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Vereint unter dem Banner von New Line Cinema, einander fast schon direkt versprochen durch die Schlusszene von „Jason goes to Hell“, war das Aufeinanderprallen der beiden ausdauerndsten Filmmonster/-mörder für die Fans nur noch eine Frage der Zeit. 

Es scheint ja auch ein No-Brainer zu sein, wie die Amerikaner sagen: Hüben der teeniemordende Freddy, drüben der teeniemordende Jason, beide dasselbe Feld beackernd, kommen sich gegenseitig in die Quere und wollen sich schlussendlich an die Gurgel.

So weit, so gut, mit dem Duell der Legenden als Hauptattraktion strickt sich der dazugehörige Film quasi von selbst, muss nur Spektakel genug sein, um alle Erwartungen zu erfüllen. Vordergründig genügt das natürlich, aber wenn man den beiden Horrorboliden noch einmal genauer unter die Motorhaube schaut, entdeckt man eben doch einige kleine Unterschiede, die von einer gelungenen Zusammenführung bedacht sein wollen.
Zum einen sind da vordergründig die Protagonisten selbst, der eine Bonmots ablassend durch Traumwelten wandelnd, der andere stumm drauflos marschierend in der Realität mordend. Welche Gewichtung funktioniert da, kann man Jason einfach in Freddys surreale Welt einbinden?
Und da wäre zum anderen im Subtext die Schuldfrage. Während sich die „Freitag“-Serie immer des genregängigen Konzepts der sich durch Drogenkonsum und vorehelichen Geschlechtsverkehr bewusst gegen Regeln auflehnenden Jugendlichen bediente, die in diesem speziellen Fall durch ihr Verhalten letztlich den Tod eines Kindes verschuldeten, waren Cravens Teenager unschuldig, mussten hingegen für die Sünden der vorangegangenen Generation büßen. Ein immenser Unterschied. Hier die sich aus freien Stücken ins Visier des Mörders begebenden Heranwachsenden, dort die seit dem Moment ihrer Geburt mit den Sünden der Eltern belasteten und damit unfreien Teenager. Welchen Weg muss ein Freddy/Jason-Film also inhaltlich gehen, um die Motivation seiner Protagonisten nicht zu verraten? 

Ronny Yus Werk entscheidet sich für einen fein ausbalancierten Mittelweg und gewinnt damit auf ganzer Linie. Zunächst die typischen Party-Teenies vorstellend, die sich statt in Camp Crystal Lake allerdings schon in der Elm Street tummeln, führt es als Nächstes zwei Jungen in der geschlossenen Abteilung einer Nervenheilanstalt ein, die nach ihrem obligatorischen Ausbruch auf die düsteren, von den Erwachsenen unter Verschluss gehaltenen Geschehnisse in der Elm Street hinweisen. Geschehnisse, in die sogar der Vater der weiblichen Hauptfigur verwickelt scheint…
Zwischen diesen menschlichen Faktoren wüten nun die beiden Horrorlegenden, wobei der Film das Kunststück fertig bringt, die beklemmende Grundidee der „Nightmare“-Reihe, einen Killer, der einen bis ins Sicherste, die eigenen Träume, verfolgt, durch die Einbringung Jasons sogar noch zu steigern, da dieser als Freddys Laufbursche die Teenies nun auch im Wachzustand drangsaliert. Die perfekte Ergänzung beider Konzepte.

Auch darüber hinaus wird ausgesprochen pfleglich mit den etablierten Ideen umgegangen; So muss Freddy erst einmal zu Kräften gelangen, da er in Vergessenheit geraten ist, und mit einem wasserphobie-belasteten Jason bringt man uns endlich wieder Cunninghams Ursprungscharakter zurück, statt ihn wie in den diversen Fortsetzungen als munteren Schwimmer zu präsentieren. Leerlauf gibt es zu keiner Zeit, immer ist alles in Bewegung, dem unvermeidlichen Höhepunkt entgegenstrebend. Und was so gut begann, wird auch vernünftig zu Ende geführt: Das titelgebende Duell ist ein Vergnügen sondergleichen, ist Actionshowdown und Horrormetzelei zugleich, dürfte Fans beider Lager gefallen und löst sich auch dementsprechend clever auf.

Yus Verpflichtung gerät dem Projekt, wie auch schon zuvor bei „Chucky“, zum Vorteil, indem er die Trumpfkarte seiner Hongkong-Kino-Sozialisation ausspielt und die Comic-Variante eines typischen heroic bloodsheds abliefert. Wie er auch den gesamten Film im Griff hat; ökonomisch, mit einem Blick für den richtigen Effekt auf den Punkt inszeniert. Das lässt sich besonders schön in der Eröffnungsszene verfolgen, in der bei Jasons Mord an dem badenden Mädchen alles dermaßen überhöht und stilisiert wirkt, als wollte man uns hier die Blaupause eines gesamten Genres vorführen. Klasse. 

Nun denn:
Hohes Tempo, viel Witz und immer noch die jeweils entscheidenden Signatur-Elemente der Filmreihen berücksichtigt: Viel besser könnte ein solches Happening gar nicht geraten.

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