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„Drum prüfe, wer sich ewig bindet“ warnte einst Friedrich Schiller und bezog sich damit natürlich auf zwischenmenschliche Beziehungen, die in einem frühen Stadium zu einem Schnellschuss (Honeymoon in Las Vegas) führen kann, woraufhin sich oft Ernüchterung einstellt. Vordergründig thematisiert Autor und Regisseur Phillip G. Carroll Jr. die Flitterwochenphase und welche Faktoren jene trüben könnte.

Tom (Jim Schubin) und Eve (Chloe Carroll) sind zwar nicht verheiratet, dennoch melden sie sich für ein Paar-Experiment, bei welchem am Ende die stattliche Summe von 50.000 Dollar winkt. Der Autor und die Künstlerin sollen 30 Tage in einem Smart Home verbringen, einem modernen Apartment ohne Kontakt zur Außenwelt. Doch bereits nach wenigen Tagen entwickelt Tom Verhaltensweisen, die Eve komplett fremd erscheinen…

Dieser Tage werden wahrscheinlich viele Beziehungen auf eine harte Probe gestellt, wenn Isolation und eingeschränkte Freiheiten aufs Gemüt drücken. Auch Tom und Eve begeben sich in Quarantäne und werden dabei natürlich überwacht, während Assistenten des Experiments per Hologramm erscheinen, jedoch nie wirklich intervenieren. Folgerichtig ergibt sich ein kammerspielartiger Charakter, der dem Betrachter eine Menge Geduld abverlangt.

Die Inputs in Form von nahezu unbegrenztem Konsum von Nahrungsmitteln und Freizeitbeschäftigungen wie Filmsichtungen oder Vollbad sind arg überschaubar und leider geben die beiden Hauptfiguren nicht allzu viel her, um ein spezielles Konfliktpotenzial zu schüren. Beiden mangelt es an Ecken und Kanten, gleichermaßen an Lebenserfahrung, um eventuell interessante Anekdoten zu vermitteln. So gestaltet sich das minimalistische Treiben lange Zeit eindimensional und die bösen Vorzeichen werden eher von außen herangetragen und danach weitgehend unter den Teppich gekehrt, bevor sich die beiden Individuen zu verändern scheinen, - oder aufgrund des Lagerkollers unerwartet aufeinander reagieren.

Der intime Horror ergibt sich irgendwann aus der Annahme, dass es selbst innerhalb einer scheinbar gefestigten Beziehung kein grenzenloses Vertrauen gibt und sobald Zweifel gesät werden, wächst Unbehagen, welches etwa ab der Halbzeit dominiert.
Schließlich kommt es zu einer Wendung, die im Kontext mit dem ursprünglichen Experiment völlig hanebüchen anmutet, wobei einige Szenen kurz vor Ende aufgrund einiger kleiner Finten noch ein wenig kaschieren.

Die Darsteller sind sichtlich um Facetten bemüht, das Zusammenspiel funktioniert einigermaßen, beide bringen allerdings nicht allzu viel Charisma mit. Wahrscheinlich nicht ganz zufällig erinnert Schubin mit Pottschnitt und eng anliegendem Oberteil an Science-Fiction Helden der Sechziger, während François Chau als Leiter einen angenehm geerdeten Eindruck hinterlässt, - für den nicht ganz auszuschließenden Fall, dass so ein leitender Wissenschaftler selten mit einer reinen Weste das Szenario verlässt.

Was auf dem Papier spannend klingt, da die Prämisse menschliche Abgründe offen legen könnte, entpuppt sich als harmloser Psycho-Thriller, dem es deutlich an Dynamik fehlt. Das äußerst begrenztes Setting und die Reduktion auf zwei Figuren schürt kaum Spannung, es ereignet sich lange Zeit zu wenig, während es im letzten Drittel zu einigen eklatanten Ungereimtheiten kommt und die Pointe nur sehr bedingt zufrieden stellt, was den Streifen kaum empfehlenswert gestaltet.
Knapp
4 von 10

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