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„Magie ist überall. Überall in der Welt.“

Schon am Abend ihrer Ankunft bemerkt Suzy, dass in ihrer neuen Ausbildungsstätte, einer renommierten Tanzakademie in München, merkwürdige Dinge vor sich gehen, als eine junge Frau vor ihren Augen in panischer Angst aus dem Gebäude flieht und wenig später ermordet wird. Die Lehrerinnen führen dort ein hartes Regiment, es gelten strenge Verhaltensregeln, die Direktorin hat noch keine der Schülerinnen zu Gesicht bekommen – und wer zu neugierig ist, stirbt.

Schon in den ersten Minuten etabliert Argento seinen einzigartigen Stil: Die junge Suzy, von der langen Reise erschöpft und in der fremden Stadt völlig verunsichert, findet im strömenden Regen gerade so ein Taxi, kann sich anschließend nur mit Mühe und Not dem Fahrer mitteilen, nur um an der Tür der Akademie abgewiesen zu werden. Bereits in diesen ersten Eindrücken ist der einprägende Score der italienischen Band Goblin zu hören, der die düstere Stimmung der Bilder in absoluter Perfektion unterstreicht und in Zusammenspiel mit der unnatürlichen, aber faszinierenden Farbgebung eine düstere Atmosphäre erzeugt, die ihresgleichen sucht. Wesentlich drastischer, aber ebenso brillant funktioniert auch die erste Mordszene des Films, der ein langes, regelrecht zermürbendes Vorspiel vorausgeht. Eine verängstigte Frau steht vor einem Fenster, glaubt in der Dunkelheit etwas gesehen zu haben – nur wenige Augenblicke später zerreißen ohrenbetäubende Schreie und Fensterklirren die Stille, immer wieder ist eine Messerklinge im Bild zu sehen, schließlich hängt das Opfer blutüberströmt an einem Galgen inmitten eines großen Saales. Ein gleichermaßen bizarres wie grausames Szenario, das aufgrund seiner expliziten Gewaltdarstellung und dem bereits erwähnten Score unvergleichlich intensiv und schockierend wirkt.

Nach diesen ersten Momenten beruhigt sich die Handlung etwas, Argento beschränkt sich ab hier zunächst auf die Darstellung des stupide wirkenden Alltags in der Tanzschule, doch das kommende Unheil liegt stets in der Luft und die Spannung wird schrittweise mit immer neuen Hinweisen und weiteren seltsamen Vorkommnissen wie etwa einer plötzlichen Würmerplage oder dem mysteriösen Tod des Pianisten aufgebaut. Die Erzählweise ist in dieser Phase sehr ruhig, wirkt aber zu keinem Zeitpunkt künstlich in die Länge gezogen, sondern hält seine Spannung allein durch seine geheimnisumwitterte Grundstimmung und dem in allen Belangen überzeugenden Spiel seiner Darsteller, allen voran die sehr zurückhaltende Jessica Harper, aufrecht. Auch die visuelle Brillanz bleibt erhalten, immer wieder finden bedrohliche Schattenspiele statt, erscheint die Dunkelheit in einem gespenstischen Grün oder ist das Geschehen urplötzlich in ein unheilverkündendes Rot getaucht. Schlichtweg beeindruckend. Magisch.

„Suspiria“ stellt ohne Frage einen Klassiker des Horrorfilms dar, dessen phasenweise behäbige Erzählweise zwar gewöhnungsbedürftig ist, aber trotzdem von Anfang bis Ende fesselt und ob seines einzigartigen optischen Erscheinungsbildes einfach nur fasziniert. Meisterhaft.

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