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Staffel 1

Der Fund einer Leiche im dörflichen Manscheid zwingt den titelgebenden Kommissar Luc Capitani (Luc Schiltz), seinen Urlaub zu unterbrechen: nicht gerade in bester Laune macht sich der drahtige Mittvierziger, der grundsätzlich nur in Jeans und T-shirt ermittelt auf den Weg zum Tatort im Wald. Dort muß er, ganz routinierter Ermittler aus der Hauptstadt Luxembourg, den jungen Kollegen Elsa Ley (Sophie Mousel) und Joe Mores (Joe Dennenwald) erst einmal Nachhilfe in Sachen Spurensicherung erteilen. Der Tod der 15-jährigen Jenny (und das gleichzeitige Verschwinden ihrer Zwillingsschwester Tanja) macht schnell die Runde in der kleinen Dorfgemeinschaft, in der es zahlreiche Geheimnisse zu geben scheint, über die jedoch niemand sprechen möchte - schon gar nicht zu einem Außenstehenden wie Kommissar Capitani. Der quartiert sich derweil in einer örtlichen Pension ein, wo er im Dachgeschoß sein improvisiertes Ermittlungbüro einrichtet und von den beiden Nachwuchskräften ein ums andere Mal polizeiliche Disziplin einfordert. Gar nicht so einfach in einer Umgebung, wo jeder jeden kennt und seit Jahren ungeschriebene Gesetze gelten, wer im Dorf etwas zu sagen hat und wer nicht.
Als das Untersuchungsergebnis der Leiche (Drogenmißbrauch, außerdem möglicher sexueller Mißbrauch) bekannt wird und sich der Stiefvater der beiden Zwillinge, ein Lehrer, am Dachboden erhängt, scheint ein Schuldiger gefunden zu sein, nachdem in dessen Wagen Drogen entdeckt werden. Doch daran will Capitani nicht glauben, denn nicht nur die örtliche Schule hat ein schwerwiegendes Drogenproblem, sondern auch diverse Dorfbewohner. Im umgebenden Wald sind Wegweiser als Drogenpfad umdekoriert, eine ominöse Holzhütte, angeblich für illustre Partys genutzt, liegt unerreichbar in einem militärischen Sperrgebiet und als Capitani arglos in eine Mehlspeise aus der örtlichen Bäckerei beißt, erwischt er selbst ein paar der blauen Pillen. Doch reden will immer noch niemand, nur die junge Elsa versucht korrekt zu ermitteln und den Kommissar gegen die unsichtbare Mauer aus Schweigen und Lügen zu unterstützen...

Produktionen auch aus kleineren Ländern gehören mittlerweile zum festen Repertoire von Netflix, und so durfte man gespannt sein, wie sich der grummelige Kommissar aus Luxemburg in einem verworren scheinenden Fall so schlägt, besonders im Hinblick darauf, daß das Drehbuch ganz besonders auf den Stadt-Land-Gegensatz abstellt. Herausgekommen ist ein einigermaßen unterhaltsamer Krimi, der sich allerdings nicht sonderlich von entsprechenden belgischen oder französischen Serien unterscheidet.

In Capitani stehen allerdings mehr die handelnden Charaktäre im Vordergrund als der eigentliche Mord an sich. Dabei dauert es auch einige Zeit, mit dem etwas bärbeißigen Kommissar warm zu werden, neben dem sich vielmehr die tüchtige junge Polizistin Elsa, die sich aus der verlogenen Dorfgemeinschaft, aus deren Mitte sie stammt, Kraft eigenen Entschlusses und Nachdenkens zu lösen beginnt, als eigentliche Heldin herauskristallisiert. Mit dem in dunkle Geschäfte verwickelten Unteroffizier Steve velobt hat sie die meisten Hürden zu überwinden, um zur Aufklärung des Falles beizutragen. Denn jeder im Dorf, angefangen vom dominanten Sägewerksbesitzer Mick Engel mit seinen zahlreichen Affären über dessen Ex-Frau Tessi Kinsch, den um seinen Ruf besorgten Schulleiter, die depressive Bäckerstochter Manon bis hin zum machtlos zuschauenden Dorfpfarrer und seinem geistig zurückgebliebenen Schützling Usch haben hier alle etwas zu verbergen - selbst Capitani hat eine Vergangenheit, die ihn am Ende in Form einer Inspektorin der Innenrevision einholt. Letztere übrigens dargestellt von der einzigen bekannteren Darstellerin dieser luxemburgischen Produktion, Désirée Nosbusch.

In 12 vergleichsweise winzigen Portionen zu je kaum einer halben Stunde (gesamt etwa fünfeinhalb Stunden Laufzeit) entrollt sich ein wenig appetitliches Sittenbild einer Dorfgemeinschaft, die Kommissar Capitani Stück für Stück schonungslos aufdeckt. Wer sich sprachlich etwas weiterbilden möchte (oder das "Besondere" sucht) sollte die Original-Tonspur in "Lëtzebuergesch" dazuschalten.
Insgesamt ist Capitani zwar nicht sonderlich innovativ, dennoch halbwegs spannend mitzuverfolgen: 7 Punkte.

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