Review

Ein trauriges Phänomen in der heutigen Filmwelt ist, daß die Macher mehr denn je auf Altbewährtes setzen und neue Ideen gar nicht erst aufkommen lassen. Ein Horrorfilm, der sich aus zwei erfolgreichen Horror-Reihen zusammensetzt - "Nightmare On Elm Street" mit seinen mittlerweile 7 und "Freitag, der 13." mit seinen 10 Teilen - scheint diese Entwicklung nur zu bestätigen.

Beide Serien waren mit jeder Fortetzung mehr und mehr ausgelutscht, und auch die jeweils letzten Teile "Jason X" und "Freddies New Nightmares" waren zwar wieder etwas besser als ihre jeweiligen Vorgänger, konnten aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Serienhelden schon vor längerer Zeit einen unbemerkten (Film-)Tod gestorben waren. Die Wiederholung einer Wiederholung einer Wiederholung konnte beim Zuschauen einfach nicht mehr die richtige Begeisterung für das Geschehen auf der Leinwand erzeugen.

Nachdem ich hörte, daß man beide Killer nun in einem Film vereinen wollte, war mein erster Gedanke mit der Befürchtung verbunden, daß man im Nachinein den Kultstatus mit einem billigen und uninspirierten Film-Klon - gezeugt aus einem gerührten und nicht geschüttelten Cocktail beider Serien - zerstören könnte.

Aber, und das hat mich dann doch aufatmen lassen, ich habe mich geirrt. Was ich hier mit "Freddy vs. Jason" zu sehen bekam, übertraf meine Erwartungen.

Schon die Grundidee, wie man die beiden (Anti-)Helden zusammenbringen könnte, fand ich recht originell. Sie laufen sich nicht bloß zufällig mal eben so über den Weg ("Ach, Du auch hier? Und was machst Du so in Deiner Freizeit?"), sondern es beginnt mit einer geschickt eingefädelten Intrige Freddys. Und die sieht so aus:

Freddy (Robert Englund) hat seine Macht komplett verloren, da die Kinder der Elm Street ihn vergessen haben und er ohne die Angst der Kinder nicht die Möglichkeit hat diese in ihren Träumen zu töten. Doch er hat einen Plan: Er erweckt den wahnsinnigen Jason Voorhees (Ken Kirzinger) zu neuem Leben, der genau wie er selbst als Killer (aus der „Freitag der 13.“-Serie) Kultstatus genießt. Eine geniale Idee: Freddy benutzt Jason, um die Elm Street erneut in Angst und Schrecken zu versetzen und so für sich selbst ein Schlupfloch zu schaffen, durch das er dem Fegefeuer entkommen kann. Freddy begreift nämlich blitzschnell, wie einfach man Jason manipulieren kann, und er bringt den Serienmörder dazu, seine Schreckensherrschaft in Springwood fortzusetzen. Alos metzelt sich Jason in Freddys Namen sehr erfolgreich durch die Elm Street und bringt die Erinnerung an und damit auch die Angst vor Freddy wieder zurück in die Köpfe der Anwohner. Dich Freddy hat sich rechnung ohne den Wirt gemacht: Schon sehr bald kommen sich die beiden Killer ins Gehege. Selbstverständlich sieht sich Jason keineswegs als bloßes Werkzeugs Freddys und beansprucht die Teenager für sich. Es entbrennt ein erbitterter Zweikampf, und dem Sieger winkt das alleinige Abschlachtungsrecht jugendlichen Frischfleisches...

Ronny Yu hat hier einen (man traut sich das Wort bei diesem Genre ja kaum zu verwenden) intelligenten (jetzt ist es heraus) Horrorfilm abgeliefert, und Graeme Revell noch einen ordentlichen Soundtrack mit dazu.

Handwerklich sehr sauber und mit viel Liebe zum Detail in Szene gesetzt, erleben wir, wie sich Freddy zum heimlichen Star des Filmes aufschwingt, so daß man diesen Film eher der Nightmare On elm Street Reihe zuordnen könnte. Tja, Jason ist eindeutig im Nachteil. Während er zur Wortlosigkeit verdammt ist, kann Freddy den uns bekannten Sprachschatz hemmunglos zu seinen Gunsten ausbeuten: Er hat schwarzen Humor, er ist ironisch, er macht seine perfiden Witze und erfreut damit uns Zuschauer um so mehr. Aber keine Bange, dafür meuchelt Jason in routinierter Manier die Teenager so radikal ab, daß es eine Freude ist, ihm zuzuschauen. Man könnte glauben, daß seine Machete in der Hölle mal eben frisch geschärft worden ist.

Die Maske hat sich sehr viel Mühe gegeben, Freddys Make-Up ist das beste, das ich je an ihm gesehen habe, und auch die Hockey-Maske Jasons sowie dessen Outfit übertrifft alle 10 bisher dagewesenen Filme der "Freitag, der 13."-Reihe. Und daß Kane Hodder ausrangiert und durch den Stuntmen Ken Kirzinger ersetzt wurde - wen stört das schon? Sorry, aber mit seiner Mimik hat Jason in bisher in noch keinem Teil von sich Reden gemacht. Man könnte sogar Hans Meiser oder Jürgen Fliege hinter der Maske verstecken, und keiner würde es groß bemerken.

Daß in dem Film noch der ein oder andere Teenager mitwirkt, fällt angesichts dieser Giganten kaum noch auf und auch nicht weiter ins Gewicht. Zwar machen die Schaupsieler ihre Sache bis in jede Nebenrolle richtig gut, aber mal ehrlich - wer achtet schon darauf, wenn wir hier Freddy und Jason zu sehen bekommen? Schließlich haben die Teenager nur eine Hauptaufgabe: den beiden Protagonisten als niederzumetzelndes Frischfleisch zu dienen.

Und Jason als auch Freddy bedienen sich reichlich. So kommt Freddy vs. Jason sehr brutal und blutig daher, es geht hart und konsequent zur Sache. Die Effekte sind dabei sehr sehenswert, und das Effekteteam wartet auch mit großem Ideenreichtum auf. Beispielsweise, wenn ein soeben im Bett erstochener Teenager mitsamt Bett zusammengeklappt wird oder sich Jason anschickt, brennend einen Techno-Rave inmitten eines Maisfeldes zu stören. Auch Freddies Methode, einen Jungen gegen dessen Willen dazu zu bringen, den übrigen Teenagern eine kurze Nachricht zu übermitteln, ist nicht von schlechten Eltern.

Der Showdown, der finale Zweikampf zwischen Freddy und Jason, setzt dem Ganzen aber noch die Krone auf: Mit allem, was eine Großbaustelle so hergibt, dreschen die beiden aufeinander ein und nehmen sich im wahrsten Sinne des Wortes nach und nach auseinander.

Überraschenderweise wird das aber in keiner Sekunde langweilig, und Ronny Yu hat es geschafft, das ganze Gemetzel nicht albern oder unfreiwillig komisch wirken zu lassen. Zwar hat der Film auch seine Schwachstellen, das Dehbuch ist nicht immer 100%ig logisch, und wer besonderen Tiefgang erwartet, wird ebenso enttäuscht werden, aber wir befinden uns hier auch in einem Film, der seinen Anspruch auf eines reduziert: das Publikum zu unterhalten.

Und das ist auf der ganzen Linie gelungen. Das Pubilkum bekommt eine fetzigen Horrorfilm geboten, der mit einer gekonnten Inszenierung, originellen Settings, guten Fights, viel Gore und einem sehr passenden orchestralen Soundtrack daherkommt. Erfrischend ist auch, daß der Film sich ernst nimmt, aber auch wieder nicht zu ernst, und so das richtige Gleichgewicht findet.

Freddy vs. Jason ist ein Film, der beiden Horror-Größen mehr als gerecht wird. Da wollen wir es auch nochmal durchgehen lassen, wenn am Ende des Filmes alle Türen und Toren für eine Fortsetzung weit aufgerissen werden.

8 von 10 Punkten.

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