Review

Mitte des Jahres 2020 hat man als Zuschauer aufgrund von Ablenkung, dem Sammeln von Vorrat oder tatsächlich ausgebliebenen Nachschub auch solche Produktionen wie Christian Sesmas Paydirt mit Kusshand genommen. Ende 2021 hat man gelernt, dass das Leben und das Filmemachen weiter geht und den 'Nachfolger' Take Back schon wieder und dies geflissentlich ignoriert. Sesma, der demnächst aufgrund Section 8 und der dortigen Besetzung mit Adkins, Lundgren und Mulroney wahrscheinlich das erste Mal richtige Aufmerksamkeit außerhalb der Nische der DtV- und VoD Actionklientel bekommen könnte und sollte und kurz hiernach den besseren Every Last One of Them fabriziert, hat sich die letzten Jahre immerhin als enthusiastischer und gleichbleibend solider Filmemacher aus Palm Springs und entsprechend attraktiven Bildern von dort sowie der Verwendung der B-Zunft an Darstellern (wie Luke Goss) etabliert. Take Back hat auch mit Michael Jai White und Mickey Rourke auch zwei Leute aus dieser Riege, die allerdings Schützenhilfe leisten für Gilliam White, welche diese sogenannte (und vermeintliche) weibliche Taken - Variante leitet und anführt:


Als die Anwältin Zara Roland [ Gillian White ] eines Tages einen eskalierenden Streit in einem Coffeeshop klärt, gerät sie dadurch sowohl in die Aufmerksamkeit der Medien als auch des Kriminellen Jack Devlin [ Mickey Rourke ], der samt Kompagnon Dwayne [ Paul Sloan ] einen florierenden Sexhandel mit Entführungen, Vergewaltigungen und Gefügig machen durch Drogen führt. Devlin schickt einen Killer auf Zara los und lässt Audrey [ Priscilla Walker ], die Tochter von Zaras Mann Brian [ Michael Jai White ] entführen, was auch die Detectives Frank Schmidt [ James Russo ] und Perez [ Jay Montalvo ] nicht verhindern können.

Der Abend beginnt gut und vielversprechend, endet aber weniger schön. Von fleißig Alkohol bis zum Rausch, von Flüchen bis zum Vorspiel einer heißen Liebe hin zu einer plötzlichen Gewalttat. Sesma arbeitet schnell und mit knapper Aufmerksamkeit, Sex and Violence vor allem auch angesichts der White Trash Gefangenenhöhle und der dennoch vorhandenen, die Gedankengänge vorstellenden Cleavage-Bilder. “The lunatics are running the asylum.

Eine kurze Prämisse mit ebensolchem Vorlauf, erst trifft es die Allgemeinheit, dann jemand speziellen. Ein bisschen Friede, Freude, Eierkuchen für die Vorstellung und die Identifikation, eine heile Familie, in der der Mann sicher nicht zurückgesteckt, aber die Frau gleichberechtigt ist und beide sich und die Tochter liebend und der erste Riss nicht von innen, sondern dem Eingriff von außen entsteht. Überhaupt ist die Gefahr hier stets lauernd und dräuend, wird eingangs auch ein Fall zwischen 'häuslichen Streit' versucht, erst mit Drohungen seitens eines verlassenen Mannes und dann dem Zücken der Waffe und nur durch schnelles Eingreifen und Helfen einer zufällig anwesenden anderen Person geklärt; die Panorama- und Drohnenaufnahmen von Coachella deuten eine Ruhe und Lieblichkeit an, die unten auf der Straße und bei den eng zusammen lebenden bis eingepferchten Menschen nicht mehr vorhanden ist und der Kampf ums tägliche Überleben herrscht. Die Bilder scharf, kontrastreich, ausgebleicht.

Ein bisschen, bis die Geschichte so startet und losgeht, braucht man dann doch, werden vorher einige Andeutungen gemacht und einige Umwege eingelegt, welche von dubiosen Hinweisen leben und einem Parallelstrang, der nach und nach bis zur Konfrontation aufeinander zugeht. Parallel ist auch die gefilmte Handlung, der Drehprozess und die Realität, so sieht man in der ersten Auseinandersetzung, dem Vereiteln der Gewalttat im Coffeeshop (und auch sonst im Film) natürlich niemand mit Mund-Nasenschutz, in der später zugeschalteten Nachrichtensendung von eben jenem Tatort jeden der Kunden mit Eigen- und Fremdschutz; also der derzeitigen Wirklichkeit zugeschaltet, der Film wurde im 2. Lockdown absolviert. Auch die Taken-Referenz ist mehr Schein als Sein, geht man eigentlich eher in die Richtung, aus die man bspw. The Long Kiss Goodnight dann kennt; hier eingangs als slow-burner, der aber weniger interessant wird über die Laufzeit, statt diesbezüglich zuzunehmen, ein zäher, reduzierter Low Budget Reißer und plakativer Psychothriller, wobei das steife, hängende Gesicht vom lädiert wirkenden und auch beschädigt sprechenden Rourke in Großaufnahme die meiste Zeit noch das Gruseligste und die Interaktion der beiden White eindeutig das Fundament des Filmes und sein Pluspunkt ist.

So ab der Hälfte sind dann die Karten auf dem Tisch und wird etwas Tempo eingelegt, mit einer Kampfszene im Büro der Anwältin, wobei diese anders als zuvor eine Home Invasion (mit einem schönen Hebel direkt in den Wohnzimmertisch) so gar nicht übersichtlich gehalten ist und so überhaupt nicht funktioniert. Der ganze Gewaltausbruch wird mit einer Verfolgungsjagd auf den staubigen Straßen vor der Stadt zusammengeschnitten, was den Rest an Übersichtlichkeit und Effektivität verhindert; formell ein Scheitern, dramaturgisch wenigstens ein Fortschritt.

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