Auch nach etlichen Flops und der Einsicht, dass seine Filme es wohl nicht mehr ins Kino schaffen werden, sondern gleich auf DVD veröffentlicht werden, lässt sich der einstige B-Actionstar Steven Seagal (Zum Töten freigegeben) nicht davon abbringen auch weiter mehr oder weniger minderwertige Fließbandware zu drehen. Dabei hält sich "Out for a Kill" noch im passablen Durchschnittsbereich, auch wenn man hier keine Glanzstunde des Actionfilms erwarten darf.
Ein Schock für den amerikanischen Archäologieprofessor Robert Burns (Steven Seagal): Die von ihm in China ausgegrabenen Artefakte werden von den Triaden benutzt, um darin Narkotika nach Osteuropa zu schmuggeln. Leider merkt Burns das zu spät - er landet im Knast. Obwohl keiner an seine Unschuld glaubt, lässt man den Professor bald wieder frei. Die chinesische Polizistin Tommie Ling (Michelle Goh) und der DEA-Agent Ed Grey (Corey Johnson) wollen über ihn an die Hintermänner des Drogenkartells kommen. Ihre Rechnung scheint aufzugehen: Burns kehrt in die USA zurück, um endlich Frieden zu finden. Als ihm die Triaden jedoch Killer auf den Hals hetzen und seine Frau ermorden, setzt sich der Professor mit allen Mitteln zur Wehr...
Früher waren die von Seagal verkörperten Figuren noch irgendwelche Ex-Spezialeinheitsknilche. Hier versucht er sich jedoch als Professor, was man ihm beim besten Willen nicht abkaufen will. Auch körperlich ist Seagal nicht mehr in der Form wie zu "Under Siege"-Zeiten. Mit sichtbarer Leibesfülle wirkt er nun mehr wie ein Tanzbär auf LSD und weiß so nur in wenigen Actionsequenzen zu überzeugen. Schon bei den Dreharbeiten zu "Exit Wounds" hatte ihm Action-Erfolgsproduzent Joel Silver geraten, den Pferdeschwanz abzuschneiden. Allerdings wollte Seagal anscheinend nicht auf einen der erfolgreichsten Produzenten Hollywoods hören, weshalb sein Pferdeschwanz inzwischen zu einem ungepfegten Gezottel mutiert ist. Den Rest erledigt er mit seiner Minimalmimik. Indessen geht Michelle Goh (Creature) einigermaßen in Ordnung und auch über Corey Johnson (Hellboy) muss man sich nicht allzu sehr beschweren.
Trotz nachlassender Actionperformance kann Seagal einem noch die eine oder andere gut gemachte Einlage unterschieben. So darf er wieder mal den alten Knochenbrecher raushängen lassen. Ansonsten stampft er sichtlich müde und lustlos durchs Bild und erweckt den Eindruck, er wäre stets auf der Suche nach seinem Scheck und dem Set-Buffet. Abgesehen von Seagals schwächer gewordenen Leistungen entpuppt sich "Out for a Kill" als passabler Actioner, der vor allen durch seine Optik und Locations einiges wieder ausgleichen kann, was Seagal verbockt hat. Inhaltlich bietet der Film einem dennoch kaum Neues und so muss sich Seagal hier sogar mit den Triaden herumschlagen. Dabei scheint er diese nach knapp zwanzig Gegnern schon erledigt zu haben. Außer einen mittels Drahtseilen an Wänden herumkletternden Zwerg und ein paar schwertschwingenden Mönchen fällt den Triaden hier nix mehr ein. Dabei hätte doch schon ein eiskalter Killer a'la Jet Li aus "Lethal Weapon 4" ausgereicht, um Seagal in weniger als ein paar Minuten zusammenzufalten. Somit kann "Out for a Kill" einen nicht wirklich zufrieden stellen, auch wenn man ein paar abwechslungsreiche Schauplätze, eine passable 08/15-Rächerstory und einige anschaubare Actioneinlagen zu sehen bekommt. Es ist halt ein Seagal-Film der späteren Ära, wo Seagals Kampfkünste allein nicht mehr ausreichen, um das Publikum bei Laune zu halten. Vor knapp fünfzehn Jahren hätte es wohlmöglich noch gereicht.
Zwar hat mir "Out for a Kill" dank Seagals fehlendem Angebergetue besser gefallen als Werke wie "Hard to Kill", "The Patriot" oder "Deadly Revenge", doch kann man auch hier nicht darüber hinwegsehen, dass die Haltbarkeitszeit Seagals als Actiondarsteller kurz vor dem Verfallsdatum ist. Denn im Gegensatz zu seinen Juwelen der Marke "Under Siege 1 + 2" und "Zum Töten freigegeben" reicht hier einmaliges Anschauen.