Review

Die Kritik beruht auf der ungeschnittenen DVD-Fassung vom Label DRAGON!

Neben seinen unzähligen Giallo-Inszenierungen ist eine von Dario Argentos bekannteren Arbeiten der Horrorfilm "Suspiria" (1977), der in neuzeitlichem Ambiente mit Elementen des Gothic Horrors, der Schauerromantik und der Hexenmärchen arbeitet. Nach dem Erfolg des ersten Teils "Suspiria" als Trilogie über drei Hexenhäuser konzipiert, die an zentralen Punkten der Erde die Weltgeschicke lenken. Demnach sind es die drei Mütter Mater Suspiriorum, Mater Tenebrarum sowie Mater Lachrymarum (Mother of Sighs, Mother of Darkness, Mother of Tears), die jeweils ihr eigenes Herrschaftsgebiet besitzen (Freiburg, New York, Rom). Der zweite Teil der Reihe, "Inferno", erschien 1980.
Die Farb- und Lichtgebung beider dahingehend anspruchsvoll gestalteter Filme ist deutlich von den Arbeiten Mario Bavas inspiriert.
Der letzte Teil der Trilogie erschien 2007 unter dem Titel "La terza madre", auch bekannt unter dem internationalen Titel "The Mother Of Tears".
In den Filmen selbst erfährt man de facto nicht allzu viel über die Mütter selbst, abgesehen davon, dass es drei Hexengeschwister sind, die aus alten Gebäuden heraus Morde dirigieren.
Genauso erzählt "Suspiria" weniger durch Handlungsverlauf eine Geschichte, als durch seinen audiovisuellen Stil. Dafür kam ein spezielles, selten gewordenes Filmmaterial der Firma Kodak zum Einsatz. Dieses ermöglichte nach Belieben einzelne Farben zu intensiveren oder aber ganz herauszufiltern, was für den von grün, gelb und rot dominierten, fast „poppigen“ Stil des Films sorgt, der sehr unwirklich wirkt und an Märchen erinnert.

Die US-Amerikanerin Suzanne Banyon (Jessica Harper) kommt nach Freiburg im Breisgau in Deutschland, um in einer Ballettschule zu studieren, doch bereits in der Ankunftsnacht trifft sie auf ein Mädchen, das sich höchst merkwürdig benimmt und noch in derselben Nacht einen grausamen Tod stirbt.
Im Laufe der nächsten Tage muss sie feststellen, dass sich nicht nur die mysteriösen Ereignisse häufen, sondern auch ihr Essen von der Schulleitung mit Schlafmitteln durchsetzt wird.
Immer mehr ihrer Mitschülerinnen werden nachts von einem Mörder heimgesucht. Als es ihre Freundin Sandra (Stefania Casini) trifft, stellt sie Nachforschungen über Hexen und schwarze Magie an und macht sich auf die Suche nach den Ursachen der Morde. Sie erinnert sich an das Mädchen, das ihr in ihrer Ankunftsnacht begegnet ist und an zwei Gesprächsfetzen, die sie zu einer Tür führen, hinter der sie der „Mother of Sighs“ begegnet.

Der Film gehört bis heute weltweit zu den bekanntesten Filmen des von Fans verehrten Dario Argento. Für den Regisseur, schon vorher durch seine Tier-Trilogie und vor allem "Profondo Rosso" ein bekannter und geschätzter Filmemacher, war "Suspiria" ein gigantischer Erfolg, der ihn auch in Deutschland berühmt machte.
Der Film wird von Fans geradezu kultisch verehrt und auch die meisten Kritiker nahmen Argento seitdem nicht nur wahr, sondern auch mehr als ernst und die meisten seiner nachfolgenden Filme entwickelten sich zu wahren Kritikerlieblingen, wenn es auch freilich weiterhin Stimmen gab und gibt, die seinen Filmen übertriebene Gewaltdarstellung und sogar immer wieder Frauenfeindlichkeit vorwarfen und werfen.

Regisseur Argento schafft es wie kein anderer, seine Zuschauer von Anfang an in seinen Bann zu ziehen. Seine rauschhaften Bildkompositionen ergeben zusammen mit dem verstörend wirkenden Score eine bedrohliche, unheimliche Atmosphäre, die sich gleich zu Beginn voll und ganz entfaltet.
Der Soundtrack der italienischen Progressive-Rock Band Goblin, die hier nach "Profondo Rosso" das zweite Mal mit Argento zusammen arbeiteten und ihren ohnehin experimentellen Stil zu einem höchst eigenwilligen, mit allerhand exotischen Instrumenten eingespielten Klangteppich erschufen, gilt für viele als der Höhepunkt der Band.
Die Symbiose aus inszenatorischer Finesse, surreal anmutender Farbgestaltungen und hämmernden Soundtrack entfaltet vor allem in den ersten 15 Minuten des Films ihre Intensität und gipfelt in der kunstvoll, geradezu operettenhaften Inszenierung zweier brutaler Todesfälle.

Argentos Erzählfluss ist wie gewohnt sehr ruhig, doch er schafft es, die unheimliche Atmosphäre und die Spannung immer weiter voranzutreiben. Der Zuschauer weiss nie mehr als die Hauptprotagonistin und so wird das düstere Geheimnis der Ballettschule auch erst in den letzten Minuten offenbart, was in einem spektakulären Finale endet.
Bis es soweit ist geschehen noch einige mysteriöse Ereignisse und Todesfälle, die gewohnt blutig und spektakulär in Szene gesetzt sind.
Negativ fällt allerdings die Szene auf, in der ein Schäferhund seinem Herrchen in die Kehle beißt, ein Effekt, dessen billige Umsetzung sofort erkannt wird.
Ansonsten leistet das Effekte-Team gewohnt gute Arbeit, die sich vor allem in der unheimlichen Maske der altenHexe wiederspiegelt.

Davon abgesehen setzt hier Drehbuchautor und Regisseur Argento verstärkt auf die Qualität seiner Dialoge, die im Gegensatz zu anderen Produktionen mehr im Vordergrund stehen und nie absurd oder unfreiwillig komisch wirken ("Phenomena" hatte einige Szenen, die nicht zum ernsten Charakter des Films passten).

"Suspiria" ist aufgrund seiner experimentellen Art sicherlich gewöhnungsbedürftig, ist aber zugleich ein Fest für Augen und Ohren, so dass Längen, die sich vereinzelt einschleichen, kaum ins Gewicht fallen.

7 von 10 Punkte!

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