Achtung, SPOILER!
In den 80er Jahren waren es DIE beiden Horror-Kultreihen: „Nightmare On Elm Street“ mit dem hinterlistigen Kindermörder Freddy Krueger und „Freitag der 13.“ mit dem grobschlächtigen Massenmörder Jason Voorhees.
Die „Nightmare“-Filme spielten auf bewusste und unbewusste Pubertätsängste an, die in Albträumen verarbeitet wurden. Freddy Krueger war ein fantasievoller, verspielter Charakter, dem es schlicht Spaß machte, Jugendliche mit deren eigenen Ängsten zu konfrontieren und auf diese Weise zu existieren. Die Filme wurden von Mal zu Mal Comic-hafter, mit einfallsreichen Effekten und schwarzhumorigen Sprüchen von Freddy garniert.
Die „Freitag“-Filme waren reine Slasher-Filme, die sich immer weiter von ihrer Grundhandlung entfernten: Jason als vermeintlich ertrunkener Sohn einer Mutter, die sich am Aufsichtspersonal eines Feriencamps blutig rächte, und Jahre später Jason, der seinen Hass und seine Rachegelüste auf brutalste Weise an Feriencamp-Besuchern ausließ. Jason war ein unaufhaltsamer, unzerstörbarer Schrecken, ein Angst einflößender Brocken, der sich als Erkennungsmerkmal eine Eishockeymaske zulegte.
Beide Filmreihen liefen sich irgendwann zu Tode, sodass beide mit einem Finale Anfang der 90er beerdigt wurden. Im finalen „Nightmare“ wurde Freddy angeblich endgültig in den Orkus geschickt, am finalen „Freitag“ folgte ihm Jason. Und wie. Der Schlussgag von „Freitag“ Teil 9 ließ Fans wissen, dass sich da in der Hölle zwei gefunden hatten...
Beide Reihen wurden noch einmal kurz wiedererweckt, mit Varianten ihrer immergleichen Handlung. Freddy durfte im siebten Teil versuchen, aus den Filmen in die Realität zu gelangen – ein foreshadowing von Wes Craven auf „Scream“, in dem ebenfalls Filme im Film eine wesentliche Rolle spielen. Und Jason wurde ins Weltall verschickt, was Horrorreihen kaum jemals zugute kam – siehe die jeweiligen vierten Teile von „Hellraiser“, „Leprechaun“ oder „Critters“. Dafür gab’s aber einen Super-Jason mit stahlgewordener Maske.
Nach dem Finale der beiden legendären Filmreihen kam ansonsten lange Zeit erst mal gar nichts. „Scream“ stieß dann eine neue Welle von Teenhorrorfilmen an, die zwar sehr bemüht waren, Ironie und Filmzitate unterzubringen, aber meist selbst im Klischee versackten.
Es musste etwas geschehen. Die ersten Gerüchte kamen, dann die konkrete Planung. Lange wurde an der Wiederauferstehung gebastelt und lange mussten die Fans warten. Und schließlich war es perfekt: Das Aufeinandertreffen der beiden größten Schlitzer des Horroruniversums. Sorry, Mr. Myers.
Wie in legendären Comic-Treffen von Marvel- und DC-Helden treten Freddy und Jason gegeneinander an. Die Grundstruktur des Films ist „Nightmare“-mäßig: am Anfang Freddy, am Ende Freddy. Das muss so sein, um eine (Horror-)logische Handlung aufzubauen, und ist gut so, denn das „Nightmare“-Universum bietet durch die zwei Ebenen Traum und „Wirklichkeit“ einfach mehr Möglichkeiten und Abwechslung. So gibt es am Anfang Rückblenden auf legendäre Schandtaten Freddys und die Erklärung für seinen perfiden Plan, Jason für seine Zwecke einzuspannen. Tolle Idee dabei, Jasons Mutter-Fixierung einzubringen.
Der Film dann schaltet gekonnt zwischen „Nightmare“- und „Freitag“-typischen Szenen hin und her. So gibt es endlich wieder Albtraum-Szenen, in denen Freddy böse Sprüche drücken und mit seinem scharfen Handschuh spielen darf, und Slasher-Szenen mit Jason vom feinsten. Die Szene, in der der brennende Jason die Party (zu seiner Begrüßung kleiner Hinweis auf „Halloween“!) im Maisfeld sprengt (kleiner Gag zu den „Children Of The Corn“?), gehört zu den eindrucksvollsten „Freitag“-Szenen überhaupt. Und auch wenn hier wieder einmal ein anderer Schauspieler Jason spielt – die schlichte grausame Präsenz Jasons, die die (meisten) „Freitag“-Filme ausmacht, wird von Ken Kirzinger sehr gut rübergebracht. Gelobt werden soll natürlich auch Robert Englund, dem man durch seine Spielfreude einen anderen Charakter außer Freddy gar nicht mehr abnehmen will.
Im Laufe des Films kommen sich Jason und Freddy bei ihrem Wettlauf um den höchsten Bodycount immer mehr in die Quere. Geschickt wird hier flott zwischen den beiden Ebenen hin- und hergeswitcht. Überhaupt hat der Film ein erfreuliches Tempo drauf. Es wird nicht lange gefackelt und erst mal stundenlang versucht, oberflächliche Charaktere aufzubauen, die einen ja doch kaum interessieren. Auch sind die Film-Teens erfrischend clever. In wie vielen Horror-Filmen musste erst mal stundenlang debattiert werden, um den Mörder und das richtige Mittel gegen ihn herauszufinden, ohne dass irgend etwas geschah? Und hier geschieht einiges. Überraschend hart, konsequent und kompromisslos wird geslasht, gemordet und gewütet. Darauf musste man auch lange warten nach Jahren der Pseudo-Schocker a la „Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast“.
Das Finale bringt schließlich den heiß ersehnten Kampf zwischen den beiden Horror-Heroen. Auch hier wieder: Erst wird in Freddys Welt gekämpft mit ihm im Vorteil, dann in Jasons Welt mit Freddy im Nachteil. Und dann ergreift, wie so oft in den „Nightmare“-Filmen, ein Mädel die Initiative, um endlich wieder geordnete Verhältnisse herzustellen. Zwischendurch gibt es sogar eine recht traurige Szene über das Außenseiter-Kind Jason im Ferienlager.
„Freddy vs. Jason“ ist ein Fest für Fans der beiden Reihen, die sich jahrelang mit alten Konserven begnügen mussten. Der Horror-interessierte Nachwuchs möge sich zur Einstimmung einige der Freddy- und Jason-Klassiker antun, denn dann kommt die richtige Laune auf für diesen über die Maße gelungenen Horrorfilm der Spitzenklasse: 9 von 10 Punkten!