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Exorzismusfilme werden sich wohl immer an Friedkins Klassiker von 1973 messen lassen müssen, denn seither hat sich an den Austreibungsritualen wenig geändert. Diesbezüglich schuf Autor und Regisseur Justin P. Lange immerhin einen etwas anderen Rahmen, der die Verhaltensweisen typischer Kirchenvertreter ein wenig aufbricht. Spätestens zur Halbzeit erfolgt jedoch Ernüchterung, wenn die Motive zunehmend konventioneller ausfallen.

Obgleich er vor 25 Jahren nichts gegen den Tod eines Jungen während einer Austreibung ausrichten konnte, gilt Pater Peter (Guy Pearce) mittlerweile als Meister-Exorzist. Der Erzbischof (Stephen Lang) sieht allerdings Handlungsbedarf für Nachwuchs und stellt ihm den jungen Geistlichen Daniel (Vadhir Derbez) zur Seite. Sein erster Fall führt ihn zu Charlie (Brady Jenness), der im Rausch seine Familie getötet haben soll…

Nach dem Einstieg im Jahre 1995, dem Archivaufnahmen von Papst Johannes Paul II. beigemengt wurden, ist die simple Figurenkonstellation der gegensätzlich eingestellten Geistlichen rasch etabliert: Peter ist ein zynischer Pragmatiker, der auch mal raucht und flucht und auf legere Kleidung und Drei-Tage-Bart Wert legt, während sein junger Kompagnon die Kirchenkluft nur widerwillig ablegt und während der Konfrontation mit dem Dämonischen zu sensiblen Schüben neigt, was sein Mentor natürlich zu unterbinden versucht.

Das erste Drittel verläuft insofern unterhaltsam, als dass das Duo diverse Stationen abklappert, um ihrer Tätigkeit gerecht zu werden, was von der Obdachlosenunterkunft, über einen Tatort bis hin zur Rollschuhhalle führt. Dabei bedarf es nur weniger Worte, zumal einige Randfiguren als hilfreiche Stichwortgeber fungieren. Hier kommt es zu einer ersten, etwas hektisch inszenierten Austreibung, der eine erfrischend makabere Note mitschwingt.

Doch die hinlänglich bekannten Rituale lassen danach nicht lange auf sich warten und bescheren dem Treiben nur wenig Abwechslung und noch weniger Innovationen. Da dürfen die verzerrten Stimmen ebenso wenig fehlen wie das Herunterbeten diverser Standards und immerhin fliegen mal Bleistift oder Halskette mit Kreuz, bevor der Fixierte zu verbalen Tiefschlägen neigt. Die wenigen, handgemachten Gewalteinlagen, einschließlich etwas Body-Horror können sich sehen lassen und das Make-up arbeitet mindestens zweckdienlich.

Eine finale Wendung entpuppt sich hingegen nur als kleine Überraschung, denn der Twist kündigte sich schon einige Szenen im Vorfeld an und hinterlässt darüber hinaus einige widersprüchliche Aspekte. Da können die beiden Hauptdarsteller nur wenig ausrichten, zumal Pearce auf Sparflamme performt und Derbez die undankbare Figur des beinahe zur Passivität verdonnerten Newbies nur bedingt mit Leben füllt.

Somit ergibt sich nur ein weiterer Besessenheitsfilm, der mit einer erfrischenden Figurenkonstellation einsteigt, um danach auf hinlänglich bekannten Pfaden zu mäandern, was weder sonderlich spannend noch atmosphärisch ausfällt.
4 von 10

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