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Als vor 10 Jahren in Jason Vorhees vorübergehend letzten Auftritt „Jason Goes to Hell: The Final Friday“ in einer kurzen Schlussszene die Hand der Alptraumikone Freddy Krueger aus dem Boden schoss und die Eishockeymaske ergriff, hofften Horrorfans auf der ganzen Welt auf einen möglichen gemeinsamen Film der beiden Kultfiguren. Doch weder in Freddy Kruegers „New Nightmare“, noch in der selbstironischen Wiedergeburt Jasons in „Jason X“ nahm man sich dem Thema an. Die Hoffnungen auf einen gemeinsamen Film schwanden, da aber New Line Cinema von Paramount die Rechte an der schwächelnden „Friday, the 13th“ kauften und nebenher die Lizenzinhaber von „Nightmare on Elmstreet“ sind, schienen zumindest rechtliche Probleme beseitigt.

Lange war es ruhig um das Projekt und die verschiedensten Gerüchte kursierten durch die Szene. Erst 10 Jahre nach der denkwürdigen Szene traute man sich an den lukrativen Stoff und erschuf einen Horrorfilm, der Filmgeschichte schreiben dürfte. Mit dem nötigen zu zollenden Respekt und Fingerspitzengefühl, um keine der beiden Fankreise zu enttäuschen, entwickelt man ein Drehbuch, dass beide Figuren geschickt zusammenführt und miteinander agieren lässt. Mit Ronny Yu wurde der wohl bestmögliche Regisseur für dieses Projekt verpflichtet, hauchte er doch mit seinem rabenschwarzem Humor schon der Killerpuppe Chucky in „Chucky uns seine Braut“ neues Leben ein und machte die scheinbar totgelaufene Reihe wieder saloonfähig.

„Freddy vs. Jason“ führt beide Charaktere erklärend ein und liefert dabei schon fast eine Art Hommage an die alten „Fridays“ ab, in der Jason ein nacktes Busenwunder durch den Wald jagt und naturgemäß auch bestraft, wie es ihm seine Mutter befiehlt. Doch hinter dieser steckt der verwandelte Freddy, der Jason suggerieren möchte, dass die Kinder in der „Elm Street“ böse sind und er sie bestrafen muss. Das Monster, dass seine Kraft aus den Alpträumen der Kinder bezieht, hat das Problem in Vergessenheit geraten zu sein. Nach all’ den Jahren erinnert sich kein Kind mehr an ihn, geschweige träumt von ihm. Die, die sich noch an ihn erinnern können, werden durch Drogen in einer geschlossenen Anstalt vom Träumen abgehalten. Der nun aus seinem Grab steigende Jason soll ihnen diese Angst vermitteln, um Krueger zu alter Stärke zu verhelfen.

Angekommen in der Elm Street findet er auf einer kleinen Party (Sex & Drugs) Opfer, fackelt auch nicht lange und beginnt sein blutiges Handwerk, dessen Inszenierung Comiccharakter besitzt, denn der ewige Crystal Lake Bewohner geht nicht gerade zimperlich zur Sache, Blut fließt literweise und seine unorthodoxen Methoden seinen Opfern den Rest zu geben ist eine gute Portion Situationskomik beigemischt worden. Yu schuf eine grandiose Symbiose aus Horror und Humor, die Schockszenen zu bieten hat, aber auch zum Lachen oder Grinsen anregen kann und Fans sicher erfreut. Erfreulich altmodisch, erschreckend wie modern und temporeich.

Freddy hat indes weit weniger Spaß am gradlinigen Schlächter, bevorzugt er doch auf perverse Art mit seinen Opfern zu spielen, bevor er ihnen den Rest gibt. Hinzu kommt die Tatsache das die Opfer keine großartige Angst bekommen, da sie schnurstracks hingerichtet werden. Ungeduldig testet Freddy seine langsam wachsenden Kräfte in den ersten Alpträumen, muss aber schnell feststellen, dass sie noch lange nicht ausreichen, um töten zu können. In Folge dessen wird den phantasievollen Spielchen Freddys hier viel weniger Platz gegeben und stattdessen Jason das Spielfeld überlassen. Krueger-Fans könnte das enttäuschen, denn die Angst vor dem Träumen und Schlafen wird hier nur in Ansätzen berücksichtigt.

Da der Film größtenteils ein „Nightmare on Elm Street“ ist, bei dem Freddy Jason für seine Zwecke manipuliert, werden den Opfern mehr Platz und Entfaltung, als deren Pendants in „Friday, the 13th“ eingeräumt. Hier leider etwas zu viel, denn durch die Vorstellung aller Charaktere und dem Ausbruch zweier Jugendlicher aus der geschlossenen Anstalt wird dem Film sein Tempo genommen und die beiden Titelhelden verschwinden, ausgenommen kurzer Auftritte in zwei Alpträumen, etwas zu lange von der Bildfläche, um dann aber mit Bravour auf einer Kornfeldparty (Drugs, Sex and Alcohol) zurückzukehren. Während Jason hier wie ein Mähdrescher durch die Jugendlichen mäht und das Blut literweise aus den Körpern spritzt, begnügt sich Freddy mit einem einzelnen Opfer, dessen ihn der übereifrige Killer in der realen Welt aber beraubt, was Krueger reichlich sauer macht und ihm zu dem Entschluss bringt, das dessen Hilfe nicht mehr länger von Nöten ist.

Leider verläuft der ein oder andere Subplot im Sand, denn die Polizei glaubt zu wissen, wer wieder aktiv ist und wie man ihm Einhalt gebietet, wird aber für den Rest des Films keine weitere Rolle spielen. Auch die Figur des undurchschaubaren Vaters hätte man sich schenken können.
Die Idee der Opfergruppe sich die Droge zu beschaffen, um zumindest vor dem offenbar gefährlicherem Killer in Sicherheit zu sein, ist zwar geschickt, doch unterläuft dem Film in der Klinik ein Logikholpler, um dem ersten Zusammentreffen Freddys und Jasons in der Traumwelt auf die Sprünge zu helfen. Dabei wird auch Jasons schicksalhaftes Ertrinken im See als kleines Kind gezeigt. Warum nun Jason aber auf einmal Angst vor einem bisschen fließend Wasser bekommt, obwohl er doch schon so oft aus dem Crystal Lake gewatet kam, bleibt mir unerklärlich.

Im weiteren Verlauf kommt es in beiden Welten zum Zusammentreffen beider Figuren, das vor Brutalität, Blut, Humor und Einfallsreichtum übersprudelt und am Crystal Lake sein Finale hat. Teenager die im Weg stehen, werden kurzerhand wie ein lästiges Insekt aus dem Weg geräumt. Beide Charaktere haben ihre Stärken und Schwächen, die der Gegner auszunutzen versucht. Glänzend hierbei Robert Englund, der nicht nur im Finale, sondern im gesamten Film, für zitatreife Sprüche sorgt, den Filmverlauf lenkt und in einer bis dato nie gezeigten Performance Jason zu Leibe rückt, der aber die schlussendlich die handfesteren Argumente besitzt (Oder auch nicht …) Begleitet von knüppelnder Rockmusik schenken die beiden sich nichts, wobei in der Inszenierung das Gleichgewicht zwischen Horror und Fun weiterhin ausbalanciert bleibt. Spätestens hier sollte den eingefleischten Kane Hodder Fans klar sein, dass Ken Kirzinger durchaus eine gelungene Wahl war, da der etwas behäbigere Hodder keinen so agilen und schnellen Jason hätte abgeben können.

Vom Look und den Locations wird viel Abwechslung geboten, die einen besonders anfangs in Nostalgie verfallen lässt. Ob nebelverhangene, düstere Wälder am Crystal Lake, die vermeintlich idyllische Elm Street, oder der erste Alptraum inklusive Kinder, welche das „Freddylied“ singen: man darf in alten und lieb gewonnen Bildern schwelgen. Hinzu kommen kleinere Anspielungen Ronny Yus, der zum Beispiel in einem Fernseher einen alten „Friday, the 13th“-Streifen laufen lässt und auch vor „Halloween“ (so schien es mir zumindest) nicht zurückstreckt.

Fazit:
Ronny Yu gelang eine erstklassige Zusammenführung der beiden Horrorkultfiguren, die beide Fraktionen zufrieden stellen dürfte. Einen so gewalttätigen, blutigen und brutalen Horrorfilm wurde dem Zuschauer schon lange nicht mehr geboten. Dank wohl dosierter Situationskomik und Selbstironie, sowie der tollen Performance Robert Englunds macht der Film Spaß, ohne sich selbst lächerlich oder albern aussehen zu lassen. Nicht mal der insgesamt geringe Bodycount (abgesehen von Jasons Partyauftritt im Kornfeld) erweist sich als störend. Trotz eines kleinen Durchhängers während der zu ausführlichen Exposition der Opferclique, sowie ein paar kurzer, in eine Sackgasse laufender Subplots ist dieses Werk ein Filmerlebnis, wie man es nur einmal im Leben geboten bekommt. Trotzdem bleibt zu hoffen, dass dieses Zusammentreffen ein Unikat bleibt und nicht zu einer weiteren Slasherserie ausgeschlachtet wird. Wäre schade um diesen Film. Let the bodies hit the floor, McClane!

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