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New Line Cinema setzt mit "Freddy vs. Jason" eine Tradition, die fest im Horrorgenre verwurzelt ist, fort: Den Crossover-Film. Zwei Charaktere aus zwei verschiedenen Filmwelten treffen in ein und demselben Film aufeinander und hauen sich bös die Köppe ein. Wie man's macht haben bereits Al Adamsons "Draculas Bluthochzeit mit Frankenstein", Charles Bartons "Abbott und Costello treffen Frankenstein", Kimiyoshi Yasudas "Zatoichi meets the One Armed Swordman" und Ishirô Hondas "King Kong vs. Godzilla" gezeigt. Welche Filmfiguren in "Freddy vs. Jason" nicht gut aufeinander zu sprechen sind, dürfte jedem schon beim Titel klar sein: Zwar sind die jeweiligen Filmreihen von Freddy Krueger und Jason Voorhees unter anderem Namen gestartet, nämlich "A Nightmare on Elm Street" und "Freitag der 13.", jedoch sind gerade ihre Vornamen im Fandom unwiderruflich mit den Filmen verknüpft, weniger der komplette, ausgeschriebene Titel. Da in der Videothek später eh nach dem "neuesten Freddy-Streifen" gefragt wird, haben es die Produzenten den Videothekaren diesmal gleich leichter gemacht. "A Nightmare on Friday the 13th" heißt schlicht "Freddy vs. Jason".

Das Vorhaben, den Machtkampf der so unterschiedlichen Franchise-Serien auf die Leinwand zu projizieren, war schon Ende der Achtziger angedacht, wurde aber durch Lizenzprobleme immer wieder vereitelt. Nun, nachdem New Line die Rechte für die "Jason"-Filmreihe von Paramount bekommen hat, steht dem Duell der Giganten nichts mehr im Wege. Doch warum einfach, wenn's auch schwer geht? Unzählige Drafts und Skriptvarianten geisterten über die Schreibtische der Verantwortliche. Da diese frühen Entwürfe im Internet schnell verbreitet wurden, wuchs auch die Erwartungshaltung der Fans. 2003 war es dann schließlich soweit. Ronny Yu, der bereits mit "Chucky und seine Braut" eine Horrorserie aus der Mottenkiste holte, sollte die beiden Horrortitanen in ihrem Kampf führen.

Nun, das erste Problem liegt wohl darin, dass beide Serien bereits seit den Achtzigern existieren, und auf zusammengenommen 18 Filme zurückblicken können. In den 13 Jahren, in denen wir es mit Jason und Freddy schon ausgehalten haben, sind viele Traditionen entstanden, aber auch viele Fehler begangen worden. Und in dem vorliegenden Teil versucht Ronny Yu einen Drahtseilakt: Beiden Figuren genug Raum für ihre eigenen, individuellen Stil zu geben, und dabei die bisherigen Filme schön berücksichtigen. Diese Formel geht in den ersten Minuten auch durchaus auf. Robert Englund als Freddy Krueger spricht den Prolog, der seine Figur für alle jene, die in den Achtzigern zu jung für die "Nightmare"-Filme waren, noch einmal erklärt. Dazwischen sehen wir Ausschnitte der delikatesten Morde aus der Filmreihe. Doch sobald Ronny Yu Jason gegen Filmmitte eine neue Schwäche andichtet, nämlich einer panischen Angst vor dem Element H2O, wird's unangenehm. Haben wir Jason doch eher als vergnügten Planschemann in Erinnerung, der gerne mal mit der Machete bewaffnet aus dem Crystal Lake, ganz in der Nähe seines Jagdreviers, auftauchte und seiner Mordroutine nachkam. Nun soll Jason plötzlich ein Schwimmflügelträger sein? Nicht mit uns, Mister Yu.

Ebenfalls muss man dem Film zugestehen, nicht ganz unbeeinflusst von den modischen Entwicklungen der letzten Jahre zu sein. Zwar gibt Yu vor, mit "Freddy vs. Jason" einen straightforward Horrorfilm gedreht zu haben, ganz im traditionellen Sinne beider Reihen, allerdings sieht man "Freddy vs. Jason" besonders in der ersten Hälfte all jene Unaussprechlichkeiten, die uns die Teenie-Slasher-Reihe á la "Scream" und die MTV-Generation für sich zu entdecken. Besonders in den Szenen der Opferclique wird deutlich, wie fad der Film doch eigentlich ist. Waren früher jene Filme wenigstens noch debil-lustig, so sind die "Sex, Drugs & Rock 'N' Roll"-Szenen mit den tief dekolletierten Teenagern heute nur noch dümmlich.

Aber schließlich gibt es ja Erlösung in Form der beiden Titelhelden. Müsste man deren Auftreten in diesem Teil mit einem der direkten Vorgängerfilm vergleichen, so ähnelt "Freddy vs. Jason" am ehesten "Freddys New Nightmare", in dem eine selbstreflektive Idee ähnlich humorlos und geradlinig wie hier ausgefaltet wird. Von einer selbstironischen Farce á la "Jason X" fehlt hier jede Spur. Man sollte ebenfalls bemerken, dass dies eher ein "Nightmare on Elm Street"-Film ist, so erzählt er doch eher die Geschichte Freddy Kruegers, der aufgrund dessen, dass seine Legende in Vergessenheit geraten ist, jegliche übermenschliche Kraft verloren hat. Erst, wenn die heutige Jugend wieder Glauben an den Freddy-Spuk gewinnt, und Angst vor ihm hat, wird Freddy die Macht zuteil, sich wie früher in deren Träumen offensiv herumzutrollen. Dafür manipuliert er die Träume von Säbelstampfer Jason, der für genug Schrecken sorgen soll, bis Freddy wieder auf dem Dampfer ist. Wir sehen: Protagonist ist Freddy, Jason ist bestenfalls seine Marionette. Eher ein Gaststar im achten Freddy-Film.

Gegen Ende bemerken die beiden Partner in Crime, dass ihre konträren Auffassungen von einem Mord zu Spannungen führen: So hat Freddy mehr die sadistische, Schweiß-treibende Tour drauf: Er lässt seine Opfer gerne durch fürchterliche Alptraume waten, bis er schließlich seinen Klingenhandschuh zum Tranchieren jugendlichen Fleischs benutzt. Jason dagegen macht sich kaum 'nen Kopf um Wirkung und Angst seines Auftretens. Traut sich einmal jemand - egal wer - vor seine Eishockeymaske, so wird derjenige schnurstracks zerteilt, geköpft, was auch immer. Als Freddy nach zirka einer Stunde Laufzeit beschließt, dass das Arbeiten mit seinem Kumpanen mittlerweile unmöglich geworden ist, bricht das titelgebende Duell an sich los. In einem farblich verfremdeten Labor bis hin zum Showdown am geliebten Crystal Lake entfacht Ronny Yu ein Schlachtfest, völlig konzentriert auf die beiden Opponnenten, dass in seiner Schnelligkeit und aberwitzigen Brutalität eher einem Videospiel gleicht, als einem ernsthaften Horrorfilm.

"Freddy vs. Jason" funktioniert nicht als spannender Horrorfilm. Die Morde sind zwar ultra-blutig und lassen nichts unserer Gedankenwelt übrig, jedoch interessiert uns das Schicksal der fliehenden Kiddies kaum. Der Zuschauer möchte die beiden Filmlegenden gegeneinander fighten sehen. Man hat weniger den Anspruch, einen Film zu sehen, sondern eher ein Wrestlingmatch. Jedoch selbst das wird uns leider ein wenig vermiest. Ronny Yu inszeniert "David gegen Goliath Teil 2" und zeigt einen oft unbeholfenen, mit weniger Screentime als Freddy ausgestatteten Jason. Das Finale mag dann sicherlich noch ein wenig Spaß machen, aber hätte man die ganze Chose ironisch aufgebrochen, so hätte der geneigte Kinogänger deutlich mehr Spaß an dem Gezeigten.

"Freddy vs. Jason" ist viel verschenktes Potenzial. Nicht wirklich schlecht, aber nicht jenes kleines Genremeisterwerk, was er hätte werden können. Ronny Yu nimmt die Story vielleicht einen Tick zu ernst. Dafür inszeniert er gewalttätige Morde, so, wie wir sie seit den wilden Achtzigern nicht mehr gesehen haben. Nostalgisch ernst und ohne Schnörkel. Wer aber mehr erwartet, oder gar die Qualität und den Witz einiger früherer, dummerweise veröffentlichter Skriptversionen sucht, der wird enttäuscht werden. Für das nächste Mal werden die beiden Horrorfilmgiganten wieder getrennte Wege gehen, und das Crossover-Genre hochwahrscheinlich zwei anderen Franchise-Serien überlassen. Und dann können wir unsere Erwartungen auch wieder trennen: Freddy = spannender Horror, Jason = dümmliches Slasherentertainment. Und kein verquaster Mix aus beidem.

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