Las Vegas ist abgeriegelt, keiner kommt rein oder raus. Prävention bezüglich Glücksspielsucht? Keineswegs, denn die Mauern um die Stadt sollen verhindern, dass sich die in ihrem Inneren „lebenden“ Zombies über den Rest des Landes verteilen. Und in dieses Szenario wird eine zusammengewürfelte Truppe um Scott Ward (Dave Bautista) geschickt, um unter einem der Casinos einen Safe um 200 Millionen Dollar zu erleichtern.
Dabei kann AotD einem guten Ensemble aufwarten, ein paar bekannte Gesichter wie Dave Bautista oder Tig Notaro (die übrigens nachträglich in den Film kopiert wurde) staksen hier durch das apokalyptische Las Vegas und selbst ein kreischender Matthias Schweighöfer hat sich hier her verirrt. Die Figuren haben ihre Eigenheiten und stellen somit nicht mal das genretypisch austauschbare Kanonen- bzw. Gebissfutter dar. Doch leider können auch sie nicht die eine oder andere Länge kaschieren. Snyders erneuter Ausflug ins Zombie-Genre ist einfach zu lang geraten. Für die vorliegende Laufzeit fehlt es an vielen Ecken und Enden. Manches wird auch einfach liegen gelassen. Wie war das mit den Untoten, die durch Regen wieder aufleben?
Wider erwarten bekommt man auch weniger Action als erwartet (wenn es auch immer wieder mal recht blutig vonstattengeht), Suspense wird ebenfalls nicht gerade groß geschrieben. Zwischenmenschlich wird auch nur mit Wasser gekocht und diverse Diskussionen werden zu den unmöglichsten Momenten geführt. Aber auch das sind im Genre bekannte Mechaniken, ebenso wie das dauernde Gefauche und Geglucker der Untoten bei jeder Gelegenheit, was auf die Dauer enervierend ist.
Halten wir also fest: die Truppe an sich funktioniert soweit – da können die Antagonisten nicht wirklich mithalten. Zwar chic in Szene gesetzt und mit ansehnlichem Make Up versehen, bleiben die Untoten trotz einer quasi etablierten Gesellschaft nicht auserzählt. Ja, Zombies gehören generell nicht zu den tiefgründigsten Figuren, aber hier wird einfach viel nur angerissen. Soziologie, organisiertes Vorgehen und Familiengründung – nur, um all dies nicht weiter zu beleuchten.
Das Worldbuilding funktioniert hingegen gut, Las Vegas erstrahlt recht zerrüttet und auch die Innensets sind ansprechend designt. Dass da viel aus dem Rechner stammt, sieht man AotD allerdings an. Was man ebenfalls sieht, ist der vermehrte Einsatz von unscharfen Hintergründen. Dafür vermisse ich die typischen Zeitlupen, ein Trademark, das Snyder wohl diesmal einfach vergessen hat.
Musikalisch gibt’s einige Coverversionen bekannter Stücke, sorgt in einer Fahrstuhlszene auch mal für einen Lacher. Solche sind rar gesät, als spaßige Sause ist das vorliegende Werk aber auch nicht konzipiert worden.
Unterm Strich ist „Army of the Dead“ zu wenig, um wirklich oben mitzuspielen. Dabei sind die Zutaten vorhanden, doch mangelt es an Dosierung und Ausführung, um einen durchgehend unterhaltsamen oder sogar spannenden Ausflug in die Todeszone Las Vegas zu kreieren. Snyder kann das besser.