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"44 Minutes" hätte lieber nur so lange dauern sollen, wie der Titel vorgibt. Aber auch dann wäre er kein Meisterwerk geworden. Zu unentschieden springt er zwischen Spielfilm-Pathos und pseudodokumentarischem Realismus hin und her. Zum Ende des Streifens wird immer deutlicher, dass hier der Polizei von Los Angeles ein filmisches Denkmal gesetzt werden soll. Zudem wird hier erklärt, wie es dazu kam, dass die Streifenwagen dieser Polizei nach der "Hölle von Nord-Hollywood" mit modernen Gewehren ausgestattet wurde. Aber wer will das eigentlich wissen?
Es beginnt damit, dass verschiedene Polizisten sowie die Bankräuber anhand einiger etwas langatmiger und bedeutungsarmer Dialogszenen vorgestellt werden, wobei vor allem Michael Madsen und Mario van Peebles dem geneigten Publikum mal wieder demonstrieren können, dass sie coole Säue sind und sich nicht so leicht ins Bockshorn jagen lassen. Na, wer hätte das gedacht. Madsen kneift einer Bude lärmiger Jugendlicher einfach den Strom ab. Van Peebles tritt als großer Moralapostel auf, indem er einem jugendlichen Latino-Knilch, der seine Mutter vermöbelt hat, ins Gewissen redet, ihm Fotos unheilvoll zugerichteter Gangster abschreckungshalber vor die Nase hält und ihm zu allem Übel auch noch die gesammelten Worte Jehovas in einer angeschmuddelten Miniatur-Ausgabe zuteil werden lässt. Das wird schon helfen, muchacho.
Irgendwann beginnt dann die große Sparkassen-Sause und zwei krasse ausländische Bösewichte, die, wie sie ständig versichern, auf keinen Fall wieder in den Knast wollen, treten dem milchbubigen Bankpersonal in den Hintern. Schließlich sind sie auch mit schusssicheren Westen und AK 47-Gewehren ausgerüstet und damit der Polente hoffnungslos überlegen. Ich bin übrigens alles andere als Waffenexperte, aber die Bezeichnung "AK 47" hört man in diesem Film so oft, dass man sie irgendwann nicht mehr vergisst.
Nachdem minutenlang in die Decke der Bank of America, oder wie immer das Ding auch hieß, gefeuert wurde und die ersten Todesopfer in Form einiger Lampen zu beklagen sind, bezieht die Polizei irgendwann Stellung in einem nahegelegenen Laden, wo Michael Madsen mit dem Chef über eventuell anzudenkende Maßnahmen schwadroniert. Andere Kollegen sind hingegen im Brennpunkt des Geschehens, z. B. Mario van Peebles, der recht bald ins Bein geschossen wird, um den Rest des Films leidend hinter irgendeinem Blickfang zu sitzen. Den zwei Gaunoven gelingt es dann auch vorbildlich, die zig-Mann-starke Polizei in Schach zu halten, was eigentlich kein Ruhmesblatt für letztere darstellt. So kommt es zu seltsamen Situationen, wie z. B. ein Polizist im Waffenladen um die Ecke einen Einkaufswagen voll Schießprügel ersteht (der Chef wird's schon zahlen), den Einkaufswagen muss er allerdings erst einem gutwilligen Pennbruder abschwatzen...
So geht dieser Film etwas monoton dem Ende zu. Madsen rennt ultra-wichtig durch irgendwelche Vorgärten, um den Gangstern die Eier oder doch zumindest den Weg abzuschneiden, van Peebles leidet hinter seiner Verschanzung vor sich hin. Erst nach vollbrachtem Sieg (schließlich bringt man sogar ganze zwei Bösewichte zur Strecke...) darf er einen triumphierenden Blick zu dem Latino-Hispano-Bengel werfen, der grinsend das neuerworbene "Wort Gottes" herumschwenkt. Na dann, viel Spaß beim lesen und beten. Wenn man schon denkt, man sei durch, wird man noch mit einigen Minuten ultra-pathetischem Gerede über die Heldenhaftigkeit der Polizei von L. A. nebst einigen grinsenden Originalfotos erfreut.
Ein Dauerproblem an dem Film (ursprünglich eine Fernseh-Produktion) sind die ständig an unpassendsten Stellen auftretenden Schwarzbilder, die verraten, wo einst die Werbeblöcke gelaufen sind. Hätte man das für die DVD-Auswertung nicht beheben können?

Mich fragend, was an dieser verkorksten Mischung aus Starkmännerkitsch und Betroffenheitsrealismus so toll sein soll (etwa die paar billigen Einschüsse?), gebe ich mal 3 von 10 Punkten wegen des unfreiwilligen Humors und der Porno-Synchro von Mario van Peebles, die kann man sich schon mal geben...

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