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Jessica Harper spielt eine junge Amerikanerin, die in Freiburg eine Ausbildung an einer Ballettschule machen will. In der Schule kommt es zu zahlreichen mysteriösen Ereignissen, unter anderem zum Tod von Schülerinnen. Die Spur führt zu einer Hexe, die in der Gegend schon seit Jahrhunderten ihr Unwesen treiben soll.

Ist von den besten Horrorfilmen aller Zeiten die Rede, fällt in aller Regel auch der Titel "Suspiria" irgendwann nach "Der Exorzist" und vor "Scream". Bei einem Blick auf die grobe Handlung kann man durchaus skeptisch werden, ob dieser Ruf nun wirklich verdient ist. Doch an den Qualitäten des Kulthorrorfilms dürfte wohl niemand mehr zweifeln, der ihn einmal gesehen hat.

Man sieht dem Film zwar an, dass er mit relativ einfachen Mitteln gedreht wurde, so sind die Effekte eher zweitklassig und auch die Nebendarsteller kommen nicht einmal auf ein Niveau, das man als solide bezeichnen kann. Auch das Drehbuch ist schwach, so bleiben die Charaktere durchweg blass und außer einem Vehikel, das ein paar mysteriöse Ereignisse miteinander verknüpft, ist letztlich auch kein wirklich einfallsreicher Plot erkennbar. Zuletzt zeugt die Hexensage, auf der das Geschehen letztlich fußt, nicht gerade von einem filmischen Unikat, sondern eher von einem mal eben dahingedrehten Fließbandhorrorstreifen.

Doch "Suspiria" ist eben keine Dutzendware, was vor allem Regisseur Dario Argento zu verdanken ist, dessen einzige Fehler ihm beim Drehbuch unterlaufen. Argento zeigt hier eine audiovisuelle Inszenierung, wie sie ihresgleichen sucht. Er erzeugt ein permanentes Gefühl des Unwohlseins, des Ungewohnten, eine Atmosphäre, die düsterer, dichter und fesselnder kaum sein könnte. Die Kamera-Einstellungen sind mitunter absolut ungewöhnlich, sodass allein hier schon ein Gefühl permanenter Unberechenbarkeit gegeben ist. Besonders auffällig und im Hinblick auf die Atmosphäre ausgesprochen geschickt, ist zudem die Verwendung eines Technicolorfilms. Doch was zunächst fremd und ungewohnt wirkt, sorgt letztlich für ein diffuses Gefühl der Angst.

Argento erzeugt also durchweg eine enorm dichte Atmosphäre und hält den Zuschauer so bei der Stange, auch wenn die Story auf einen Bierdeckel passt und kaum flacher sein könnte. Dabei dosiert Argento die Schockmomente geschickt, sodass diese meist zünden und sich nicht erschöpfen, heizt dabei auch immer wieder mit dem grandiosen Score ein, der an sich schon derart bedrohlich klingt, dass auch ein Disneyfilm mit ihm Spannung erzeugen könnte. Neben dem aufpeitschenden Score sind es zudem noch die wenigen, aber drastischen Slasher-Szenen, die die Spannung auf die Spitze treiben.

Zuletzt ist es Jessica Harper, die einen wesentlichen Anteil am Gelingen des Films hat. Sie hebt sich mit einer starken Vorstellung deutlich von den mitunter blassen Nebendarstellern ab und trägt den Film, sofern die audiovisuelle Umsetzung dies nicht schon im Alleingang schafft. Dabei wirken ihre Angstzustände authentisch und nicht wie die einer herkömmlichen Scream-Queen.

Fazit:
"Suspiria" ist der blanke Horror. Die audiovisuelle Umsetzung fesselt mit ihrer unkonventionellen Machart, mit fremdartigen, schauerlichen Bildern, einem treibenden Score und brillanten Schockeffekten. Leider sind die Nebendarsteller neben einer starken Jennifer Harper ausgesprochen blass, die wenigen Effekte stark veraltet und die Story vollkommen stereotyp.

82% 

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