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Besser spät, als nie. Nachdem Freddy Jasons Hockeymaske in „Jason goes to hell“ in die Hölle hinab gezogen hatte, hoffte die gesamte Horrorgemeinde, dass es zu einem Duell der Slashertitanen kommen würde. Jedoch wurde es erst einmal eine Zeit lang ruhig um das Projekt und nach „Jason X“ rechnete niemand mehr ernsthaft mit einem Film, der beide Figuren zusammenführt. Nun ist es bekanntermaßen doch passiert. Doch bevor wir zur Bewertung kommen, eine kleine Zusammenfassung des Inhalts:

Freddy Krueger hat ein Problem. Niemand in Springwood glaubt mehr an ihn, er ist nahezu in Vergessenheit geraten. So ist es auch nicht verwunderlich, dass keiner mehr von ihm träumt. Damit die Leute wieder Angst vor ihm bekommen, reanimiert er Jason Vorhees, der nun in seinem Auftrag Angst und Schrecken verbreiten soll. Doch Jason ist bekanntermaßen absolut nicht zu kontrollieren und meuchelt ungebremst, wodurch für Freddy kaum noch potentielle Opfer übrig bleiben. Diesem bleibt demnach keine andere Möglichkeit mehr, als Jason aus dem Verkehr zu ziehen. Es kommt zu einem Kampf der Giganten...

Soweit zur Handlung. Wenn mich jetzt jemand fragen würde, wie „Freddy vs. Jason“ war, wäre „schade“ die passendste Kritik. Ohne Zweifel macht der Film enorm viel Spaß und wird zu keiner Sekunde langweilig. Ebenso ist es schön, zwei der größten Horrorikonen der 80’er Jahre noch einmal auf der Leinwand zu erleben. Das Problem ist jedoch, dass „Freddy vs. Jason“ nicht wie aus einem Guss wirkt. Vielmehr hat man zuweilen das Gefühl, nur Fragmente einer Geschichte zu sehen und keinen kompletten Film. Dies liegt weniger daran, dass die Rahmenhandlung schlecht wäre, denn das ist sie für einen solchen Film keinesfalls. Aber die Art und Weise, in der diese erzählt wird, ist teilweise extrem seltsam. Man hat die ganze Zeit über das Gefühl, dass „Freddy vs. Jason“ in Punkto Handlung schon im Vorfeld zu viele Federn lassen musste. Anders ist es nicht zu erklären, dass es keinen logisch nachvollziehbaren Spannungsbogen gibt. Nicht, dass ich eine tolle Geschichte erwartet hätte. Ich mag die anderen „Freitag der 13.“ – Filme, obwohl diese nun wirklich nicht durch ausgefeilte Stories glänzen konnten. Aber sie wirkten immer vollständig. Dies ist bei „Freddy vs. Jason“ leider absolut nicht der Fall. Nach einer viel zu kurzen Einleitung wird der Zuschauer direkt ins Geschehen hineinkatapultiert. Was dann folgt, ist zuweilen ein Hickhack an Filmschnipseln, die zusammengenommen aber irgendwie unvollständig wirken. Die Personen werden gar nicht erst großartig eingeführt und einen Helden, mit dem sich der Zuschauer identifizieren kann, gibt es nicht. Auch, wenn die Jugendlichen in den meisten Teenie – Slashern völlig austauschbar sind, geht „Freddy vs. Jason“ noch ein Stück weiter, indem er niemanden näher beleuchtet. Ohne Zweifel kann man diesen Punkt auch als positiv ansehen, da das Klischee des Dummen Opfers auf die Spitze getrieben wird. Aber irgendwie wirkt es störend, gar keine Identifikationsfigur zu haben. Die ganzen Jugendlichen fallen eigentlich nur durch extreme Trunkenheit oder durch übertrieben große Oberweite auf, was teilweise auch lustig ist, jedoch nicht reicht, um irgendjemanden sympathisch zu finden. Die Stars sind Freddy und Jason und die Spannung entsteht eigentlich nur daraus, auf welche Art einer der beiden die nächsten Leute umbringt. Wenn man es genau bedenkt, ist dieser Punkt sehr bedenklich, stilisiert er doch zwei Massenmörder zu Helden und stellt das Töten von Menschen als lustig dar. Allerdings ist dies bei vielen Splatterfilmen der Fall und da sich „Freddy vs. Jason“ selbst nicht ganz ernst nimmt, kann man hier auch nicht wirklich Kritik üben.
Erst gegen Ende kommt der Film so in Fahrt, wie man es sich als Zuschauer und Fan die ganze Zeit über gewünscht hätte. Vor allen Dingen das Finale ist derartig überdreht und gut gemacht, dass man mit einem guten Gefühl den Kinosaal verlässt. Somit entschädigt es für alle Handlungslöcher des Anfangs.
Toll sind ebenfalls die vielen Anspielungen auf die früheren „Freitage“ und „Nightmare“ – Filme, woran man erkennt, dass Ronny Yu ein Kenner beider Filmreihen ist. Auch die Idee, bei der Musik die beiden Themen miteinander zu kombinieren, hat sich als absoluter Volltreffer erwiesen. Zudem sind die Einspielungen der New Metal – Stücke sehr gelungen. Der Soundtrack passt in jeder Szene perfekt zu den Bildern.

Absolut überraschend ist der Blutgehalt des Filmes. Zwar war zu erwarten, dass der rote Saft Literweise über die Leinwand fließen würde, aber mit einem derartigen Schlachtfest hätte wohl niemand gerechnet. Besonders die Duelle zwischen beiden Killern dürfte den Make – Up – Spezialisten manche schlaflose Nacht bereitet haben. Schön auch, dass die Effekte größtenteils per Hand gemacht wurden und nicht am Computer entstanden sind. Somit sehen sie auf der einen Seite ein Stück besser aus, verweisen auf der anderen Seite aber auch auf die Traditionen der 80’er Jahre. Dass dieser Film die FSK – Prüfung unbeschadet überstanden hat, grenzt allerdings an ein kleines Wunder, hält man sich die Entscheidungen der Zensurbehörde bei vorangegangenen Werken vor Augen.

Über die schauspielerischen Leistungen hüllt man am besten das Deckmäntelchen des Schweigens. Niemand, aber auch wirklich niemand bleibt einem nachträglich im Gedächtnis. Wenn man gemein wäre, könnte man sagen, dass die weiblichen Darstellerinnen aufgrund ihrer Oberweite gecastet wurden. Auch Kelly Rowland, die viele als Sängerin von „Destiny’s Child“ kennen dürften, liefert eine eher schlechte Performance ab.
Ebenso kann keiner der männlichen Hauptdarsteller überzeugen, selbst Robert Englund wirkt besonders zu Beginn deplaziert. Dies liegt aber auch an der Synchronisation, die stellenweise wirklich unerträglich ist.

Nichtsdestotrotz ist „Freddy vs. Jason“ ein wirklich unterhaltsamer Film geworden, der viel Spaß macht, wenn man über die oben genannten Kritikpunkte hinwegsieht. Vielleicht gibt ja eine spätere DVD – Veröffentlichung Aufklärung über die zahlreichen Löcher in der Rahmenhandlung. Splatterfreaks, ebenso wie Fans der beiden Hauptprotagonisten werden auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen, auch wenn locker mehr drin gewesen wäre.
7/10 Punkte

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