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Mit Gewalt am Einschlafen gehindert zu werden, dürfte eine der garstigsten Foltermethoden sein. Wenn sich der Körper nicht mehr auf natürliche Weise das nehmen kann, um weiterhin zu funktionieren, baut der Mensch auf jeder Ebene ab und wird irgendwann willenlos, nur um endlich die Augen schließen zu können. Der russische Filmemacher Pavel Khvaleev greift diese Prämisse auf, um daraus ein wenig Terror und Folter zu kreieren, was mehr auf psychische denn graphisch bebilderte Gewalt setzt.

Lehrerin Mila (Polina Davydova) kaufte eben noch einen Fisch für ihren Vater, da wird sie aus ihrer Wohnung entführt und in einen Raum gebracht, der offenbar Teil einer leer stehenden Fabrik ist. Per Lautsprecherdurchsage erfährt sie, dass Schlaf unter Strafe steht, während ihr Bilder via VR-Brille übermittelt werden. Doch worauf zielen die Peiniger der Entführten letztlich ab?...

Was entfernt an „Martyrs“ erinnert, konzentriert sich im Verlauf nahezu einzig auf Hauptfigur Mila, welche kaum eine Figurenzeichnung erhält, zumal ihr Hintergrund mit besorgten Eltern und einem ermittelnden Polizisten recht vage bleibt. Zudem fragt man sich, was es anfangs mit dem Attentat auf einen Botschafter auf sich hat, der lange Zeit rein gar keine Rolle zu spielen scheint. Hauptschauplatz ist der karge Raum mit Fliesen, der unweigerlich Erinnerungen an den ersten Teil von „Saw“ weckt.

Zwar wird Mila fiesen Spielchen ausgesetzt, indem sie etwa eine Minute Zeit erhält, einen bestimmten Schlüssel zu finden oder eine Nacht mit drei Ratten in einer zugeschraubten Kiste verbringen muss, doch bis auf den wiederkehrenden Einsatz eines Elektroschockers durch einen vermummten Helfer werden keine Folterwerkzeuge angesetzt. Einzig ein Kopfschuss ist auf der Splatterseite zu registrieren.

Die eigentliche Enthüllung hat schließlich nicht allzu viel mit den vorangegangenen Ereignissen zu tun und hätte wahrscheinlich deutlich gestrafft werden können, doch immerhin kommt man nochmal auf den Botschafter zurück. Die besten Parts finden sich indes bei einer verstörenden Animationssequenz, die mit drastischen Andeutungen und überaus morbiden Symbolen beinahe mehr Schrecken verbreitet als das Martyrium der Protagonistin.

Jene verkörpert Polina Davydova recht intensiv und weitgehend authentisch, zumal ihr Part die meiste Zeit passiv ausfällt und eher auf physische Herausforderungen abzielt, wobei ihr das gelungene Make-up durchaus hilfreich ist. Soundtechnisch wird solide geliefert, der Score fällt allerdings fast gänzlich weg. Leider auch entsprechende Untertitel, denn die Tortur wird per Stream übertragen und kommentiert, - was allerdings ohne Kenntnisse kyrillischer Schrift auf eine Nullnummer hinausläuft. Etwas ärgerlich hinsichtlich des deutschen Vertriebs.

Wer also etwaige Härten von „Saw“ oder „Hostel“ erwartet, dürfte enttäuscht werden, zumal das Geschehen trotz psychischer Spitzen vergleichsweise harmlos abläuft und der Schlafentzug eher beiläufig eingebunden wird. Die Pointe reißt nicht wirklich etwas, wonach es insgesamt an Spannung und genügend Potenzial zum Mitfiebern mangelt.
4,5 von 10

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