Sean Penn spielt einen todkranken Professor, der ein Spenderherz benötigt. Benicio del Toro spielt einen Ex-Häftling, der nun sein Glück in seinem Glauben gefunden hat und Naomie Watts spielt eine junge Mutter. Durch einen tragischen Unfall, bei dem Watts Ehemann und ihre Töchter sterben, verknüpften sich die Schicksale der drei Personen.
Die Story um die drei Personen, deren Schicksale durch einen tragischen Unfall überkreuzt werden ist zwar nicht schlecht, aber auch nicht wahnsinnig genial, aber das, was Regisseur Alejandro Gonzalez Inarritu daraus macht, ist Filmkunst in ihrer reinsten Form. Bei seiner Inszenierung verzichtet er weitestgehend auf größere Musik- und Ton-Effekte und beschränkt sich passend zur Story auf ruhige, leise und melancholische Klänge und räumt den Darstellern somit viel Raum im Film ein, um sich zu entfalten. Darüber hinaus verwendet er fast gar keine Action-Szenen, verzichtet mehr oder weniger komplett auf Gags und beschäftigt sich ausschließlich mit seiner Handlung. Das Erzähltempo und der Erzählstil, den er dabei verwendet sind das absolut Einzigartige am Film und heben ihn deutlich von allen anderen Dramen ab. Statt die tragische Geschichte um Schuld, Sühne und Vergebung, über Schicksal, Zufall und Bestimmung langsam und linear zu erzählen, schneidet er den Film überaus häufig, baut die wildesten Zeitsprünge in seine Geschichte ein und hebt den Anspruch und den Kunstcharakter seines Werkes deutlich an. Erst beim zweiten Ansehen, merkt man als Zuschauer, wie virtuos Inarritus Inszenierung wirklich ist, da man die Geschichte mit ihren dutzenden Zeitsprüngen erst dann zusammenfügen kann, wenn man weiß, wie die Geschichte ausgeht. Die Charakterkonstruktion ist nicht nur gut, sondern einfach perfekt gelungen, sodass man jede Aktion und jede Reaktion der drei Hauptfiguren bis ins kleinste Detail nachvollziehen kann. Die Wendungen sind teilweise überraschend, wobei die Story nicht sonderlich komplex geworden ist.
Inarritu gesteht den Darstellern bei seiner Inszenierung, wie gesagt viel Raum ein und dies entpuppt sich als gute Idee, da die drei Hauptdarsteller allesamt zur Hochform auflaufen. Sean Penn verkauft sich als todkranker Professor sehr gut und liefert eine unheimlich emotionale und konzentrierte Vorstellung ab, die kaum einfühlsamer und besser gespielt sein könnte. Penn, der im selben Jahr für "Mystic River" seinen Oscar erhielt stellt einmal mehr unter Beweis, dass er zu den besten Charakterdarstellern der Welt gehört und zeigt sich auch im Zusammenspiel mit seinen Kollegen, vor allem im Zusammenspiel mit Naomi Watts sehr stark und ist mit seiner sympathischen Art in seiner Rolle sehr gut aufgehoben und zeigt nach "Ich bin Sam" erneut, dass ihm neben rebellischen auch tragische Rollen sehr gut liegen. Naomi Watts passt mit ihrer charmanten und sinnlichen Art ebenfalls perfekt in ihre Rolle und liefert als Mutter, die ihre gesamte Familie verloren hat eine überaus emotionale Vorstellung ab, ohne im Gefühlskitsch oder im übertriebenen Selbstmitleid zu versinken. Die Oscar-Nominierung für die hübsche Australierin ist damit auf jeden Fall gerechtfertigt. Benecio del Toro kann als Familienvater, der nach dem tödlichen Unfall in Schuldgefühlen versinkt ebenfalls überzeugen und spielt vielleicht sogar noch ein bisschen besser, als seine brillierenden Kollegen. Del Toro ist die ganze Zeit über todernst und überzeugend und hat nicht einen schwachen Moment, darüber hinaus entwickelt er eine Leinwandpräsenz, wie man sie nur von wenigen Darstellern kennt. Der Oscar-Preisträger ist darüber hinaus die ganze Zeit über sympathisch, obwohl er eine eher unsympathische Rolle spielen muss. Durch die einfühlsamen Darsteller und die darstellerischen Höchstleistungen ist "21 Gramm" meiner Meinung nach eines der besten Dramen aller Zeiten.
Wie viel wiegt Rache? Wie viel wiegt Liebe? Wie viel wiegt Schuld? Dies sind die Fragen, die sich Sean Penn auf seinem Sterbebett stellt und die den ganzen Film über beinahe quälend in der Luft schweben und allgegenwärtig wie ein Leitmotiv durch den Film führen. Dass die Charakterkonstruktion absolut genial und virtuos gelungen ist, steht außer Frage, aber ich denke, dass die Story auch darüber hinaus einige vielschichtige Ansätze hat und trotz der relativ simplen Handlung eines der komplexesten Werke überhaupt ist. Inarritu beschäftigt sich nach "Amores Perros" und vor "Babel" einmal mehr mit Liebe, Hass, Zufall und Schicksal und den Auswirkungen eines kleinen, scheinbar unbedeutenden Ereignisses. Und auch in "21 Gramm" gelingt dies nahezu perfekt und die Auswirkungen des Autounfalls, die daraus resultierenden Veränderungen der Charaktere und deren Umfelder werden perfekt verfolgt und durch den passenden Erzählstil virtuos inszeniert. Die Story mag nicht sonderlich viele Wendungen haben, aber komplex und vielschichtig ist sie dennoch.
Fazit:
Mit einer virtuosen, spärlichen Inszenierung und einem perfekten Erzählstil verdeutlicht Alejandro Gonzalez Innaritu hervorragend die Auswirkungen eines tödlichen Autounfalls und die Entwicklung der Schicksale dreier Personen. Mit der vielschichtigen Charakterkonstruktion und den drei überragenden Darstellern, die allesamt eine einfühlsame und emotionale Vorstellung abliefern ist "21 Gramm" ein Juwel, dass man sich unter keinen Umständen entgehen lassen sollte.
95%