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Freddy Krüger und Jason Voorhees sind die Slasher Ikonen der 80er Jahre schlechthin und prägten ein komplettes Jahrzehnt mit ihren zahlreichen blutigen Abenteuern, dass bei diesem Erfolg auch Stimmen für einen gemeinsamen Auftritt laut wurden, versteht sich irgendwie auch von selbst. 1987 scheiterte ein damals schon geplantes Crossover an unterschiedlichen Storyvorstellungen seitens Paramount / New Line Cinema und 1993 wurde eine mögliche Zusammenkunft am Ende von Jason goes to hell durch Freddys beherztes Greifen nach Jasons Maske mehr oder weniger angeteasert. Nach dem verheißungsvollen Appetizer sollte es aber noch knapp 10 Jahre dauern, bis die feuchten Träume der Friday und Nightmare Anhänger 2003 im Spin-Off  Freddy vs. Jason wahrhaftige Wirklichkeit wurden. A Nightmare on Friday the 13th, so ein treffender Alternativtitel, ist mit einem Budget von knapp 30 Millionen Dollar der teuerste Vertreter beider Reihen, konnte aber weltweit auch den meisten Kinoumsatz von knapp 115 Millionen Doller erzielen.

Gerüchten zu Folge lagen den Produzenten sage und schreibe 17 verschiedene Drehbuchvorschläge mit diversen Plotschwerpunkten vor, ehe Damian Shannon & Mark Swift mit ihrer Interpretation die letzten Endes verfilmte Geschichte liefern konnten. Traumschlitzer Freddy Krüger (Robert Englund) hat ein gewaltiges Problem. Die Jugend von Springwood glaubt nicht mehr an ihn und ohne die allgegenwärtige Angst vor seinen grausamen Taten kann er in der Traumwelt nicht mehr morden. Um seinen eingeschlafenen Mythos wieder zu befeuern, weckt er den todschlummernden Serienkiller Jason Voorhees (Ken Kirzinger) und setzt ihn auf seine Elm Street an. Der Plan funktioniert, Jasons erste Opfer werden in der Öffentlichkeit schnell Freddy zugeschrieben und durch die falsche Mundpropaganda kann Freddy schon bald wieder schlitzen. Doch der Mann mit der Eishockeymaske lässt das Töten nicht und macht selbst vor Krügers nächsten Opfern nicht halt, was Freddy natürlich gar nicht schmeckt, wenn ihm sein Frischfleisch vor der Nase weggeschnappt wird. Getreu der Regeln beider Franchises stellen sich eine Horde tapferer Jugendlicher den wütenden Monstern entgegen und In einem nervenaufreibenden Showdown kommt es schlussendlich zum Todeskampf der Horrorgiganten...

Die Mammutaufgabe, die Handlungsstränge von zwei individuellen Horrorlegenden plausibel zu kreuzen und dabei den Erwartungen beider Fanlager gerecht zu werden, versucht Freddy vs. Jason mit dem viel versprechenden Kniff zu lösen, die Alphatiere durch eine fingierte Bittsituation und variabel gestaltete, sich verändernde Motive zu verbinden. Die bei Mr. Voorhees erschlichene Hilfe hält Freddy am Leben, kann aber gleichzeitig auch wegen Jasons absoluter Unkontrollierbarkeit seinen Ruin bedeuten. Dieser Zwiespalt befeuert zwar das dramatisch gestaltete Finale mit einem zugespitzten Konflikt, sorgt aber gleichzeitig auch für ein spürbares Ungleichgewicht in der Aufteilung der Filmmorde, bei welcher mir Freddy ein bisschen zu kurz kommt. Ich hätte Krüger ein paar erfolgreiche, phantasievolle Traum-Kills mehr gewünscht. So ist der gewalttechnische Fokus eher auf Jason gerichtet und dieser darf sich nach Herzenslust blutrünstig austoben, exemplarisch hierfür sei auch das ausgiebige Maisfeld Massaker genannt. Der Härtegrad ist für "Mainstream-Horror" Verhältnisse als durchaus beachtlich zu bezeichnen. Die Tötungssequenzen sind von Regisseur Ronny Yu effektvoll und abwechslungsreich in Szene gesetzt, wobei der ganz große Grusel durch den übertriebenen Comicstyle leider etwas verloren geht, was aber vom dafür höheren Unterhaltungswert fast schon wieder vollständig ausgeglichen wird.

Gelungenen Fanservice fabriziert Freddy vs. Jason mit authentisch nachgestellten Originalschauplätzen, wenn beispielsweise die psychiatrische Anstalt "Westin Hills" für geschickt platzierte Nightmare Flashbacks sorgt, Freddys kultiger, furchteinflößender Elm Street Heizungskeller wieder Verwendung findet oder das typische Crystal Lake Jugendcamp Szenario der Freitagsserie als erinnerungsweckende Kulisse dient. Außerdem darf sich die Anhängerschaft über viele kleine Anspielungen und Zitate freuen, welche bei Kennern bestimmt ein hohes Maß an nostalgischem Wohlbefinden erzeugen können. Das unbestrittene Highlight von Freddy vs. Jason ist meiner Meinung nach jedoch der fulminant inszenierte finale Schlagabtausch der beiden Kontrahenten, welcher mit einer mitreißenden, spektakulären, tempo- und actionreichen  Choreographie punktet und bei dem auch die  Maskentechnik sowie die Special Effekts optisch überzeugen können. Überhaupt ist die Darbietung der beiden Hauptprotagonisten gar nicht oft genug zu loben. Robert Englund liefert mit seiner mehr als beeindruckenden Abschiedsvorstellung den vielleicht bösesten Freddy, den es jemals gab und Ken Kirzinger verfügt über die nötige körperliche Präsenz, um Jasons übernatürliche Kräfte und seine Gnadenlosigkeit angemessen zu verkörpern.

Wer Angst hat, auf die obligatorischen Teenie-Slasher Klischeefiguren verzichten zu müssen, kann aufatmen, auch Freddy vs. Jason bietet wieder unzählige, Stereotypen entsprechende Genre-Knallchargen. Die verblendete, an die große Liebe glaubende Lori Campbell (Monica Ceena), den schicksalsgeplagten Helden Will Rollins (Jason Ritter),  die mobbende, an sich selbst zweifelnde, pseudo-coole Kia Waterson (Kelly Rolland), das intelligente Verarschungsobjekt mit Panzerglasbrille Charlie Linderman (Chris Marquette), die sexsüchtige Gibb (Katharine Isabelle) und der übereifrige Polizist Scott Scubbs (Lochlyn Munro) darf natürlich auch nicht fehlen. Habe ich jemand vergessen? Und selbst wenn, ist es nicht weiter schlimm, denn sie alle haben eins gemeinsam: Sie sind belangloses, austauschbares Beiwerk hinter dem großen Schatten von Freddy & Jason. Die gelieferten Subplots von den Nebenfiguren konnten mich bestenfalls nur bedingt abholen, was ein Mitfiebern mit ihren Schicksalen nicht immer einfach macht, wobei dieses Problem auch auf viele andere Sequels aus dem Freitag-Universum zutrifft und in Relation mit den überzeugenden Slasher-Inhalten absolut verschmerzbar ist. Trotzdem denke ich vielleicht auch mit einem kleines bisschen Wehmut an die unvergleichliche Darbietung von Heather Langenkamp als Nancy Thompson im ersten Nightmare Film zurück, aber die wird für immer unerreicht bleiben.

Selbstverständlich ist mir klar, dass meine angebrachten Kritikpunkte auf rein subjektiver Natur basieren und dass es wahrscheinlich auch genügend Meinungen geben wird, die den Film noch besser bewerten, wie ich es tue. Ich sehe in Freddy vs. Jason einen ungemein unterhaltsamen Streifen. Er bietet ein sehenswert blutiges Duell zweier Kultfiguren des Slasherkinos und zeigt einen Robert Englund in Höchstform mit einigen magischen Momenten. In seiner Gesamtheit gesehen wäre aber vielleicht doch noch etwas mehr möglich gewesen, wenn man beispielsweise auf eine etwas ernstere Grundstimmung geachtet hätte oder wenn die Gewaltenaufteilung der beiden Genreikonen gerechter ausgefallen wäre. Am Ende des Tages zücke ich gute bis befriedigende 7 von 10 MovieStar Wertungspunkte.



 


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