Das lange Warten um die Tauzieherei in Sachen brauchbares Script hat sich wahrhaftig gelohnt:
Freddy vs. Jason ist DER Horrorfilm Nummer 1 dieses Jahr.
Kaum zu fassen, was Ronny Yu aus der Thematik gemacht hat: Er liefert ein "Gipfeltreffen" der beiden Horror-Movie-Allstars, das sich selbst durchaus sehr ernst nimmt, in dem beide Kontrahenten sich gegenseitig und natürlich ihren Opfern gegenüber in gnadenlosester Härte präsentieren, dennoch bleibt Platz für eine guten Portion Fun (die natürlich zumeist von Freddy ausgeht ;-).
Willkommen in "A Nightmare on Friday the 13th".
Nach der Einleitungssequenz, in der die Zusammenhänge zwischen Freddy und Jason geklärt werden (Krüger erscheint Jason in Form von dessen Mutter und erklärt ihm, er müsse die Kinder in der Elm Street "bestrafen"), beginnt der Film recht konventionell, die üblichen, sich auf einer kleinen Party mit Alkohol und Sex vergnügenden Teens eben.
Aber spätestens nach Jason's erstem, effektvollen Kill weiss man genau, wo man gelandet ist - nein, das ist "Nicht noch ein Teenie-Horrorfilm", das ist blutiger Ernst, der auch goretechnisch genau so zelebriert wird (ohne dabei seine Partytauglichkeit zu verlieren, versteht sich ;-). Und auch Freddy gibt sich, immer stärker werdend durch die Tatsache, dass die Kids glauben, er wäre es, der die Morde verübt, wodurch man sich wieder nur zu gut an ihn entsinnt und die Angst vor ihm erneut wächst, zunehmend herrlich bedrohlich und fies.
Aber das ist eigentlich alles mehr oder weniger nebensächlich. Denn analysiert man anfangs noch das Geschehen und bekommt ein paar leise Bedenken z.B. in Richtung des etwas bemühten "Verhältnisses", das zwischen Freddy und Jason entsteht, so verschwinden eben solche Überlegungen von einer Sekunde auf die andere ab dem Zeitpunkt, wenn die beiden Alpträume amerikanischer Teenager aufeinandertreffen und aufeinander losgehen.
Denn dann ist Fun, Blood & Gore-Overkill angesagt. Man maltretiert sich, was die Krallenhand, die Machete und die Gegenstände in der Umgebung hergeben. Die Körperteile fliegen fröhlich, durchaus brutalst versucht der eine dem anderen das (eigentlich gar nicht reell vorhandene) Leben streitig zu machen. Was mit dabei zufällig im Weg stehenden Teenagern oder andere Personen geschieht, kann sich jeder denken ;-).
Hier zieht der Film einen komplett in den Bann: Der Regisseur hält unentwegt die Wagschale zwischen dem brutalen und durchaus monströsen und angsteinflössenden Auftreten der beiden Hauptprotagonisten und dem dennoch immer wieder fröhlich zelebrierten, zumeist sehr makaberen Humor & schlichten Fun.
Diese geniale Mischung ist es, der der Film seine unglaubliche Power und Unterhaltungskraft verdankt.
Alsbald bleibt kaum mehr Zeit zum Durchatmen, Freddy against Jason in seiner Traumwelt, Jason gegen Freddy am Crystal Lake, dazwischen die stetig schrumpfende Anzahl der Teens, letztere dabei zwischen beiden Fronten stehend und sich kaum noch mehr zu helfen wissend.
Für gewöhnlich vielleicht sonst noch störende Details wie z.B. die üblichen Logikfehler ( Freddy ermordete in Gestalt von Laurie's Vater ihre Mutter, wie konnte er in ihn "hineingelangen", wenn der keine Furcht vor Freddy hatte, wie sie ja aus bekannten Gründen kein Erwachsener in der Elm Street vor ihm hat / warum hat Jason plötzlich Angst vor Wasser, welches ihm in 10 Filmen zuvor nicht das Geringste ausgemacht hat) verkommen bei dem ganzen gebotenen Spektakel zur vollkommenen Bedeutungslosigkeit und interessieren - um in gut-altbügerlichem Deutsch zu sprechen ;-) - keine Sau mehr.
Das rauschende Splatter-Fest übernimmt komplett das Steuer und manövriert den begeisterten Zuschauer in ein Filmereignis, das seinesgleichen sucht.
Nebst bedrohlicher Atmosphäre und rabenschwarzem Humor bekommt man natürlich auch die elemtarste Zutat eines Horrorfilms geboten, und zwar REICHHALTIG: Gegen den Gewaltgehalt dieses Films wirkt ein "Jason X" etwa wie ein fröhlich-friedlicher Kindergeburtstag, und die vorhergegangenen Nightmare-Streifen kommen eh kaum an dieses Potential heran.
Wenn Freddy und Jason zum letzten Tanz am Crystal Lake bitten, dürfte das SFX-Team im Drei-Schicht-System Kunstblut hergestellt und nebenbei noch einige Körperteile modelliert haben. Wenngleich das Ganze auch sehr unterhaltsam und spassig anzuschauen ist, wirkt die Auseinandersetzung dennoch bitterernst, es wird um jeden Zentimeter bis aufs (reichaltig spritzende) Blut knallhart gefightet, und mit den verbleibenden "Resten" der beiden (vor allen Dingen mit denen von Freddy ;-) kennen dann auch die letzten, übriggebliebenen Teens keine Gnade mehr.
Wer diesen Film auf einer Kinoleinwand und in knalligem DTS-Sound erleben durfte, darf sich wahrhaft glücklich schätzen. Ob eine komplett ungeschnittene deutsche Tape-/DVD-Auswertung den beschwerlichen Gang über die FSK unbeschadet übersteht, darf zurecht ein wenig angezweifelt werden. Einfach mal das beste hoffen und das Schlimmste erwarten...
11 von 10 Punkten von mir für diesen K-R-A-C-H-E-R! ;-)