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Nachdem ich mich lange davor gedrückt habe (ich kann jetzt gar nicht mehr sagen weshalb), habe ich mir nun einmal Dario Argentos viel gelobtes vorgebliches Meisterwerk Suspiria angesehen.

Tänzerin Suzy Bannion kommt von New York nach München um an einer renommierten Tanzschule zu studieren. Im verregneten und unfreundlichen Deutschland angekommen erlebt sie bereits nach kurzer Zeit eine völlig aufgelöste und verängstigte Schülerin, welche aus der Balletschule gestürzt kommt. Von diesem Ereignis verängstigt und weil sie mitten in der Nacht nicht in die Schule eingelassen wird, übernachtet Suzy in einem Hotel. Als sie am nächsten Morgen wieder zur Ballettschule zurückkehrt, erfährt sie, dass eben jenes verängstigte Mädchen aus der letzten Nacht, ermordet worden ist. Mit dem Beginn ihres Ballettunterrichtes beginnt für Suzy gleichsam ein psychedelischer Horrortrip, der die tiefsten Urängste des menschlichen Daseins hervorruft...

Dario Argento, Meister des italienischen Horrorfilms. Dieses und Ähnliches kann man über ihn lesen, wenn man durch das Internet surft, auf der Suche nach ein paar Fakten zu seiner Person. Gleich vorweg: Viele seiner Filme habe ich noch nicht gesehen. Suspiria ist im Grunde gar mein aller Erster reiner Argento-Film.

Nach allem was ich aus Filmbesprechungen zu seinen anderen Werken wie Tenebre, Phenomena oder auch Profondo Rosso entnehmen konnte, scheint es Argento zu lieben, unbedarfte Amerikaner auf das europäische Festland loszulassen. Oder ist es eher anders herum? Bricht nicht eher das alte, mysteriöse Europa über hippe Amerikaner herein?

So jedenfalls könnte man Suzys Welt charakterisieren, die sich in Deutschland zunächst sichtlich unwohl fühlt. Und sie tut recht daran. Argentos Figuren sind fast allesamt irgendwie mysteriös, bilden einen deutlichen Kontrast zur jungen, naiven Suzy. Frau Tanner zum Beispiel, eine Lehrerin an der Tanzschule. Sehr maskulin, militärisch-zackig in ihrem Auftreten. Der hässliche, wortkarge weil stumme Pawel. Eine merkwürdige Figur, bei der man sich durchaus nicht unbereichtigt fragt, ob hier nicht Frankenstein Pate gestanden hat. Dann die Hoteldirektorin. Scheinbar eine liebe Frau, die nur das Beste für ihre Schützlinge will. Doch man wird das Gefühl nicht los, dass hier mehr Schein als Sein dahinter steckt.

Was Argento mit seinen Figuren macht, führt er mit seiner einzigartigen Optik fort. Krasse Farbkontraste, die im Film dennoch seltsam harmonisch wirken. Rot ist scheinbar die alles beherrschende Grundfarbe des Films. Im Zusammenspiel mit der barocken Architektur die sich teils durch den ganzen Film zieht, ergibt sich somit ein einzigartiges Spiel für die Augen.
Auch der Soundtrack reiht sich in das inhaltliche und optische Konzept perfekt ein. Goblin, die mit ihren Synthesizer-Klängen die musikalische Untermalung liefern, sind wahrlich Meister zu nennen. Der Soundtrack wirkt schaurig-schön. Gänsehaut, aber dennoch seltsam beruhigend.

All diese Stilmittel sorgen für ein unglaubliches intensives Erlebnis beim Zuschauer. Man wird förmlich in diese Welt hineingesogen, verliert sich in ihr. Dabei arbeitet Argento mit einer Mixtur aus der bereits beschriebenen Bilder-und Soundsprache, wie auch mit altbewährten Horrorkniffen. Der Film ist jedoch alles andere als ein Schlachtfest, wie die etwa zur selben Zeit bzw. kurze Zeit später einsetzenden Slasherfilme in den USA. Suspiria ist intelligente Unterhaltung, ein Rausch für die Sinne. Ein wirkliches Meisterwerk.
10/10.

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