Das Konzept von Anthologien ist gewiss hinlänglich bekannt. Sie folgen bestenfalls einem Leitthema, sind in sich knackig auf den Punkt inszeniert, während die Rahmenhandlung eventuell noch einen draufsetzt. In all diesen Belangen fällt „The 100 Candles Game“ recht beliebig aus, schon allein, weil die Rahmenhandlung um die Kurzfilme herum gedreht wurde, welche bereits zwischen 2014 und 2019 entstanden.
In der Rahmenhandlung hat es vier Freunde um Erica in ein altes Haus verschlagen. In einem Kreis von 100 Kerzen soll jeder reihum seine Gruselgeschichte beitragen, um anschließend mit einer Kerze vor einen Spiegel zu treten, um zu sehen, ob sich etwas ereignet. Zunächst bleiben paranormale Begleiterscheinungen aus…
Das titelgebende Drumherum mitgezählt, ergeben sich acht Kurzgeschichten von schwankender Qualität. Auf handwerklicher Ebene ist kein Durchhänger dabei, darstellerisch wird insgesamt ordentlich geliefert, wobei die vier der Rahmenhandlung deutlich schwächer agieren als der Rest. Auffallend bei allen ist das äußerst geringe Maß an Blutvergießen, der zurückhaltende Einsatz von Spezialeffekten und teils recht simple Ausstattungen, was insgesamt auf geringe Budgets schließen lässt.
Mit „A Little Taste“ gibt es einen brauchbaren Einstieg als sich zwei Mädchen im grünen Nirgendwo auf einer Wippe treffen, während es bei „When Demons Die“ schon etwas bedrohlicher zugeht, als ein offenbar launischer Vater um das Wohl seines Sohnes besorgt ist und diesen zu keiner Zeit aus dem Haus lässt, weil es draußen von Dämonen wimmelt, nette Pointe inbegriffen. „Black Eyed Child“ heißt die Bedrohung für eine alte Dame mit Atemmaske im folgenden Part, der reichlich belanglos vonstatten geht. „The Visitant“, in dem sich eine Mutter im Haus um ihre Töchter sorgt, fällt in eine ähnliche Schublade.
„Buried Alive“ nennt sich der beste Kurzfilm mit garstiger Pointe: Eine junge Frau erwacht in einem gepolsterten Sarg und versucht mit dem Handy ihre beste Freundin zu kontaktieren, während ihr so langsam der Sauerstoff ausgeht. Auch nicht übel ist der Stoff um einen Pater, der einen Exorzismus bei einer Hochschwangeren durchführt. Danach geht es qualitativ wieder bergab mit „Drip“, in dem eine Frau nach einem Umzug mehrfach heimlich von ihrem eigenen Handy aus fotografiert wird.
Natürlich erfährt auch die Rahmenhandlung eine Auflösung, doch diese fällt reichlich unkreativ aus und so bleibt ein bitterer Nachgeschmack, zumal sich der eigentliche Aufwand der Anthologie um eben jenes Drumherum drehte und dennoch eher lieblos und auch ein wenig klischeebeladen umgesetzt wurde. So folgt nach 101 Minuten beinahe so etwas wie Ernüchterung.
Denn außer einer düsteren Note, was bei Kurzfilmen aus dem Düsterbereich Grundvoraussetzung ist, haben die Geschichten nichts miteinander gemein, außer dem kompletten Mangel an Humor, denn kein Beitrag fällt in irgendeiner Form ironisch oder sarkastisch aus. Insgesamt ergeben sich nur selten Schauwerte und obgleich zwei, drei Kurzgeschichten positiv hervorzuheben sind, wirkt das Gesamtkonzept doch eher lieblos zusammengeschustert. Eine eher schwächere Anthologie, die man auslassen kann, um sich im Einzelnen den besseren Kurzfilmen zu widmen.
5 von 10