Review

Nach dem höchst trashigen DERAILED hatte ich die Hoffnung ja schon aufgegeben, von van Damme noch mal einen auch vor Nicht-Fans vertretbaren Film präsentiert zu bekommen, doch IN HELL ist genau das, und noch viel mehr, es ist tatsächlich ein guter Film. Lob gebührt dafür vor allem dem Regisseur Ringo Lam, der halt ein wirklicher Könner ist, und der mit den beiden PRISON ON FIRE-Teilen schon Erfahrungen im Knast-Film-Milieu sammeln konnte, die ihm hier zu Gute kamen.
Als Vorlage diente ihm ein wirklich sehr ordentliches Drehbuch, welches dem etwas unoriginellen Grundplot durch einige nette Subplots und Twists mächtig auf die Sprünge hilft.
Visuell ist der Film sehr ansprechend bis grandios in Szene gesetzt, der leicht verfallene Knast strahlt eine morbide Atmosphäre aus, die von den sepiafarbenen Sequenzen auf dem Land angenehm kontrastiert werden. Glücklicherweise wird die Optik diesmal nicht durch misslungene SFX zerstört, Effekte werden sparsam und dann gelungen (wie die Motte) eingesetzt.
Atmosphärisch ist auch der Soundtrack, klassisch-düstere Melodien wechseln sich mit Drum&Bass-Attacken ab, aufgelockert wird das durch vereinzelt eingestreute russische Volksweisen.
Zusammengehalten werden die einzelnen Komponenten durch Ringo Lams dichte Inszenierung, seine Fähigkeit zur Schauspielerführung, die auch aus van Damme Beachtliches herausholt, hebt das darstellerische Niveau weit über den üblichen B-Movie-Durchschnitt. Lams Stärke waren schon immer eher Spannung und Glaubwürdigkeit als Over-the-Top-Action (FULL CONTACT mal ausgenommen), so wundert es nicht, das die Action eher schmutzig und brutal als hochgestylt daherkommt, aber sie verfehlt ihre Wirkung nicht. IN HELL ist auch der härteste van Damme-Film seit Ewigkeiten, gleich in der Openingsequenz zeigt das brutale Rausreißen einer Zunge, wo´s langgeht.
Ich war von IN HELL auf alle Fälle ziemlich begeistert, auf diesem Niveau darf der Belgier gerne weiterarbeiten, auch wenn´s sicher nicht wieder zum Sprung auf die große Leinwand recht (wobei es dieser Film durchaus verdient hätte).

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