lernfaktor auch auf den Seiten Volkspolizei größer und wird sich bald angenähert und bald auch blutig zunehmend, bis hin zu einer selbst für den Zuschauer schmerzhaften, da halbnackt durchgeführten finalen Prügelei in einem Badehaus konfrontiert. Bei einem weiteren Coup wird schon der Späher gestellt und vom Guckposten geschossen, die Vergeltung folgt prompt und ein größeres Straßengefecht mit Durchbrechen von Blockaden und dem Werfen von Handgranaten ausbricht.
Eine Reise durch die Zeit und durch das Land schließt sich an, von Changpu nach Qingzhou nach Wujiang, mittlerweile ist man schon in den frühen Neunzigern und immer noch am gleichen Ausgangspunkt, doch diesmal mit veränderten Vorzeichen angelangt. Prävention wurde eingeleitet, Fortschritte in (Überwachungs-und Kommunikations)Technik, Forensik, Kriminalistik, werden alle Beteiligten nicht jünger und ist die Geschichte vom "Verbrechen lohnt sich nicht" noch nicht ausgezählt. Ein Epos mit einer Ausgangsidee, ein Actionthriller mit einem Ziel, was eine gewisse (ärgerliche) Hilflosigkeit der Polizei (nicht nur, aber speziell auch bei einer Festnahme erneut in Plansequenz gehalten) voraussetzt, trottet man doch zumeist hinterher und kommt man öfters verspätet oder wird man trotz Übermacht in den eigenen Reihen im ausbrechenden Schlachtfeld mit einer Niederlage angezählt. Die Überfälle dabei schnell und blutig, die Actionszenen oftmals in der Mitte der Gesellschaft und auf offenen Straßen, werden Wachmannschaften hinterrücks mit Feuerstößen aus der Maschinenpistole niedergemäht, Autos mit Explosionen lahmgelegt und auch öfters mal Beton und Stahl der Gebäude demoliert.