Regisseur Alejandro González Iñárritu zeigt wie einfach es doch ist, durch gezielte Manipulation am Publikum den eigenen Film zum „Meisterwerk" erheben zu lassen und das nur, weil man die offensichtlichen Mängel am Werk durch optische sowie narrative Spielereien und viel Geheule retuschiert hat.
Dabei bietet das Thema so viel Potential für ein mitreißendes Drama, auch wenn die Idee nicht sonderlich neu ist. Durch einen schrecklichen Autounfall werden drei Schicksale miteinander verbunden, woraus eine Geschichte über das Leben, den Tod, die Liebe und der Rache resultiert.
Zum einen haben wir Cristina Peck (Naomi Watts). Ehemals drogenabhängig, nun eine liebende Mutter, die bei dem Unfall ihren Mann sowie die beiden Töchter verliert und nun als seelisches Wrack an dem Leben danach zu Grunde geht.
Paul Rivers (Sean Penn) dagegen ist schwer Krank. Er braucht dringend ein neues Herz um weiterleben zu können. Der Unfall scheint daher ein Glückfall für ihn zu sein, da ihm das Herz von Cristina's Mann transplantiert wird. Von Gewissensbissen geplagt heuert er einen Detektiv an, der herausfinden soll, wie und wem er sein „neues Leben" zu verdanken hat. Dabei verliebt er sich in Cristina.
Das „schwarze Schaf" der Geschichte ist dabei Jack Jordan (Benicio Del Toro), ein vorbestrafter kleinkrimineller, der nach einem Gefängnisaufenthalt zu Gott gefunden hat und nun versucht - streng nach der Bibel - ein gutes Leben zu führen. Er war der Fahrer, der den Unfall verursacht hat und vom Tatort geflüchtet ist.
„21 Gramm" könnte dabei so viel Identifikationspotential und Dramatik aufweisen - gar zum großen und fantastischen Gefühlskino heranreifen - würde man den Zuschauer nicht in eine Pfütze aus widerlichem plakativen Kitsch hineinwerfen. Damit dies dem Zuschauer aber nicht so offensichtlich ins Auge fällt, bedient sich Regisseur Iñárritu einer - mittlerweile schon viel zu oft gebrauchten und daher platten - Erzählform, in dem er die Geschehnisse erst mal ordentlich durcheinanderwirbelt. So werden zu Beginn Szenen aus dem Finale eingestreut, man wechselt von Figur zu Figur, zeigt Vergangenes, die vermeintliche Gegenwart, um darauf doch wieder vorzugreifen. Da muss man sich auch erst mal zurecht finden. Das man dabei absolut keine Beziehung zu den Figuren und ihren dramatischen Schicksalsschlägen aufbauen kann, ist daher keine Verwunderung. Man wird viel zu sehr von den Ereignissen hin und her gerissen. Kaum hat man sich auf eine Geschichte eingestellt, versucht dabei eine Emotionale Bindung aufzubauen, schon findet man sich an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit wieder. Um dem entgegenzuwirken versucht der Regisseur mit großen Geheule - eben dem oben erwähnten Gefühlskitsch - die Manipulation in die Endphase zu bringen, um die naiven Zuschauer bei dem Theater kräftig mitfühlen zu lassen. Durch eben jene Narration, der doch sehr zusammenkonstruierten Geschichte und eben der Tatsachen, dass diese vereinzelten Mosaiksteine für sich alleine stehen und daher ihre Wirkung komplett verfehlen, enden z. B. Szenen wie die, in der eine Cristina die Nachricht erhält, dass ihre Familie bei einem Autounfall gestorben ist und sie darauf weinend zusammenbricht, in von Tränen ertränktem Emotions-Kitsch, der einen einfach kalt lässt.
Das Selbe gilt für die Schicksale der anderen Charaktere. Es fällt einem schwer in diesem wilden Sturm aus aufgesetzter Tragik, Rachegelüsten und Tod einen Identifikationspunkt zu finden. Am liebsten würde man alles wie eine Seifenoper einfach die Toilette hinunterspülen.
Das Ganze klingt jetzt ziemlich hart, aber richtig mies ist „21 Gramm" letztendlich doch nicht. Dafür spielt Benicio Del Toro einfach zu gut. Und einige eindrucksvolle Bilder, die ihre realistische Schönheit in Alptraumhafte Szenarien tauchen, zeigen deutlich die Qualitäten von Regisseur Iñárritu auf. So haben wir hier also ein mit Stars gespicktes Independent-Movie, welches in einer Schwebe zwischen den Arthouse -und Mainstreamkonventionen steht, um doch in belangloser Mittelmäßigkeit zu versinken.
Am Ende bleibt ein schick gefilmter und toll gespielter Film, der seine eigentlichen Ziele deutlich verpasst und daher als ein kitschiges, emotionsloses und an vielen Ecken überstilisiertes Drama nur Zuschauer anspricht, die sich gerne blenden lassen und das Gesehene ungern hinterfragen.