Zwei Jahre nach dem Über-Blockbuster "My Sassy Girl" kommt nun "My Tutor Friend", ebenfalls aus Südkorea, und ebenfalls eine große Romcom, ebenfalls mit japanophilen Teenager-Klischees behaftet. Schon bei der internationalen Namensgebung und an der Adaption eines Internettagebuchs orientiert man sich an dem großen Vorbild, erreicht aber, und so viel darf man vorweg nehmen, nicht die universelle Mischung aus Tragik und Komödie aus "My Sassy Girl".
Die Tutorin, die sich laut Filmtitel als Freund herausstellt, ist Choi Su-weon (Kim Ha-Neul), eine strebsame, züchtig gekleidete, normale, junge Frau, der man ihre Herkunft vom Lande nicht abstreiten kann. Sie finanziert ihr Studium indem sie private Hauslehrerstunden gibt. Mehrere Nachhilfejobs musste sie bereits abbrechen, da ihre zwölfjährigen Schüler sich eher für einen flüchtigen Blick unter ihren Rock, als den Unterrichtsstoff interessieren. Verzweifelt nimmt sie den Vorschlag ihrer Mutter an, einen Sohn ihrer reichen Freundin Nachhilfe in Englisch zu geben. Und nun treten die Regeln des Romantic Comedy-Genres auf: Natürlich ist dieser junge Mann zufällig gleichaltrig, da er nun bereits zweimal sitzengeblieben ist, natürlich ist er als reicher, hübscher, beliebter Motorradfahrer völlig angeödet von seiner züchtigen Lehrerin. Natürlich ziehen sich letzten Endes die andersartigen Pole an, und aus ersten Feindseligkeiten entwickeln sich Zuneigungen...
Gezogen wird der Film hauptsächlich von seinen beiden Hauptdarstellern, Kim Ha-Neul und Kwong Sang-Woo, der zuvor schon in "Volcano High" zu sehen war. Beide wirken talentiert und stellen ihre Charaktere plastisch dar. Auch die Regie des Debütanten Kim Kyeong-Hyeong ist verträumt und eloquent. So erzählwütig, dass seine Ursprungsfassung deutlich länger war, als der nun knapp zwei Stunden laufende Film. Daraus nun wieder ergeben sich einige inhaltliche Unschönheiten, wie ein unausbalanciertes Set an Nebenfiguren, deutlich gestraffte Handlungsstränge (unter anderen die Sinneswandlung Ji-Huns ist leider einfach misslungen), und ein gerade in der letzten Hälfte eine Erzählhatz sondergleichen. Dadurch sind einige hatzige Dialoge und Szenen unbefriedigend und kaum mehr nachvollziehbar. Viele der erklärenden Szenen sind hier leider der Schere aus Straffungsgründen zum Opfer gefallen.
Kyeong-Hyeong Erzählweise reicht von putzig-romantisch, über das Genre-typische Katz-und-Maus-Spiel einer Hassliebe, bis hin zu Spezial Effekt-getränkten Martial Arts-Kämpfen um den Nummer 1-Status in der Schule. Bis hin zu der letzten Phase des Films scheint der junge Regisseur wunderbar mit all diesen Faktoren klarzukommen, weiß um die Stärken seiner Protagonisten, und um den Eye-Candy seiner Action-Szenen. Das Resultat dieser ersten beiden Drittel sind durchaus als gut zu beschreiben, doch dann begeht er einen gigantischen Fehler.
Urplötzlich zaubert er einen Rivalen für Ji-Hun in die Story, ein brilletragender Kindergärtner-Nerd, dessen Auftauchen in der Geschichte mehr als ermüdend ist. Diese unerwartete Wendung ist aber leider alles andere als wirklich unterhaltsam. Der Slapstick zwischen den beiden ungleichen Liebenden ist ja durchaus nachvollziehbar, durch den Einsatz einer solch überzeichneten Figur begibt man sich aber sehr leicht in eine Ecke, die man als künstlerischen Suizid schimpfen könnte. Die Zeit, die für diesen Mini-Plot draufgeht, hätte man durchaus an anderer Stelle besser gebrauchen können. In dem Finale, in dem dann die humoristischen und action-orientierten Aspekte ihre finale Konklusion erfahren, wird dann vieles gutmütig vergessen gemacht.
"My Tutor Friend" ist eine niedliche, rosarote Komödie. Ein wenig naiv, schön anzusehen, hoffnungslos romantisch, allerdings mit starken koreanischen Einschlag. Der Regieneuling kann durchaus noch einmal die Klasse "Drehbuchschreiben" wiederholen, die Darsteller werden eine Klasse weiterversetzt. Denn der "Tutor Friend" ist bisweilen nicht so herzlich brillant wie das unbeschwerte "Sassy Girl". Aber dennoch ein netter, nicht allzu tiefgehender Korea-Streifen, der in jedem Fall lohnenswert ist.