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Fortsetzung des vom gleichen Drehteam Herman Yau als Regie und Andy Lau als Hauptdarsteller und treibende Kraft dahinter initiierten Shock Wave (2017), allerdings nur dem Namen und der Thematik, nicht dem Inhalt gemäß nach. Die originale Geschichte ließe sich ohne Weiteres auch nicht weiter erzählen, hierbei wird das Umfeld von terroristischen Attacken in Verbindung mit Sprengstoff und entsprechend auch Experten für eben die Vermeidung dieser Angriffe und der Entschärfung von Bomben für eine neue Handlung mit anderen Figuren und dem bereits etablierten Marketing genutzt; der Erstling hat gute 55 Mio. USD eingespielt und wurde auch global vermarktet:

Als der ehemalige Bombenentschärfer Poon Shing-Fung [ Andy Lau ] wird Jahre nach der letzten Zusammenarbeit im Polizeidienst von seinem früheren Freund und Kollegen Tung Cheuk-Man [ Lau Ching-Wan ] verletzt und als dringend Tatverdächtiger am Schauplatz eines per Explosion zerstörten Hotels gefunden, wobei sich Poon selber an nichts erinnern kann und die Anschuldigungen weit von sich weiss. Als er sowieso von den Schergen des Terroristen Ma Sai-Kwan [ Tse Kwan-Ho ] aus dem Krankenhaus befreit werden soll, nutzt Poon die Chance zur Flucht; vertrauen tut er jetzt einzig nur seiner früheren Freundin Peng Ling [ Ni Ni ], wobei ihn diese allerdings über eine Undercoverarbeit im Auftrag der Polizei informiert. Währenddessen wird er von dem grimmigen Cop Lee Yiu-Sing [ Philip Keung ] durch HK gejagt, und so richtig etwas an der Geschichte von Peng Ling stimmt auch nicht.

Shock Wave 2 dabei als einer der wenigen Exemplare des aktuellen Hongkong-Kinos, mittlerweile natürlich (und leider) nahezu immer in Verbindung mit dem Festland, v.a. finanzieller Natur und folgerichtig auch der Distribution mit massiv erweiterter Möglichkeiten, da das Filmgeschäft wesentlich breiter aufgestellt ist; nachteilig dann meist kleinere oder größere Eingeständnisse weniger in der handwerklichen Machart als vielmehr der materiellen Aussagen bis hin zum Kotau vor der Obrigkeit, was bspw. gerade bei Herman Yaus vorherigen Blockbuster The White Storm 2 - Drug Lords (2019) in dessen Behandlung der Drogenpolitik offenkundig geworden ist. Dass die Talente aus HK zum Festland hin 'abgewandert' sind bzw. sich dorthin beruflich orientiert haben, konnte man ihnen die letzten Jahre schon nicht wirklich verdenken und gerade 2020 auch zusätzlich nicht: Nach einigen Verschieben zu Beginn und in der Mitte des entsprechenden Jahres sind gerade auch die Lichtspielstätten wieder geöffnet und mit weiterhin großen Zuspruch des Publikums belegt, der mehrfach vertagte und erst Mitte Februar 2021 in HK selber (dort ebenso mit Erfolg) angelaufene Film hat in der VRC zum Weihnachtsgeschäft Furore an den Kinokassen gemacht und ca. das Vierfache des Vorgängers, also über 200 Mio. USD eingespielt.

Im Erstling wurde von Yau, der erst neuerdings zum Action- und damit gleichzeitig auch zum Blockbusterregisseur wurde und zuvor eher für einige grobe Category III Werke im Bereich des Horros und manche persönliche Dramen bekannt, mit einer furiosen Verfolgungsjagd zwischen Kriminellen und Polizei durch die nächtliche Großstadt begonnen, mit dem Zündeln von vorbereiteten Sprengsätzen zur Ablenkung und Blockade, dem Umstürzen von Autos und den Einstürzen städtischer Architekturen. Hier wird gleich der ganze Flughafen vor Ort in die Luft gesprengt, mit Tausenden von Toten und einer Druckwelle, die auch noch die in der Nähe bereits in der Luft befindlichen Flieger erwischt; eine Hypothese allerdings nur, eine Imagination im mäßig bis schlecht getricksten Pixelbrei, die die Zeit und das Ereignis dann 'zurückdreht' und an den Beginn der eigentlichen Geschichte und dem Weg bis dahin und der möglichen Änderung des Ganzen springt. Im Beginn holpernd und stolpernd, selbst in der nächsten und tatsächlichen Eröffnung, im Geschehen auf zu viel falsches Gefühl setzend, eine bestenfalls absurde bis schlamperte Geschichte und auch übertriebenes emotionales Kalkül. Als Psychogramm dünn und nicht funktionierend, darstellerisch oftmals ungenügend, der Undercoverplot ist löchrig und das mit der Amnesie und dem Regarding Henry - Beisatz ist noch viel schlimmer.

Nach und nach wird es formell etwas besser, zwischenzeitlich zumindest, sind die Spannungsmomente in entscheidenden Situationen vorhanden und v.a. auch der Aufwand dahinter, dichtgedrängte Massenszenen in den Straßen der dann geradezu beengt wirkenden Stadt, ein Riesenaufgebot an Darstellern und Statisten, angespannte Situationen inmitten der Gesellschaft und auch für kleinere Örtlichkeiten (wie eingangs einer mit Kabeln direkt übervoll gestopften Bombenbastlerstube) viel Dekoration als Mittel zum Ziel. Dazu auch dann und wann handgefertigte Actionszenen, wie eine längere Kabbelei in einem Kongressgebäude, erst im Fahrstuhl mit einem Wachmann, dann bald durch die Flure und Zimmer hinweg. Später eine sauber inszenierte, überraschend offensive Gefangenenbefreiung in einem Krankenhaus, in dem sich schießwütige Schergen mit ebenso aus allen Rohren feuernden Polizisten duellieren, sowie eine mehrere Parteien involvierende und stuntintensive Zu-Fuß-Verfolgung in Mongkok über die belebte Fa Yuen Street zur Tung Choi Street; das Kudos und der Kotau geht da vor allem an den Choreografen Nicky Li, welcher sonst vermehrt für (den kürzlich jung verstorbenen) Benny Chan gearbeitet hat und hier für Yau mal reüssiert.

Leider sind die Pluspunkte dennoch in der Endbilanz zu wenig und nicht ergiebig, die 'Handlung' macht dem einen Strich durch Rechnung, auch final wird mit einer Großoffensive des Terroristen und einer späten Antwort des Polizeiapparates, die die Gebäude in Geiselhaft dann auseinander nehmen und mit (uninspirierten) Dauerfeuer stürmen nur wenig wettgemacht. Zu deutlich wieder der oftmals auch unnötige Einsatz schlechter Tricktechnik; Yaus eigenes Drehbuch (in Zusammenarbeit mit den gängigen Mitstreitern Erica Li und Eric Lee) will mehr und will größer, als der Regisseur in der Lage ist zu stemmen; was schade, eine vertane Chance auch und betrüblich ist.

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