iHaveCNit: Lieber Thomas (2021) – Andreas Kleinert – Central
Deutscher Kinostart: 11.11.2021
gesehen am 12.11.2021
Arthouse Kinos Frankfurt – Cinema Petit – Reihe 1, Sitz 6 – 20:15 Uhr
Es ist im Kino immer wieder interessant, interessante Persönlichkeiten über biografische Filme kennenzulernen. Und da hat mich vor allem aufgrund der Besetzung von Albrecht Schuch der von Andreas Kleinert inszenierte Film „Lieber Thomas“ interessiert. Und das Interesse war berechtigt. Denn „Lieber Thomas“ gehört mit zu den besten Filmen, die in diesem Jahr aus Deutschland im Kino gestartet sind.
Der unangepasste Thomas Brasch ist schon sehr früh mit seiner Einstellung vielen ein Dorn im Auge. Sowohl im Journalismusstudium als auch als Sohn eines hochrangigen SED-Mitglieds eckt er immer wieder an, selbst Haftstrafen halten ihn nicht von seinem gedanklichen Treiben ab, so dass er vorzeitig in den Westen ausreisen darf. Doch ist der Westen auch das Richtige für ihn ?
Thomas Brasch war eine sehr interessante, aber auch sehr schwer zugängliche Persönlichkeit. So unangepasst und kritisch würde ich ihn als eine Art Rebell und Punk beschreiben, der stets rastlos auf der Suche war und im Wahn des eigenen Anspruchs nie wirklich angekommen zu sein scheint. Hier finde ich es richtig gut, dass der Film sich auf sehr spannende, schillernde und elektrisierende Art und Weise vielen Aspekten im Leben von Brasch nähert – von seiner Kindheit und Jugend über das Verhältnis zu seiner Familie, sein Verhältnis zu Frauen und den vielen Stationen seines Lebens vom Studium, Untergrundaktivismus nach dem Prager Frühling, von seiner Zeit als Häftling und im Arbeiter im Straflager, von seiner Autorentätigkeit, von ihm als Filmemacher. Im mit über zweieinhalb Stunden langen Film wirkt der Film selbst nie lang oder langweilig, denn der Film gibt einem als Zuschauer das Gefühl selbst sehr rastlos zu sein. Die Einbindung von stellenweise auftretenden Traumsequenzen lassen auch die Grenze zwischen Realität und Wahnvorstellungen etwas verschwimmen. Optisch ist der Film mit seinem Schwarz-Weiß-Look für heutige Zeit genauso mutig und unangepasst, wie es seinerzeit Brasch gewesen ist. Und für die Rolle des Brasch passt Albrecht Schuch mit einer so vielseitigen und vielschichtigen Darstellung perfekt, so dass es sicherlich auch interessant sein wird, ob der Film und seine Leistung bei der nächsten Verleihung des deutschen Filmpreises Beachtung finden wird.
„Lieber Thomas“ - My First Look – 9/10 Punkte.