Review
von Leimbacher-Mario
Staffel 1
Food Allstars
„Ugly Delicious“ steht für „hässlich lecker“ - also geht's eher um die inneren Werte?! David Chang, amerikanischer Sternekoch mit koreanischen Wurzeln, nimmt uns mit durch verschiedene Gerichte, Länder, Probleme und Vorurteile in Sachen Essen. Und was diese gemeinsam haben, was sie mit der Gesellschaft und deren Entwicklung zu tun haben...
Lecker Essen, interessante Persönlichkeiten, neue Fakten und Verbindungen, einige witzige Kniffe und Einschübe zur Auflockerung. Für all das steht „Ugly Delicious“, eine der erfolgreichsten Kochserien, die Netflix bisher geschaffen hat. Und dennoch ist sie auch eine der polarisierendsten. Warum? Ist doch „nur Essen“? Können wir uns nicht immerhin darauf alle einigen? Das hat mehrere Gründe, das ist wohl gleichzeitig größte Stärke wie massivster Schwachpunkt der Show.
Zum einen ist David Chang nicht der einfachste und sympathischste Charakter. Vergleichbar ein wenig etwa mit einem Tim Mälzer oder Hänssler hierzulande. Das können Köche wohl ganz gut, recht egoistisch und über-selbstbewusst bis eingebildet wirken. Das kann nerven und Zugang verweigern. Doch vor allem sind es die Themen und gesellschaftlichen Parallelen, Vorurteile und Kritiken von/an jeweiligen Gerichten und Essenuntergruppen, die „Ugly Delicious“ manchmal zu schwererer Kost machen als man erwarten könnte. Aber ich mag diese Curveballs und überraschende Sättigung, dieses Reizende und Fordernde, diese neue (meist eher asiatische) Sicht der Dinge. Wenn etwa über das augenzwinkernd „überschätzte italienische Essen“ gesprochen wird, über „gebratenes Hähnchen essende Afroamerikaner“, über die „Über-einen-Kamm-Scherung“ von asiatischem Essen - dann geht das tiefer und hat Mehrwert als sonstige, eher oberflächliche Kochshows. Das kann übel aufstoßen. Oder eben eine ganz besondere Würze und eine pelzige Zunge hinterlassen. Gastauftritte von Stars wie Aziz Ansari helfen da zusätzlich.
Fazit: auch wenn man über Changs leichte Egomanie und den oft sehr politisch-gesellschaftlichen Blickwinkel auf Essen streiten kann - „Ugly Delicious“ ist interessant, humorvoll, unheimlich kreativ und lecker, sehr selbstbewusst und eher in Essen als in sich selbst verliebt! Und man will zu Gesprächen und frischen Blickwinkeln anregen. (7,5/10)