Review

Schwedische Gardinen gegen belgische Muskeln 


„In Hell“ kam zu einer Zeit, in der man Jean-Claude Van Damme ähnlich wie Steven Seagal ziemlich abgeschrieben hatte und selbst frühere Fans von ihm nicht mehr jedes neues Werk direkt in den Videotheken aufsuchen mussten/wollten/brauchten. Doch diese knochentrockene Kooperation (die dritte und bisher letzte) mit Ringo Lam hat einen guten Teil dazu beigetragen, dass man JCVD zumindest danach nie ganz aus den Augen verlieren wollte - denn „In Hell“ ist ein Knastknüppler von der matschigeren und maskulineren Sorte, der sich (nicht) gewaschen hat und humorlos über Leichen geht. Erzählt wird von einem Ehemann, dessen Frau und Liebe des Lebens bestialisch von einem russischen Gangster ermordet wird. Als dieser dann durch mafiöse Connections nicht schuldig gesprochen wird, nimmt der Witwer die Rache in die eigenen Hände und erschiesst den Killer noch vor dem Gericht, landet dafür direkt in einem verkommenen Gefängnis, das eher mittelalterlichen Kerkern ähnelt. Und dort bricht durch organisierte Kämpfe und rivalisierende Gangs schnell die Hölle aus...

„Maximum Risk“ und „Replicant“ vom Duo Lam/Van Damme waren solide bis gut. „In Hell“ als Vollendung ihrer Formel ist für meinen Geschmack aber noch ein Stück besser. Er wirkt oft wie eine gemeine Mischung aus „Lock Up“, „Die Verurteilten“ und klassischer Van Damme-Prügelware. Mit einem Twist. Und mit einer Härte, einer Dreckschicht, einer Kompromisslosigkeit und einer grimmigen Atmosphäre, dass man dem guten Ringo nur noch gratulieren will. Und in all dem Knastchaos, Bestechungsspiel und Obrigkeitswahnsinn dieses sowjetischen Lochs bekommt man immer noch genug menschliche und emotionale Berührungspunkte sowie Abgründe zu sehen, dass das Ganze nie zu einem hohlen Kampffilm oder gar Musikvideoclip verkommt. Hier hat sehr viel Hand und Fuß - selbst wenn die dann meist gebrochen sind/werden. Van Damme ist hier mal nicht der unschlagbare Superfighter, er wird auch schauspielerisch gefordert wie bis dato selten, ich würde mich sehr wundern, wenn das kein echter Knast wäre, und die guten wie bösen Nebenfigur haben genug Profil um hängen zu bleiben. Ich sage nur „Maskenmonster“. Plus obendrauf kann man den Film noch als klaren Daumen hoch für friedliche, stumme Proteste sehen. Das erwartet man so nicht... Nur das Ende/die Auflösung macht es sich ein wenig leicht. Ansonsten war ich in jeder Minute involviert und höchst erfreut. 

Fazit: „In Hell“ ist ein knüppelharter Knastactioner, der konzentriert und kompromisslos gezeigt hat, dass Van Damme auch in der zweiten Hälfte seiner Karriere noch krasse Keile kredenzen konnte. Beton, Matsch, Blut, Schweiß und Tränen. Die mit Abstand beste Kooperation von JCVD und Ringo Lam! 

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