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Der in den Wäldern von Stadtlohn hausende Masken-Mörder Brutus ist ziemlich angepisst, dass man seine kleine Schwester in die örtliche Irrenanstalt gesteckt hat und startet deshalb eine Befreiungs-Aktion, bei der er sich rücksichtslos durch das anwesende Klinik-Personal und die übrigen Patientinnen metzelt. In dem angerichteten Chaos gelingt auch zwei lesbischen KFZ-Mechanikerinnen, die ebenfalls 'nen kräftigen Hau und mächtig Dreck am Stecken haben, die Flucht. Als die Polizei die Verfolgung aufnimmt, mischt Schwesterchen die Bullen mit Pfeil und Bogen im Forst kräftig auf und anschließend geht es wieder ab in die Klapsmühle für den Showdown... 1999 gab es "Ich piss' auf deinen Kadaver", 2020 nun eben "I Piss on Your Corpse"... Jochen Taubert uriniert immer noch kräftig auf jede Leiche, die in der Gegend rumliegt, kann es einen besseren Beweis dafür geben, dass sich der notorische Amateur-Hansel in all den Jahren weder filmisch noch geistig großartig weiterentwickelt hat? Okay, wer sich heutzutage freiwillig einen Taubert-Streifen reinpfeift, der weiß schon, worauf er sich einlässt und hat es auch nicht anders verdient, aber mittlerweile merkt man den Filmchen doch an, dass der Maestro durchaus einen Ruf zu verlieren hat und sich so seine Gedanken beim Runterholzen seiner Machwerke macht, denn was früher das "ehrliche" Resultat schieren Unvermögens gewesen ist, kommt heutzutage daher wie mit voller Absicht auf Schlecht getrimmt: Das nutzlose Laiendarsteller-Pack wird da dazu angehalten, sich die debilen Dialoge förmlich mit Gewalt rauszupressen und in den Gore-Einlagen spritzt das Kinstblut aus allen möglichen und unmöglichen Richtungen ins Bild. Da werden Einstellungen gerne auch mal bewusst ein paar Frames zu lange stehen gelassen, so dass man prima erkennen kann, wie vom oberen Bildrand die rote Farbe reingeträufelt wird... was sich beim Zusammenwurschteln der Grütze am heimischen PC an sich ja prima vermeiden ließe. Nun ja, wie das mit gewolltem Trash halt immer so ist hat das Ganze irgendwie was Verzweifeltes an sich, offenbart aber doch zu jeder Sekunde die "Handschrift" seines Machers, die sich darin äußert, dass Pipikaka-Witzchen auf Scheisshaus-Niveau permanent unter die Gürtellinie zielen und unter Garantie keine der Ischen, die man hier vor den Camcorder gezerrt hat, ihre Klamotten anbehält. Der Silikon-Titten-Quotient ist für einen deutschen Home-Made-Beitrag dann auch echt beachtlich, das muss man neidlos anerkennen. In seinen besseren (!) Momenten verbreitet "I Piss on Your Corpse" ein wenig "Violent Shit"-Flair, aber im Grunde genommen ist das hier nur ein weitestgehend zusammenhangsloses Szenen-Potpourri, das von einer aggressiv unpassenden, bombastischen Retorten-Mucke untermalt wird, die sich bewusst mit den präsentierten, schmucklosen Bildern beisst. Echtes Anti-Entertainment also... aber irgendwie muss man vor dem Stadtlohner und seinem filmenden Freundeskreis ja doch den Hut ziehen, dass sie ihr beknacktes Ding nun schon seit mehreren Dekaden ohne Rücksicht auf Verluste so knallhart durchziehen und  bei ihren Drehs - wie die Outtakes im Abspann zeigen - auch noch Spaß daran zu haben scheinen (auf jeden Fall mehr als hinterher der Zuschauer!). Als "Film" ist das alles fast schon nicht mehr zu bezeichnen, an irgendeine Museums-Wand projiziert könnte "I Piss on Your Corpse" dafür aber beinahe schon als modernes Kunstwerk durchgehen. Wieso läuft so was nicht auf arte?!?

1/10

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