Nein, schön ist der Film nicht. Aber was ist schon schön. Der Film hat auch nicht das Potential dazu, nach dessen Anschauen aufzustehen und zu sagen: So nun ich, und zwar ganz anders. Besser sowieso. Es steckt keine moralische Botschaft dahinter, und das ist absolut zu begrüßen.
Wie viel wiegt der Tod? Die Seele? Die Persönlichkeit? Was sind diese 21 Gramm? Der Film fragt am Ende danach. Wissen wir dann die Antwort? Kaum. Wie viel wiegt Schuld? Gewissen? Zu schwierige Fragen. Man will sagen schwer, aber keiner der Akteure im Film hat einen Sympathie-Vorsprung vor dem anderen. Es schwankt, eine Gewichtung mag nicht stattfinden.
Oh ja, der Zuschauer ist sehr gefordert, denn zunächst ist die Technik des Film irritierend. Zeitsprünge, sicher nicht wahllos, aber anfangs zusammenhanglos und schwierig einzuordnen. Man kann ihnen schwer folgen, dabei ist die Menge des Inhalts eher übersichtlich als nicht. Man wird geradezu gezwungen mehr als einmal hinzuschauen und vor allem auch mitzudenken.
Wir erfahren ein dunkles Licht über den Stand der Medizin in unserer so entwickelten Wissenschaftsgesellschaft, über den Radikalismus von Kreatonisten, die nicht minder extrem sind als jene Glaubensgegner im nahen und mittleren Osten, über den verzweifelten Rückfall oder einzig mögliche Flucht in die Drogen. DAS ist auch das Leben.
Wer nicht realistisch sein will und nur rosarotes sehen will, dem ist dieser Film nicht zu empfehlen. Oder vielleicht gerade denen. Es geht um Schuld und Verzweiflung. Sind das die 21 Gramm? Der Film wirkt nur ein wenig nach, Szenen daraus sind allerdings noch länger abzurufen.
09/10