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Was wiegt 21 Gramm? Fünf 5-Cent-Münzen? Ein Kolibri? Ein Schokoriegel? Wer jetzt denkt, der Film „21 Gramm“ sei so etwas wie eine Leinwand-Adaption eines Wissenschaftsmagazins ist schief gewickelt. Denn es kann auch etwas viel tiefgründigeres sein, das ein Gewicht von 21 Gramm hat…

Das Schicksal dreier Menschen, die zuvor rein gar nichts miteinander zu tun hatten, wird durch ein tragisches Ereignis eng miteinander verknüpft: Da ist der schwerkranke Paul Rivers (Sean Penn), der ehemalige Kriminelle Jack Jordan (Benicio del Toro) und die glücklich verheiratete junge Mutter Christina Pack (Naomi Watts): Jack überfährt eines Abends die beiden Töchter und den Ehemann von Christina. Für die drei Unfallopfer kommt jede Hilfe zu spät. Im Moment von Christinas Unglück widerfährt Paul endlich Glück: er bekommt das überlebenswichtige Spenderherz, auf das er so lange gewartet hat: das Herz von Christinas Ehemann Michael.

„21 Gramm“ wartet mit einer etwas gewöhnungsbedürftigen Erzählstruktur auf, die wohl nicht jedermanns Sache ist. Denn man wird durch diese Erzählstruktur zum Nachdenken, zum Mitdenken, gezwungen: Gelegentliche Rückgriffe auf die jüngste Vergangenheit, dann wieder Blenden in die Zukunft (oder ist es doch die Gegenwart?), dann wieder ein Sprung in einen anderen Zeitraum, den die drei Hauptfiguren dieses Dramas betreffen; so entwickelt sich aus der puzzle-artigen Erzählung langsam aber sicher ein Gesamtbild, das es dem Zuschauer immer einfacher macht, das gesamte Ausmaß des Zusammenspiels der drei Schicksale von Paul, Christina und Jack zu durchblicken. Dabei vermeidet es Regisseur Alejandro González Inárritu, zu viele Antworten auf die zwangsläufig entstehenden Fragen zu geben. Der Zuschauer soll am Ende sein eigenes Urteil bilden, seine eigene Definition der 21 Gramm finden. Und gerade das – das Offenlassen der elementaren Antwort auf sämtliche Fragen des Films – macht „21 Gramm“ so sehenswert.

Trotz – oder gerade wegen – seiner eigenartigen Struktur funktioniert „21 Gramm“ hervorragend als philosophische Parabel auf das Leben und Sterben. Ab und an erinnert der Film an Arbeiten von Christopher Nolan oder David Lynch, ohne dabei jemals seinen eigenen Charme in Vergessenheit geraten zu lassen. Die großartigen Leistungen der drei Hauptdarsteller machen aus dem Film dann letztlich eine wirklich hundertprozentig runde Sache. Lediglich die gelegentlich entstehenden Längen in der Erzählung verhindern die Vergabe der Höchstnote; daher „nur“ 9 von 10 Punkten.

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