Review

„Suspiria“ war für mich der erste Argento- und Italohorrorfilm, den ich gesehen habe, aber er hat mir ziemlich gut gefallen.
Dabei beginnt der Film arg seltsam: Die Amerikanerin Susy Banyon (Jessica Harper) zieht von New York in den Schwarzwald, um dort an einer angesehenen Balletakademie zu studieren. Doch dort findet sie im strömenden Regen nur verschlossene Pforten vor, sieht eine Schülerin davonrennen und muss im Hotel pennen. Sicher ist daran erst mal nichts, was seltsamer als andere Horrorfilme ist, aber es ist die Machart: Ständig tönt die eingängige Goblin-Musik, übertönt teilweise alle anderen Geräusche und das Geschehen wirkt arg surreal. Dies wirkt leider arg befremdlich für den Genreeinsteiger.
Die geflohene Schülerin findet bei einer Bekannten Unterschlupf, doch als sie sich im Badezimmer frisch macht, taucht ein Unbekannter auf. Sie wird unsanft durch Fenster gezerrt, mit dem Messer verhackstückt und zum krönenden Abschluss noch durch eine gläserne Decke ins Foyer des Hauses geworfen. Ihre Bekannte wird praktischerweise direkt von einigen Trümmern erschlagen. Auch wenn „Suspiria“ hier noch sehr unwirklich ist (erst nach dieser Szene normalisiert sich der Film), so ist besagter Mord recht intensiv und spannend inszeniert.

Am nächsten Morgen kehrt Susy zur Akademie und wird recht freundlich aufgenommen. Am Rande bekommt sie noch die Untersuchungen der Polizei wegen der ermordeten Schülerin mit, denkt sich aber nicht viel dabei. Doch bald stößt sie darauf, dass die Mauern der altehrwürdigen Tanzschule ein seltsames Geheimnis bergen...
„Suspiria“ fällt vor allem durch die gelungene, stellenweise arg ausgefallene Optik aus. Viele Bilder sind wirklich beeindruckend (z.B. der provisorische Schlafsaal in Rot oder der Blick ins Schwimmbad durch das Geländer), wobei vor allem Argentos Spiel mit der Farbgebung auffällt. Zwar sind einige Kameraperspektiven ungewöhnlich, aber vor allem die Tatsache, dass viele Szenen in einer bestimmten Farbe gehalten bzw. ausgeleuchtet sind (meist rot) fällt ins Auge.
Die Story kann auch überzeugen und präsentiert mal ein halbwegs ungewohntes Motiv im Horrorgenre und bleibt bis zum Ende spannend, was zum großen Teil auch daran liegt, dass der Zuschauer (genau wie Susy) lange im Dunkeln tappt und erst spät die Wahrheit erkennt. Zu kritisieren gibt es an der Story eigentlich nur eines: Stellenweise siegt Form über Inhalt und die Geschichte verschwindet hinter der schrillen Machart (der Beginn ist ein gutes Beispiel dafür).

Die Morde sind alles andere als zahlreich oder brutal und dennoch effektiv. Hier gilt ganz klar Klasse statt Masse und dementsprechend wirkungsvoll sind die Todesszenen geraten. Sie sind mit viel Nervenkitzel gemacht und man wartet gespannt darauf, wann etwas passiert. Die ein oder andere fiese Überraschung hält Argento auch parat (Stichwort Draht), aber überzogen brutal wird das Ganze nie. Sein übriges trägt der gelungene, nervenaufreibend Sound der Goblin-Musik bei, die den kompletten Film untermalt.
Die Darsteller sind allesamt keine großen Leuten, viel mehr auf ordentlichem Horrorfilmniveau. Zudem stellen sie ihre teilweise etwas ungewöhnlichen Charaktere gut dar (z.B. der blinde Pianist oder die Tanzlehrerin) und vor allem Udo Kier überzeugt in jungen Jahren in einer Nebenrolle.

„Suspiria“ ist ein wirklich spannender Argentofilm, auch für Nicht-Fans des Genres wie mich. Nur stellenweise tritt die Story etwas zu sehr hinter der grellen Optik zurück.

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