Review

Tödliche Tattoos 

Wenn man sich ins Bewusstsein ruft, dass Steven Seagal Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre mit Actionkrachern wie „Nico“, „Alarmstufen Rot“ und „Auf brennendem Eis“ das One-Man-Army-Genre zwar nicht unbedingt revolutioniert, aber durchaus bereichert hat, stoßen dem geneigten Actionfan seine Post-2000-Produktionen gleich noch heftiger auf. Der in dieser Review thematisierte „Out for a Kill“ ist leider eines jener Paradebeispiele schlechten Geschmacks und, was noch ärgerlicher ist, schlechter filmischer Umsetzung, aus diesem Zeitraum.  

Mal abgesehen davon, dass die Story um den Archäologen Prof. Robert Burns, der um seine Assistentin und Frau erleichtert, den kompletten chinesischen Drogenmob im Alleingang erledigt, nicht nur äußerst billig sondern auch sprunghaft inszeniert ist, lassen die Darstellerleistungen, die Kameraführung, der Schnitt, die Beleuchtung und der Ton mehr als nur zu wünschen übrig. Selbst Freunden des gepflegten schlechten Geschmacks dürften das zu viele filmische Mängel auf einen Haufen sein. 

Sich Steven Seagal als langhaarigen, ob seiner Fettleibigkeit dauerhaft leder-bemäntelten Archäologen vorzustellen ist für sich allein genommen schon schmerzhaft genug. Doch die Tatsache, dass das alles auch noch völlig humorlos und ohne den kleinsten Funken Ironie heruntergebogen wird, gibt dem Film eindeutig den Rest. Ein sich für eine hohe Archäologie-Auszeichnung bedankender und nicht von ungefähr an einen Oscargewinner erinnernder Seagal müsste im Normallfall wie von selbst ein Augenzwinkern auslösen. Doch scheinbar nicht bei Regisseur Michael Oblowitz, der mit Steven im selben Jahr auch noch das zweifelhafte Machwerk „Foreigner“ fabriziert hat - seinen Ausflug ins fantastische Horrorgenre „Sharkman“ fand ich hingegen ganz brauchbar. 

Um dem ganzen Drama die Krone aufzusetzen versuchen sämtliche Darsteller - zumindest im O-Ton - ihre Dialoge ohne Bewegung ihrer Lippen an den Mann zu bringen und vernuscheln ihren Text im Zuge dessen so dermaßen, dass der Lautstärkeregler meines Fernsehers mehr als notwendig bemüht werden musste. Die Bildqualität bewegt sich angestachelt von der quasi nicht existenten Beleuchtung im untersten C-Niveau und die Kampfszenen sind so schlecht geschnitten und choreographiert wie der fette Steven gedoubelt.
Und das alles bei knapp 14 Millionen Dollar Budget - fast schon eine Kunst. 

Fazit
Ein filmisches Fiasko, das auf Grund der vielen unfreiwilligen Lacher zwei Pünktchen verdient hat, aber ansonsten absolut keine Existenzberechtigung besitzt - weder im Kino noch im heimischen DVD-Player.

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