Review

„Ich dachte, du wärst ‘ne gute Mösenakrobatin!“

Die ehemalige Nazi-Fratze Otto Globocnik (Karl-Otto Alberty, „Blaubart“) hat sich auf eine ursprünglich einmal paradiesische Südseeninsel abgesetzt und kann es nicht sein lassen, Völker auszubeuten und zu unterdrücken. So hat er sich selbst als Diktator eingesetzt und herrscht mit eiserner Hand über zahlreiche Untertanen, die er unter menschenunwürdigen Umständen Sklavenarbeiten verrichten lässt. Seine sexbesessene Frau „Die blutige Olga“ (Barbara Valentin, „Geld oder Leber!“) und ein ganzes Soldatenregiment halten die Bevölkerung in Schach, die Frauen werden vergewaltigt, Qual und Folter sind an der Tagesordnung. Doch als Wachmann Hermano (Udo Kier, „Hexen bis aufs Blut gequält“) sich in die Sklavin Cora verliebt und sich langsam auf die Seite der unterdrückten Frauen schlägt, ja, sogar Fluchtversuche plant, eskaliert die Situation vollends…

Was der Story nach wie krude (S)Exploitation-Action-Kost klingt, ist im Prinzip auch genau das, doch ist sie auf dem Mist des Teams des deutschen Autorenfilmers Rainer Werner Fassbinder gewachsen. Das Drehbuch verfasste Kurt Raab unter dem Pseudonym Timmy Herrera, produziert wurde von Peter Kern und Erwin C. Dietrich (gut, der hat nun wahrlich keinen Fassbinder-Bezug, passt aber perfekt zum Inhalt der Produktion) und die Regie übernahm ebenfalls Raab, nachdem man sich mit dem ursprünglich eingeplanten Philippino Celso Ad. Castillo überworfen hatte. Dieser Film sollte bei möglichst geringen Produktionskosten ordentlich Geld in die Kassen wirtschaften, mit dem man anspruchsvollere Autorenfilm-Produktionen realisieren wollte. Welch ein Plan! – Der dann doch anders kam, als man sich mit den widrigen Umständen vor Ort und dem mangelnden Arbeitseifer der philippinischen Crew konfrontiert sah. Doch unter Blut, Schweiß, Tränen und Todesangst bekam man den Film dennoch innerhalb von rund zwei Monaten fertig und bereicherte die Unterhaltungsfilmlandschaft damit um ein Kuriosum.

„Die Unmenschlichkeit ist unsterblich!“

Mit Armbinden in SA-Manier stapfen die Darsteller durch den Dschungel respektive Wald in einem Film, der quasi ganzheitlich wie ein irrer Fetisch aus dem S/M-Bereich wirkt und dementsprechend sexuell aufgeladen ist. Die Sklavinnen werden nämlich nicht nur hinsichtlich ihrer Arbeitskraft ausgebeutet – wobei entweder im Dunkeln bleibt, was genau auf der „blutigen Plantage“ eigentlich angebaut wird, oder ich just in dem Moment unaufmerksam war, als dieses eigentlich nicht unwichtige, für diesen Film aber vollkommen nebensächliche, äh, „Detail“ Erwähnung fand –, nein, sie werden auch sexuell belästigt und vergewaltigt. Wenn sich die „blutige Olga“ einschaltet und den armen Hermano zwingt, sie zu begatten, da ihr Obernazi es in Sachen Manneskraft nicht mehr bringt, haben wir einerseits einen Höhepunkt der vollkommen entromantisierten, von Dominanz, Hörigkeit und Gewalt geprägten Sexploitation des Films zu verzeichnen, andererseits aber auch einen von zahlreichen Seitenhieben auf Nazi-Schergen, die es sich nach Kriegsende im Exil bequem gemacht haben. Dabei wird selbstverständlich kaum ein Klischee ausgelassen, und das ist auch gut so, davon lebt die „Naziploitation“. Sogar Zwerge (=Kleinwüchsige) sind mit von der Partie, ebenfalls bekannt aus einigen unrühmlichen Rollen in reißerischer Exploitation. Es gibt viele Tote, recht unpassenden okkulten Unfug, der „Die Insel der blutigen Plantage“ in Richtung des phantastischen Films bugsiert, und ein überaus actionreiches Finale mit zahlreichen Explosionen. Der ganze Kladderadatsch wird lose zusammengehalten von der zum Scheitern verurteilten Beziehung zwischen Cora und Hermano, die ebenso wenig ernstzunehmen ist wie alles andere.

Technisch wie handwerklich gesehen treffen erfahrene Schauspieler – neben Schönling Kier viele einprägsame Charaktergesichter! – auf Laien und wird sich standardmäßig viel in Overacting ergangen, was eine professionelle Kamera in Zusammenhang mit den authentischen Drehorten in Bildern von exotischer Schönheit und schwül-morbider Faszination dokumentiert. Ihr gegenüber steht leider ein etwas eigenartiger Schnitt, der manch Spannungsszene einfach weglässt und lediglich das jeweilige Ergebnis präsentiert, was sicherlich den schwierigen Drehumständen sowie Zeitdruck und kargem Budget geschuldet ist. Der Anteil entblößter weiblicher Geschlechtsorgane ist trotz allem für einen Film voll exotischer Sklavinnen noch verhältnismäßig gering, dafür zeigt das Drehbuch bei der Konzeption des Irrsinns keinerlei Scham. Ein schmissiger, poppiger Titelsong eröffnet den Reigen, der ansonsten sowohl von karibischen Rhythmen als auch klassischen Tönen musikalisch untermalt wird. Das stark an den ebenfalls auf den Philippinen gedrehten „Apocalypse Now“ angelehnte DVD-Cover unterstreicht den Plagiatscharakter des Film, der sich sehr offensichtlich bei diverser ähnlich gelagerter Vollblut-Exploitation bedient, dabei aber nicht nur in grafisch-offensiver Hinsicht nie deren Konsequenz erreicht – der für einen Ausflug eines größtenteils mit der Materie nicht unbedingt vertrauten Teams aber durchaus respektabel und gut unterhaltsam geglückt ist. Dass es sich um in gewisser Weise „freiwilligen Trash“ handelt, springt dem Publikum nicht mit jeder Einstellung ins Gesicht und macht das Ergebnis für diejenigen, die etwaige Vorstellungen davon haben, was sie erwartet, auf angenehm subtil augenzwinkernde Weise genießbar. Kurz: Ich hatte Spaß!

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