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Ein Film über verschiedene Schicksale. Man kennt sich nicht, es scheint keinen Zusammenhang zu geben, doch dann laufen die Fäden zusammen. Das kennst Du schon wenn Du seinerzeit "Magnolia" gesehen hast. "21 Gramm" scheint streckenweise fast ein Remake zu sein, nur mit weniger Handlungssträngen. Dafür wird jetzt mit zeitversetzten Einblendungen gearbeitet. Gerade zu Beginn sorgt das zusätzlich für Verwirrung: Du weißt nicht wie die einzelnen Ausschnitte zusammengehören, weder von der zeitlichen noch von der subjektiven Zugehörigkeit.

Aber wenn Du die ersten 20 Minuten durchgehalten hast lichtet sich Schritt für Schritt der Vorhang und Du beginnst zu begreifen, aus der anfänglichen Verwirrung wird Verstehen, Spannung baut sich auf. Regisseur Inarritu nimmt sich viel Zeit um die einzelnen Charaktere und deren Familien auszuarbeiten, eigentlich besteht fast der gesamte Film aus Charakterstudien. Und egal welchen Charakter Du betrachtest: sie sind allesamt so real, so natürlich - die kleinen Helden von nebenan.

Dies lässt den Film nah an Dich ran. Schau Dir zum Beispiel den herzkranken Paul Rivers an: könnte das nicht Dein Nachbar sein? Schau Dir das Schicksal von Cristina Peck an: hast Du das nicht letzte Woche in der Zeitung gelesen? Schau Dir Jack Jordan an: geläuterte Menschen gibt es überall, einer von ihnen ist sogar amerikanischer Präsident geworden.

Das Zusammenspiel von Sean Penn, Naomi Watts und Benicio del Toro (die drei Hauptdarsteller) funktioniert und bildet eine harmonische Einheit. Keiner sticht hervor, alle sind sie gleichsam und ausgewogen präsent - und spielen auf höchstem Niveau. Gerade in Sean Penns fall wirst Du feststellen, daß Paul Rivers wohl seine größte Rolle ist. Hier beweist er Dir endlich sein großes Talent.

"21 Gramm" ist Kopfkino vom allerfeinsten. Wenn Du auf Action, Spaß und Spannung stehst solltest Du diesen Film tunlichst meiden - wenn Du auf Anspruch stehst, gönn Dir ein Glas Wein, stell das Telefon ab und genieße herausfordernde zwei Stunden.

(9/10)

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