Review

Es gibt Filme für die will man nicht viel Geld ausgeben. Diese Filme müssen nicht schlecht sein. Diese Filme könnten sogar wahre Perlen sein. Aber ich will nicht jeden Preis dafür zahlen. Gestern war es dann soweit, schon lange anvisiert und dann zugeschlagen.

21 Gramm

Wieder einmal versuchte ich mich daran, etwas zu greifen was fernab meines eigentlichen Filmhorizontes liegt. 21 Gramm ist einer dieser Filme, die fernab vom Mainstream sind. Dieser Film zählt zu der Sorte von denen man etwas halten muss, über den man stundenlang philosophieren sollte, wenn man als Hip in der Welt der "wahren" Cineasten durchgehen will. Also einer dieser Filme, für den man sich wahrlich Zeit nehmen muss und ihn nur in einer angemessenen Atmosphäre ertragen kann.

21 Gramm ist anders, er lebt nicht von Bildern, Kamerafahrten oder gut aussehenden Schauspieler. Es ist einer dieser Filme die grobkörnig gefilmt wurden, von Dialogen lebt und von Experimenten des Regisseurs. 21 Gramm ist Kopfkino in jeglicher Hinsicht. Hat man als geouteter Mainstream Cineast nicht schon genug damit zu tun den Dialogen zu folgen, so muss man noch einer Erzählstruktur folgen die ihres gleichen sucht. Man kennt Episodenfilme, man kennt auch Memento. Aber all dies wird hier noch von Alejandro Gonzales Inarritu überspitzt, in dem er den gewillten Zuschauer auf eine harte Probe stellt. Kein klarer Handlungsbogen, keine Zeitlinie, keine offensichtliche Verknüpfung der Handlungsebenen. Immer wieder springt die Szene von Gegenwart in die Vergangenheit und sogleich wieder in die Zukunft. Selbst am Ende des Filmes weiß man nicht, was das hier und jetzt ist.

21 Gramm ist ein starker Film. Leicht ist er auf keinen Fall. Waren es ja schließlich auch der Trailer und das DVD Cover, welche mich mit ihren starken Claims gelockt haben.

"MAN SAGT,
DASS 21 GRAMM DAS GEWICHT IST, DAS
WIR VERLIEREN, WENN WIR STERBEN,
DAS GEWICHT VON
FÜNF FÜNF-CENT-STÜCKEN.
DAS GEWICHT EINES KOLIBRIS.
DAS GEWICHT EINES STÜCKES SCHOCKOLADE.
UND VIELLEICHT AUCH
DAS GEWICHT DER SEELE."

Aber alles in allen zeigt der Film Wirkung. 3 Menschen, welche nichts mehr zu verlieren haben, nachdem sie einst soviel gewonnen hatten. Der todkranke Paul (Sean Penn / Ich bin Sam, Mhystic River), welchen durch ein Spenderherz ein neues Leben geschenkt wurde, welches ihm dann doch wieder genommen wurde. Ehefrau und Mutter Christina (Namomie Watts / Ring), welche eine Familie hatte die sie über alles liebt, welche ihr genommen wurde.
Und dann ist da noch Jack (Benicio Del Toro), welchen in einer Phase der Läuterung, wieder der Boden unter den Füßen weggerissen wird. Man nimmt unweigerlich teil an den Leiden der 3 Protagonisten, wenn sich nach der ersten Hälfte des Filmes langsam der Schleier der Erkenntnis über einen nieder lässt. Zusammenhänge versteht, Episodenschnipsel zu einander puzzelt, dann beginnt der Film sich zu öffnen. Doch auch dann bleibt der Film noch "unerträglich", denn so wird das Leid der Personen zu keinem Zeitpunkt aufgelockert. So das es einfach nur schwer bleibt dem Film zu folgen mit Kopf und Herz.

Alles in allem ist 21 Gramm einer dieser Filme, welche man sich zum Leiden anschaut. Wenn einen die bunte grelle und immer spaßige Happy Ending Welt von Hollywood zu viel wird, man etwas pseudoauthentik erleben will und über die existenziellen Fragen des Lebens philosophieren will. Wieviel wiegt Rache? Wieviel wiegt Liebe? Wieviel wiegt Schuld?

7/10

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