Review

Einer der famosesten Regisseure des ästhetischen Atmo-Horrors ist wohl ohne Zweifel Dario Argento.

Mit

„SUSPIRIA“

ist ihm eine wegweisende Glanzleistung im Horrorgenre gelungen.

Zur Story:
Die junge Amerikanerin Suzy (Jessica Harper) kommt nach Freiburg, um in einer renommierten Tanzschule in die Kunst des Ballet eingewiesen zu werden.
Das barocke Interieur fasziniert und bedrückt Suzy zugleich; als dann auch noch eine Mitschülerin auf mysteriöse Weise das zeitliche segnet; ein blinder Pianist von seinem süßen Hundi die Kehle aufgebissen bekommt und die zwei Tanzschulleiterinnen sich durchaus komisch verhalten, merkt Suzy, dass hier was nicht ganz stimmen kann.
Bei ihren Nachforschungen stößt Suzy auf deutliche Hinweise, dass ein übersinnliches Wesen über die Tanzakademie herrscht...

Nun gut, die Story klingt nicht nur ein wenig platt sondern sie ist es zugegebenermaßen auch faktisch. Doch die hohe Kunst des filmischen Horrors manifestiert sich in „SUSPIRIA“ gerade darin, dass der Plot nur als inspirierende Basis für die visuellen Umsetzungen dienlich ist. Natürlich mag dies Horrorfreunde mit einem Faible für verzwickte Storylines ein kritikwürdiges Manko sein, doch in Anbetracht der Tatsache was uns das damalige Horrorgenre sonst generell vorsetzte, man denke nur an die Ergüsse aus dem italienischen Raum von Fulci und Co. zu dieser Zeit (1977), so kann „SUSPIRIA“ zumindest mithalten was die Storylogik angeht.
Argento zeichnet in „SUSPIRIA“ eine wahre Oper des Terrors- eine Ode an das Genre, was vor opulenter Ästhetik nur so strotzt. Dabei kann nicht nur die Optik, welche neben dem fantastischen Set auch psychedelische Lichtspielereien integriert, sondern auch der stimmige Score überzeugen, der das geniale Setting perfekt untermalt. Schauspieltechnisch, in Anbetracht des Genres, spielt Jessica Harper sehr souverän und ausdrucksstark.
Freunde des Hardcoregorehorrors werden jedoch weniger auf ihre blutigen Kosten kommen, da quantitativ nicht im gleichen Ausmaß wie bei Fulci oder D’Amato draufgehalten wird, wenn der Lebenssaft sprudelt. Qualitativ jedoch können die Effekte wahrlich überzeugen, auch wenn die Fledermausszene natürlich jetzt nicht so der Bringer ist.
Was Argento intendierte war die Integration zweier zentraler Momente für den damaligen Horrorfilm: Zum einen, eine edle, bunte, klaustrophobische und furchteinflößende Atmosphäre und zum anderen eine ausdrucksstarke Protagonistin, die zur Identifikation anregt. Diese beiden Komponenten finden im zeitgenössischen Horror viel zu wenig Beachtung, es wird sich meistenteils auf die blutigen Tatsachen konzentriert, welche zwar wesentlich, aber dennoch nur ein Facette des benannten Genres sind. Spannung und Furcht, ja der wahre filmische Terror, kommen nur noch in seltenen Ausnahmen heutzutage zu Stande.

Fazit:
Dario Argentos „SUSPIRIA“ ist ein Meilenstein des klassischen Horrorfilms und ist für das geneigte und vom zeitgenössischen Horrorfilm noch nicht ganz vereinnahmte Publikum, definitiv Pflichtprogramm!

10 Punkte

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