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Die französische Elitesoldatin Klara (Olga Kurylenko) kommt bei einem Einsatz in Syrien fast ums Leben, als ein kleiner Junge seinen Sprengstoffgürtel zündet - wieder zurück im heimatlichen Nizza muß sie sich erst einmal bei ihrer russischstämmigen Mutter erholen. Eigentlich will die einst Jahrgangsbeste, die 5 Sprachen spricht und für die Armee auch arabisch gedolmetscht hat, nicht mehr ins Ausland, weswegen sie sich bei einer Spezialtruppe vor Ort verdingt, die im Rahmen der titelgebenden Operation Sentinelle die Stadt und deren Strände nach Terrorverdächtigen kontrolliert. Doch auch dieser Job ist für die tablettenabhängige Spezialistin nicht wirklich das Richtige. Um sich abzulenken, stürzt sie sich mit ihr jüngeren Schwester Tania ins Nachtleben: Während sie selbst sich eine Blondine aufreißt, vergnügt sich Tania mit einer Gruppe neureicher junger Russen. Am nächsten Tag wird Tania jedoch schwer mißhandelt und vergewaltigt am Strand aufgefunden; angesichts ihrer im Koma liegenden Schwester schwört Klara Rache und macht sich auf eigene Faust auf die Suche nach dem oder den Tätern...

Mit einer militärisch angehauchten Rape & Revenge-Story wandelt Regisseur Julien Leclercq auf bereits ausgetretenen Pfaden, das Hauptproblem seiner stur nach Schema F abgespulten Story ist jedoch seine Hauptdarstellerin Kurylenko, denn das Bond-Girl (The Courier, Momentum) wirkt derart steril und unnahbar, daß man zu keiner Zeit einen Draht zu ihr findet. Die laut Drehbuch eisenharte Klara wird zunächst als überlegt (als sie bei einem Verhör dolmetscht statt droht), später als verletzlich (als sie im Schoss ihrer Mutter einschläft) und schließlich als tablettensüchtig (wenn sie ihren Konsum nicht mehr im Griff hat und sich auf der Straße Nachschub besorgt) geschildert - dennoch nimmt sie es ohne weiteres Training oder auch nur mentale Vorbereitung mit einem russischen Oligarchen und dessen Leibwächtern auf. Und wie nicht anders zu erwarten, mischt sie die Übeltäter kräftig auf...

Trotz seiner kurzen Laufzeit von nur 80 Minuten bei flottem Erzähltempo fallen dem geneigten Zuseher dennoch einige Logiklöcher auf, die die ganze Story dann und wann ausbremsen: zum einen würde eine solch labile Persönlichkeit nicht in einer Anti-Terror-Truppe zum Einsatz kommen (die Sentinelle-Mitglieder laufen mit Sturmgewehren und in Tarnanzügen herum, ein Kollege von Klara folgt ihr ständig um ihre Mißgriffe zu korrigieren), weiters würden genau diese Aktionen schnell zu einer Suspendierung führen - hier allerdings darf sie immer weitermachen. Als sie später zum "Endkampf" aufbricht, holt sie sich die dafür benötigten Waffen und Munition ausgerechnet in der Waffenkammer ihrer Zentrale, wofür sie einen Kollegen fesseln muß - als könnte sie sich das Gewünschte nicht auch leicht auf der Straße besorgen, wie zuvor ihre Pillen.

Verschenkt werden stattdessen andere nur nebenbei angeschnittene Themen wie das Verhältnis Klaras zu ihrer Mutter, den Werdegang ihrer lebenslustigen Schwester, ein Konkurrenzdenken zwischen den nur Präsenz zeigen dürfenden Sentinelle-Militärs und der im vorliegenden Fall eigentlich zuständigen, ermittelnden Kriminalpolizei oder auch des kriminellen Netzwerks russischer Oligarchen, die hier klischeehaft aalglatt und vornehm in einer bewachten Villa logieren. Auch Klaras lesbische Neigung erfährt keine weitere Vertiefung und die zweiminütige Sequenz in Disco und Bett wurde wohl nur deswegen eingebaut, weils gerade chic ist.

Insgesamt wirkt Sentinelle wie ein wenig durchdachter Schnellschuss, mag mit ein paar ordentlich choreographierten Kampfszenen (in denen auch ein Diskothekenklo und ein Abstellraum eines Krankenhauses zu Bruch gehen) ganz leidlich die Action-Schiene bedienen, hinterläßt darüber hinaus jedoch wegen seiner kaum sympathischen Hauptdarstellerin (die im ganzen Film kein einziges Mal lacht) und dem ideenlosen Revenge-Plot (ohne auch nur einem kleinen Twist) keinerlei bleibenden Eindruck. 4 Punkte.

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